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| 18:49 Uhr

Bahnverkehr
Mit viel Dampf rund um Trier

Auf der Weststrecke Trier kurz vor der Kaiser-Wilhlem-Brücke. Ab Ende 2021 könnte das für Personenzüge tägliche Normalität sein, dann allerdings ohne Dampf und Rauch.
Auf der Weststrecke Trier kurz vor der Kaiser-Wilhlem-Brücke. Ab Ende 2021 könnte das für Personenzüge tägliche Normalität sein, dann allerdings ohne Dampf und Rauch. FOTO: Rainer Neubert
Trier/Konz/Schweich. Eisenbahnfans lassen sich vom Aprilwetter die Laune nicht verderben. Mit dem Veteran 78 468 über die Weststrecke. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Als der ungewöhnliche Zug langsam auf Bahnsteig 13C des Trierer Hauptbahnhofs einrollt, verstehen die Ordner in ihren gelben Warnwesten keinen Spaß. Wer übereifrig der Bahnsteigkante einen Schritt näherkommt als erwünscht, wird sofort zurückgepfiffen. Schließlich soll sich der Unfall vom Samstag nicht wiederholen, bei dem ein Mann aus der Eifel schwer verletzt worden ist (siehe Info). Die vielen Eisenbahnfans, die sich an diesem Montagmorgen den Spaß nicht vom nasskalten Wetter verderben lassen, zeigen Disziplin und schaffen es, fast ohne Gedränge in einem der historischen Bahnwaggons Platz zu nehmen.

Auch Katharina und Michael Reisen aus Trier-Ehrang haben mit ihren drei Kindern und Oma Marion Finken schnell ein Abteil gefunden, um die ungewöhnliche Fahrt rund um Trier erleben zu können. „Wir haben etwas Praktisches gesucht, das nicht so lange dauert“, erzählt Michael Reisen. „Unsere Kinder sind große Eisenbahnfans und wollten das unbedingt.“ Ganz unschuldig an ihrer Begeisterung ist er sicher nicht. Denn schon an den Tagen davor hatte sich Papa Reisen eine doppelte Portion Dampflokerlebnis genehmigt.

Bei Akt drei des eisenbahnerischen Festmahls zieht nun mit der 1923 gebauten Lok 78 468 eines der ältesten Fahrzeuge des Dampfspektakels im Wechsel mit einer Diesellok die liebevoll restaurierten Wagen. Zudem macht die ungewöhnliche Strecke diese Sonderfahrt attraktiv. Sie beinhaltet alle Güterzugsverbindungskurven im Bereich Konz-­Kar­thaus sowie die Trierer Weststrecke. Es ist ein Rundkurs mit mehreren Richtungswechseln, mit den Eckpunkten Konz, Igel, Schweich und Wellen.

Gesprächspartner zu finden, um das eigene Wissen über die Geschichte der Eisenbahn zu erweitern, ist bei solchen Dampflokereignissen kein Problem. „Die Engländer fahren wirklich weit für so etwas“, weiß Patrick Dienhart, ein echter Fan. Der 41-Jährige aus Hetzerath hat es einfacher, ein Heimspiel sozusagen. „Gestern in der Eifel war wirklich viel los“, erzählt er, als unser Zug nach dem ersten Richtungswechsel über die Moselbrücke bei Konz dampft. Von Feinstaub redet heute niemand.

Rund um Trier FOTO: Rainer Neubert

Polizist Klaus Reichert ist für vier Tage aus Berlin nach Trier gekommen. „Ich bin ein Fan seit meiner ersten Märklin-Eisenbahn.“ Sein Bruder habe zwar leider nur über das Wochenende dabei sein können. „Aber wir haben es doch geschafft, auch etwas von Trier anzusehen.“ Die Verkehrsführung sei da etwas kurios ...

Die lebhaften Unterhaltungen müssen immer wieder unterbrochen werden, wenn der Zug interessante Abschnitte passiert. „Hier stehen die Häuser aber sehr nah und ohne Lärmschutz an den Gleisen“, wundert sich Reichert. Wir befahren also gerade die Weststrecke, auf der ab Ende 2021 stündlich Personenzüge unterwegs sein sollen. Nur mit sehr viel Fantasie gelingt die Vorstellung von neuen Haltestellen an der Römerbrücke und der Kaiser-Wilhelm-Brücke, auf der heute Schaulustige mit Fotoapparaten und Smartphones die stampfende Lok begrüßen.

