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Moskau fängt in der Bruchhausenstraße an

Eine russische Spezialität, wie sie mehr und mehr auch in Trier zu haben sind: Russische Pralinen die mit der Wüste Kara Kum werben.Foto: TV-Archiv/Swetlana Rafalkes
Eine russische Spezialität, wie sie mehr und mehr auch in Trier zu haben sind: Russische Pralinen die mit der Wüste Kara Kum werben.Foto: TV-Archiv/Swetlana Rafalkes
TRIER. Vor fast neun Jahren öffnete der erste russische Laden in Trier seine Pforten. Mittlerweile gibt es drei Läden in der Stadt - und viele Stammkunden. ARRAY(0xceaf3e48)

Chinesische Restaurants, italienische Pizzerien, türkische Dönerläden - sie gehören schon seit langem zur gewöhnlichen städtischen Landschaft in Deutschland. Russische Läden sind dagegen noch ziemlich neu. Aber auch sie erobern langsam ihren Platz im Geschäftsleben des Landes und somit auch Triers. Mit russischen Spezialitäten wie den berühmten Pelmenis (Maultaschen), den Blintschikis (Pfannenkuchen), Wodka, Krim-Sekt oder den landestypischen Holzsteckpuppen, den "Matrjoschkas", ziehen die Läden immer mehr Menschen an.Trier ins Herz geschlossen

In Trier gibt es drei Geschäfte, die sich auf russische Waren spezialisiert haben. Das älteste befindet sich in der Bruchhausenstraße. Lydia Hartmann führt den Laden seit 1996. Die studierte Bibliothekarin hat ihren Laden so konzipiert, dass er ein Treffpunkt nicht nur für die russischen Kunden ist, sondern für alle, die die russische Kultur kennen oder kennen lernen möchten. Die in Sibirien geborene Hartmann hat ihr Geschäft deswegen nach dem Namen der russischen Hauptstadt Moskau "Moskowskij" benannt. Im Jahr 1991 ist Hartmann mit ihrem Sohn Sascha nach Deutschland eingereist. Ihr Sohn arbeitet seit dem Ende des Studiums in Berlin, wo auch ihre Geschwister leben und arbeiten. Nur Lydia blieb in Trier, da ihr die Stadt ans Herz gewachsen sei, wie sie sagt. Nach einem Sprachkurs war sie als Bibliothekarin im Archiv tätig. Danach besuchte sie einen kaufmännischen Kurs, in dem sie Buchführung lernte. Sie habe immer ein eigenes Geschäft führen wollen, und dabei habe ihr der Kurs geholfen. In diesem Geschäft habe sie auch ihre Kenntnisse der russischen Kultur zur Geltung bringen wollen. Nun nutzt Hartmann ihre Beziehungen aus alten Zeiten, um eine große Auswahl an russischen Waren anzubieten: Handbemaltes russisches Holzgeschirr, handbemalte Lackminiaturen aus Palech, Porzellan aus der weltbekannten Lomonosov Porzellanfabrik in St. Petersburg und russische Ikonen erblickt das Auge des Käufers. Auch Bücher, Audio- und Videokassetten in russischer Sprache kann man erwerben. Lydia kennt ihre Stammkunden und deren Geschichte, da viele auch auf ein "Schwätzchen" vorbei kommen. Ein anderes Geschäft gibt es in der Paulinstraße. Es heißt "Rovial Markt". Der Besitzer Vitalij Birth kommt auch aus Sibirien, aus Krasnojarsk genauer gesagt. Er war schon immer im Handelsgewerbe tätig. Seit 1993 lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Birth wollte seinen Beruf weiter ausüben. Im Jahr 2000 hat der junge Kaufmann die Möglichkeit dazu erhalten: Er eröffnete einen russischen Laden in der Güterstrasse. Später entschloss sich Birth, ins Zentrum zu ziehen, deswegen ist er seit einigen Monaten in der Paulinstraße. Die ganze Familie hilft mit: seine Mutter Lydia, seine Schwester Natalia und seine Frau Ludmila. Ludmila kümmert sich zwar mehr um ihren neugeborenen Sohn, aber ab und zu kommt sie ins Geschäft, um ihren Mann mit dem kleinen Max zu besuchen. Neben russischem Gebäck und Kuchen hat der Laden eine Fisch- und Fleischtheke. Birth absolvierte eine Fleischerprüfung, um das Angebot an Produkten erweitern zu können. Obst und Gemüse finden sich auch in dem Sortiment des Geschäfts. Seit kurzem hat ein anderer junger Russe, Sergej Schirschow, einen russischen Laden in der Eurener Straße eröffnet. Das Geschäft trägt den Namen "Sibiria", da auch Schirschow aus Sibirien kommt. Seit 1997 ist er mit seiner Frau Tatjana und seinen beiden Kindern Irina und Vadim in Deutschland. Vier Jahre ist Schirschow schon selbstständig. Tatjana hilft auch im Geschäft, sofern ihre Zeit es zulässt. Denn sie ist berufstätig."Na sdorowje" auf das neue Jahr

Die ersten drei Jahre hatte Schirschow einen Laden in Hermeskeil. Die langen Fahrten von Trier nach Hermeskeil hätten aber viel Zeit verschlungen, die eigentlich der Familie zustehen sollte, sagt er. Deshalb habe er die Geschäftsräume nach Trier verlagert. Russen, Deutsche und Polen kämen bei ihm vorbei. Schirschow hat etwar für fast jeden Geschmack: Wobla (ein auf bestimmte Art getrockneter, gesalzener Fisch, der vorzugsweise zu einem Bier gegessen wird), Wodka und eingelegte Salzgurken. Außer russischen Spezialitäten verkauft Familie Schirschow Geschenkartikel wie Porzellan und Kristallgläser. Vor allem vor Silvester herrscht im Laden Hochbetrieb, da Neujahr in Russland schon immer eine große Bedeutung hatte. Doch nicht nur Russen stoßen mit einem "Na sdorowje!" (Zum Wohl!) auf ein gutes neues Jahr an.