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"Mosel-Campus": Handwerkskammer bekommt neues Ausbildungszentrum für 30 Millionen Euro

Die weißen Industriehallen hinten rechts wurden in den 1980er Jahren hinzugekauft und zu Wekstätten umgebaut. Sie müssen dem neuen Gebäude des Berufsbildungszentrums weichen, ebenso wie die braunen Gebäude im Vordergrund.
Die weißen Industriehallen hinten rechts wurden in den 1980er Jahren hinzugekauft und zu Wekstätten umgebaut. Sie müssen dem neuen Gebäude des Berufsbildungszentrums weichen, ebenso wie die braunen Gebäude im Vordergrund. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. So etwas erlebt die Wirtschaft selten: eine millionenschwere Investition in Bildung – getragen von Bund, Land und Handwerkskammer (HWK). Denn in Trier entsteht für die Region ein neues Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Sabine Schwadorf

"Mosel-Campus" heißt der Arbeitstitel des Komplexes, der für die 6900 Handwerksbetriebe in der Region Trier mit ihren 39.000 Beschäftigten und 3900 Lehrlingen verlängerte Werkbank werden soll. Kernaufgabe des Bildungszentrums ist die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. Für 27 Berufe im Kammerbezirk übernimmt die Kammer einen Teil der Aus- und Weiterbildung sowie Meisterkurse für die Betriebe.

"Kleiner, kompakter, multifunktionaler", so beschreibt Manfred Bitter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, die Anforderungen an das neue Gebäude an altem Standort, das Anfang 2018 eröffnet werden soll. "Denn eine Kammer steht und fällt mit ihrem Bildungszentrum." Seit dem Bau 1969 wurden die Werkräume mehrfach umgebaut und um ausrangierte Industriehallen erweitert. "Das alles ist jedoch ein Provisorium", sagt Bitter. Es gebe Nachholbedarf, auch bei der Technik in Millionenhöhe.

Laut Gutachten ist eine Modernisierung schon funktional nicht gegeben, finanziell gesehen sind Neubau und Modernisierung fast gleich teuer. So wird der Neubau auf 30 Millionen Euro geschätzt - das derzeit größte Bildungsprojekt des Handwerks in Rheinland-Pfalz. Der Bund will sich zu 45 Prozent an den Kosten beteiligen, das Land mit 25 Prozent - für die HWK bleiben mit 30 Prozent rund 10 Millionen Euro. Gibt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) dieser Tage grünes Licht für die Planung, kann das Projekt in den europaweiten Architektenwettbewerb gehen.

Für HWK-Chef Bitter ist das Projekt wegweisend: "In den 80er Jahren gab es mehr als 8000 Lehrlinge, heute sind es halb so viele", sagt er. Man müsse für die nächsten Jahrzehnte planen, mit Blick auf den demografischen Wandel, aber auch mit der Option auf Erweiterung. "Handwerk entwickelt sich immer spezieller, Investitionen in Technik sind für kleine Betriebe unrentabel. Der Bedarf am Bildungszentrum bleibt auch in Zukunft hoch."