Mit einer der historischen Loks, der prächtigen Schnellzuglokomotive des Vereins „Pacific 01202“, sind Emil Christen und seine Frau Annemarie aus Bern (Schweiz) zum Dampflokspektakel angereist. „Mein Chef hat mir das als Geschenk für 25 unfallfreie Dienstjahre als Busfahrer gemacht“, freut sich der 71-Jährige. Die zweitägige Anfahrt allein – ein Schlafwagen gehört natürlich ebenso zu dem historischen Zug wie ein Speisewaggon – sei ein Erlebnis gewesen.

Kurzer Stopp im Ehranger Güterbahnhof. Jetzt ist der ehemalige Eisenbahner Horst Strosetzky in seinem Element. Alle Eckdaten zu seinen sieben Touren an drei Tagen hat der 69-jährige in sein Reisetagebuch notiert. Die Lok aus Luxemburg, die CFL 5519, habe er vor 45 Jahren als Technik-Denkmal gesehen. „Wer hätte damals gedacht, dass die heute wieder fährt“, freut sich der Mann von den Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunden.

Dass der Aufenthalt in Schweich 20 Minuten länger dauert als geplant, stört niemanden. Schließlich gibt es genügend Gesprächsstoff, über die letzte 01er-Dampflok in Ehrang, über den Dampflokfriedhof in Konz-Kar­thaus, wo die Deutsche Bahn heute Brückenteile lagert. Kurz ist auch der Unfall vom Samstag Thema. „Haben Sie da mehr gehört? Nein?“ Schon dreht sich wieder alles um Triebwagen, historische Züge, verfallende Bahnhöfe und Veranstaltungen, die man nicht verpassen dürfe. Und dann setzt das Schnaufen der fast 100 Jahre alten Lok wieder ein. Es ist eben Dampfspektakel!

Auf der Weststrecke Trier kurz vor der Kaiser-Wilhlem-Brücke. Ab Ende 2021 könnte das für Personenzüge tägliche Normalität sein, dann allerdings ohne Dampf und Rauch.
Auf der Weststrecke Trier kurz vor der Kaiser-Wilhlem-Brücke. Ab Ende 2021 könnte das für Personenzüge tägliche Normalität sein, dann allerdings ohne Dampf und Rauch. FOTO: Rainer Neubert
Impressionen vom Dampfspektakel 2018
Impressionen vom Dampfspektakel 2018 FOTO: Rainer Neubert
Die Karten helfen bei der Orientierung auf der ungewohnten Strecke.
Die Karten helfen bei der Orientierung auf der ungewohnten Strecke. FOTO: Rainer Neubert
Fachsimpeln über Details: Klaus Reichert (links) und Patrick Dienhart.
Fachsimpeln über Details: Klaus Reichert (links) und Patrick Dienhart. FOTO: Rainer Neubert
Kathrin und Michael Reisen lassen sich den ungewöhnlichen Ausflug mit ihren Kindern Jana, Maria und Lennert sowie Oma Marion Finken nicht entgehen. 
Kathrin und Michael Reisen lassen sich den ungewöhnlichen Ausflug mit ihren Kindern Jana, Maria und Lennert sowie Oma Marion Finken nicht entgehen.  FOTO: Rainer Neubert
Ein Wendepunkt mit Fotostopp ist Wellen an der Obermosel. Die roten Zugleuchten zeigen an, dass die historische Dampflok nun wieder am Ende des Zuges in Richtung Trier fährt.
Ein Wendepunkt mit Fotostopp ist Wellen an der Obermosel. Die roten Zugleuchten zeigen an, dass die historische Dampflok nun wieder am Ende des Zuges in Richtung Trier fährt. FOTO: Rainer Neubert
Impressionen vom Dampfspektakel 2018
Impressionen vom Dampfspektakel 2018 FOTO: Rainer Neubert