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Nachwuchs für Hebammen: Trierer Klinik will Schülerinnen ausbilden

Trier. Es gibt zu wenig Geburtspfleger. Der Kreis Trier-Saarburg und die Stadt Trier wollen das ändern. Der TV zeigt in einer Serie, was geplant ist. Ein Trierer Krankenhaus leistet einen Beitrag. Christian Kremer

Kliniken, Hebammen- und Elternverbände, Kommunen und das Land machen in der Stadt und im Kreis Trier-Saarburg einen Mangel an Hebammen aus. Die Ursache liegt einerseits an einem Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche, der in der Region Trier verstärkt wird durch die Konkurrenz zum luxemburgischen Arbeitsmarkt mit seinen höheren Nettogehältern.

Auch die Versicherungsprämien für freie Hebammen, die Geburtshäuser eröffnen möchten oder Hausgeburten anbieten, werden immer wieder als Grund angeführt. Seit 2015 gibt es in der Stadt und im Kreis sogar einen Notdienst, der sich um Schwangere und junge Mütter kümmert, die keine Hebamme gefunden haben. Als langfristige Lösung betrachten die Beteiligten das aber nicht.
Um alle Akteure an einen Tisch zu bringen, richten der Kreis und die Stadt Trier am Mittwoch, 30. August, eine Fachtagung aus (siehe Info). Der TV begleitet das Thema und beschreibt die Probleme und Lösungsansätze in der Region, mit denen die Schwangerschaftsbegleitung und die Nachsorgeangebote verbessert werden sollen. Im ersten Artikel geht es jedoch um einen Plan für die klinische Geburtshilfe.
Laut dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium fehlen landesweit 49 Hebammen an Geburtskliniken. Die Region Trier sei neben der Westpfalz besonders betroffen. Deshalb sollen 25 neue Ausbildungsplätze geschaffen werden, heißt es auf TV-Anfrage im Ministerium. Davon soll das Trierer Mutterhaus profitieren.
Plan 15 Hebammen, verteilt auf drei Jahrgänge, will die Trierer Klinik ausbilden. So rüstet sich das Krankenhaus mit Geburtsstationen im Trierer Zentrum und in Trier-Ehrang für die Zukunft. Das Land hat am 10. August nach langen Verhandlungen erlaubt, dass das Mutterhaus Hebammen ausbildet.

Laut Sandra Keßler, Pressereferentin des Landesgesundheitsministeriums, sollen die Ausbildungsplätze schon ab dem Schuljahr 2017/2018 neu geschaffen werden. Vorgesehen ist, dass die Geburtshelferinnen den praktischen Teil der Ausbildung in Trier und die Theorie in der Hebammenschule des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein absolvieren. In dem Koblenzer Krankenhaus befindet sich eine von drei Hebammenschulen in Rheinland-Pfalz. Die anderen beiden sind in Speyer und Mainz.
Ziel Weil die Krankenhausplanung auf Landesebene geregelt wird, kann das Mutterhaus nicht einfach eine eigene Hebammenschule aufbauen. Dazu müsste auch zusätzliches Landesgeld her.

