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Bistumsreform
Nach heftigen Protesten gegen XXL-Pfarreien - Bistum lenkt teilweise ein

 Symbolfoto: Trierer Dom
Symbolfoto: Trierer Dom FOTO: roland morgen (rm.) - roland morgen (rm.) / Roland Morgen
Trier . Das Bistum reagiert bei der Reform auf Kritik der Gläubigen. Aber noch ist nichts endgültig. Von Bernd Wientjes

Die Proteste gegen die geplante Reform der Pfarreien im Bistum Trier waren heftig. In Mehring (Trier-Saarburg) beteten Anfang des Monats rund 500 Menschen für eine Änderung der Pläne. Einzelne Bürgermeister protestierten bei Bischof Stephan Ackermann. Auf besonders heftigen Widerstand stießen die Pläne in Schweich (Trier-Saarburg). Die dortigen Pfarreien sollten wegfallen und der neuen Großpfarrei Hermeskeil zugeschlagen werden. Auch in Neuerburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und an der Oberen Kyll (Vulkaneifel) regte sich Protest. Die zum Teil lautstarke Kritik – beim Bistum spricht man von „kreativen Reaktionen“ – scheinen auf Resonanz gestoßen zu sein. Beim gestern vorgelegten überarbeiteten Entwurf gibt es gegenüber dem im Oktober vorgestellten einige Änderungen. Statt 33 soll es nun ab 2020 doch wieder wie ursprünglich geplant 35 Großpfarreien geben, 25 davon in Rheinland-Pfalz. In der Region sind elf statt bisher zehn Pfarreien vorgesehen. Derzeit gibt es noch 887 Pfarreien im Bistum.

Die vorgetragenen Argumente hätten geholfen, „eine bessere Abwägung für die Zuordnung einzelner Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften vorzuschlagen“, sagt Christian Heckmann, der Leiter des Synodenbüros. Im Rahmen einer Synode wurde die Bistumsreform beschlossen. Auffälligste Änderung ist die Gründung einer Pfarrei Schweich, zu der künftig auch die Gemeinden Orenhofen, Zemmer und Schleidweiler (Trier-Saarburg), die nach bisherigen Planungen der neuen Pfarrei Wittlich zugeschlagen werden sollten, gehören. Die Pfarrei Hermeskeil wird damit deutlich kleiner als noch vor einem Monat geplant. Zumal Horath (Bernkastel-Wittlich) von Hermeskeil an die Pfarrei Bernkastel-Kues geht.

Auch in der Eifel gibt es Neuzuschnitte. So wandert die Obere Kyll von Prüm in die Pfarrei Gerolstein, die mit 618 Quadratkilometern flächenmäßig die größte Einheit in der Region werden soll. Schönecken, Lasel und Niederlauch (Eifelkreis Bitburg-Prüm) gehen von Neuerburg nach Prüm. Bollendorf soll künftig statt zu Neuerburg zur Pfarrei Bitburg gehören. Die Pfarrei Saarburg schrumpft geringfügig, Lampaden (Trier-Saarburg) wird der Pfarrei Trier zugeschlagen, die mit über 88.000 Katholiken zur stärksten in der Region wird.

In Schweich und im Hochwald reagiert man erleichtert. „Unsere Gebetsmahnwachen haben sicherlich zur Kehrtwende des Bistums im Raum Schweich beigetragen“, ist sich Stefan Lex, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Köwerich (Kreis Trier-Saarburg), sicher. Mit diesem Entwurf sei ein „starkes kirchliches Leben im Hochwald“ möglich, sagt die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Schillingen/Heddert (Trier-Saarburg). Allerdings fragt sie sich: „Wie werden die neuen Pfarreien mit pastoralem Personal besetzt sein?“ Auch die Laienorganisation „Wir sind Kirche“ fordert, dass auch Diakone, Pastoralreferenten oder qualifizierte Laien eine Gemeinde leiten dürfen.

Die neuen Pläne sind allerdings nicht endgültig. Am kommenden Freitag wird der Bischof gemeinsam mit Bistumsgremien darüber beraten. Danach will Ackermann „nach einer Bedenkzeit“ einen Entwurf für das im Laufe des kommenden Jahres beginnende Anhörungsverfahren in den Pfarreien vorlegen. Wie lange diese Bedenkzeit dauere, wisse man nicht, sagte eine Bistumssprecherin. Ebenso wenig, ob noch grundlegende Änderungen zu erwarten seien.