Denn Kliniken werden dual finanziert: Die öffentliche Hand bezahlt die Investitionen der Krankenhäuser, während die Krankenkassen den laufenden Betrieb tragen. Deshalb die Kooperation mit der Koblenzer Schule: So will die Trierer Klinik die Zukunft der Geburtsstationen im Mutterhaus Mitte und in der Ehranger Außenstelle weiterhin sichern.
Das sagt die Klinik Das Mutterhaus ist die letzte Klinik mit Kreißsälen in Trier und im Kreis Trier-Saarburg. Alle anderen Häuser haben ihre Geburtsstationen geschlossen. Der kaufmännische Geschäftsführer des Mutterhauses, Jörg Mehr, sieht in seinem Krankenhaus einen unfreiwilligen Einzelkämpfer (siehe Info). "Wir sind Monopolanbieter - das wollten wir nie werden", sagt er und betont: "Andere Träger haben sich der Aufgabe nicht gestellt. Wir stellen uns der großen Herausforderung." Mit den neuen Ausbildungsplätzen sei er froh. Die Klinik suche nun fünf Bewerber, die schon als Krankenschwester oder Pfleger ausgebildet seien. Dann könne die Ausbildungsdauer von drei auf zwei Jahre verkürzt werden. Dass schon für 2017 passende Kandidaten gefunden würden, sei unwahrscheinlich, sagt Mehr. Er gehe davon aus, dass die ersten Hebammen im Sommer 2020 fertig ausgebildet seien.
Geburtenzahlen und Personal 2731 Kinder sind 2016 an den Mutterhaus-Standorten Mitte (1829) und Ehrang (902) zur Welt gekommen, für 2017 erwartet die Klinikleitung 2378 Entbindungen und 2462 Neugeborene. Um das zu bewältigen, stehen laut Kliniksprecherin Kristina Kattler an beiden Standorten 47 Hebammen und 39 Ärzte in der Geburtshilfe bereit. Dabei ist zu berücksichtigen, dass etliche davon in Teilzeit beschäftigt sind. Die Hebammen besetzten zum Beispiel 23,5 Stellen, heißt es bei der Klinikleitung. Privatdozent Dr. Wolfgang Thomas, Ärztlicher Direktor der Klinik, sagt: "Alle Schichten sind besetzt." Es gebe jedoch Engpässe wegen Urlaubs oder Krankheitsfällen. Dass es trotzdem manchmal eng werde, hänge mit der Planungsgrundlage zusammen ("Zu wenig Platz für die vielen Geburten", TV vom 31. Oktober 2016). Da gehe die Klinik nicht von Höchstwerten bei den Geburten aus. Die Stellenpläne basierten auf verlässlichen Zahlen, somit auf einem mittleren Wert. Klinikschließungen

2013 haben gleich drei Kliniken in der Region Trier ihre Geburtenstationen geschlossen (Kreiskrankenhaus Saarburg, Marienkrankenhaus in Gerolstein und St.-Josef-Krankenhaus in Hermeskeil). 2015 sind die Kreißsäle des Elisabethkrankenhauses in Trier und des Klinikums Mittelmosel Zell in Traben-Trarbach weggefallen.

Fachtagung im Kreishaus

Die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg veranstalten am Mittwoch, 30. August, im Kreishaus am Willy-Brandt-Platz in Trier eine Fachtagung zum Thema "Perspektiven zur Gesundheitsfürsorge durch Hebammen in der Region Trier".

Die beiden Kommunen, die seit 2015 gemeinsam einen Hebammennotdienst finanzieren, laden dazu ab 17.30 Uhr ein. Unter anderem ist eine Podiumsdiskussion geplant.

Daran werden die Bürgermeisterin der Stadt Trier, Angelika Birk, die Vorsitzende des Landeshebammenverbandes, Ingrid Mollnar, der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Mutterhaus in Trier, Dr. Wolfgang Thomas, sowie Jennifer Brinkmann vom Verein Motherhood teilnehmen. TV-Redakteur Christian Kremer moderiert die Veranstaltung. Meinung: Wichtiger Schritt zur Besserung


Die meisten Familien sind froh, wenn vor, während und nach der Geburt eine Hebamme für sie da ist. Denn sie helfen nicht nur bei medizinischen, sondern auch bei alltäglichen Problemen.

Viele finden aber keine Geburtspflegerin. Dabei zeigen sie werdenden und jungen Eltern, dass Schwangerschaft, Geburt, Stillen und die Versorgung eines Säuglings etwas Natürliches sind. Im Gegensatz zu Ärzten betrachten Hebammen nicht nur die medizinische Seite, sondern die Gesamtsituation.

So gehen sie mehr auf die psychischen und sozialen Belange der Frauen ein. Deshalb sind Hebammen wichtig. Der Plan des Mutterhauses, Hebammen auszubilden, ist ein Puzzlestück im Kampf gegen den Mangel. Letztlich müssten Eltern, Hebammen, Politiker, Kliniken, Kommunen und Versicherungen an einem Strang ziehen. Die Fachtagung könnte da einen Dialog lostreten, der eine Lösung näherbringt.
c.kremer@volksfreund.de