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Neue Bahnsteige: Deutsche Bahn plant weitere Haltepunkte - Stadt setzt auf Trier-Nord und Kaiserthermen

FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier. Ab Ende 2020 rollen wieder Personenzüge auf der Weststrecke. Zwei Jahre später könnte es auch auf der anderen Seite der Mosel neue Haltstationen geben. Eine Initiative der Deutschen Bahn macht das möglich. Rainer Neubert

Trier. Wie immer bei der letzten Sitzung vor den Sommerferien, war von den Stadträten gestern Abend Ausdauer gefragt. Bei vielen der 35 öffentlichen Tagungspunkten wurde ausführlich und emotional diskutiert.

Sachlichkeit war allerdings bei einem Thema gefragt, das für die zukünftigen Verkehrsströme in Trier große Bedeutung hat. Wie soll es nach dem Ausbau der Weststrecke mit dem Personennahverkehr auf der Schiene weitergehen?

Stationsoffensive: Die sogenannte Stationsoffensive der Deutschen Bahn bringt weitere neue Haltepunkte - besonders auf der Oststrecke - schneller ins Spiel, als dies nach der Zusage von 19 Millionen Euro durch das Land für die Reaktivierung der Gleise im Westen für möglich gehalten wurde. Die bundesweite angelegte Kampagne zielt darauf, systematisch "sinnvolle und zugleich wirtschaftlich betreibbare" Stationen im Schienennetz der Deutschen Bahn zu identifizieren. 41 ausgewählte Standorte im Gebiet des Zweckverbandes SPNV Nord sind nach Darstellungen des Stadtplanungsamtes in der Detailprüfung, darunter auch mehrere im Stadtgebiet Trier.
Besonders interessant ist das deshalb, weil das Finanzierungsmodell für neue Haltepunkte für die Stadt ähnlich funktionieren würde wie bei der Weststrecke: Deren Beteiligung würde sich ausschließlich auf die Infrastruktur im Umfeld konzentrieren.

Weil die Stadt noch im Sommer ihre Prioritäten bei der Bahn und beim Land anmelden soll, stimmte der Rat gestern zu später Stunde über die umfassende Untersuchung und die Empfehlungen der Verwaltung ab.

Oststrecke: Auf Basis der Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2012 wurden alle potenziellen Standorte noch einmal unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind in den vergangenen Tagen bereits in diversen Ortsbeiräten vorgestellt worden. Weil laut Bahn jeweils maximal ein zusätzlicher Haltepunkt nördlich und südlich des Hauptbahnhofs möglich ist, sind die Empfehlungen der Verwaltung überschaubar.

So soll der Standort Trier-Nord/Dasbachstraße erste Priorität erhalten. Wie Baudezernent Andreas Ludwig klar gemacht hat, ist allerdings die Realisierung der Ortsumfahrung Kürenz (Neuanbindung Aveler Tal über die Achse Grüneberg-Dasbachstraße) dafür Voraussetzung. Sollte die nicht kommen, rückt der Standort Kürenz (Avelsbacher Straße) als möglicher Haltepunkt nach.
Im Süden des Hauptbahnhofs hätte ein Haltepunkt Kaiserthermen (Höhe Hermesstraße) das größte Potenzial für eine wirtschaftliche Nutzung. Als Nachrücker sind die Standorte St. Matthias (Aulstraße) und St. Medard (Medardstraße/B 268) denkbar.

Weststrecke: Für die Menschen im Westen Triers liegt derzeit noch der Fokus auf der Realisierung der bereits beschlossenen Haltepunkte, für die im Herbst das Planfeststellungsverfahren beginnen soll (siehe Extra).
So wurde am Mittwochabend im Ortsbeirat Trier-West/Pallien darüber gerätselt, wie der Haltepunkt an der Kaiser-Wilhelm-Brücke angesichts der beengten Verhältnisse realisiert werden kann. "Unabhängig davon ist es dringend notendig, den Platzbereich vor der Brückentreppe in Ordnung zu bringen", fordert Ortsvorsteher Horst Erasmy.
Als möglichen weiteren Haltepunkt auf der Weststrecke halten die Stadtplaner vor allem Biewer für sinnvoll. Allerdings kann diese Priorität vorerst nicht bei der der Stationsoffensive der Bahn angemeldet werden.Extra

Bei der Reaktivierung der Weststrecke für den Personennahverkehr sollen die Interessen der Trierer Bürger berücksichtigt werden. Das haben Vertreter der DB Netz AG im Gespräch mit Oberbürgermeister Wolfram Leibe bereits vor einem Jahr versichert. Instrument dafür ist das Planfeststellungsverfahren, dass nach aktuellem Stand im Herbst 2016 eingeleitet wird. In diesem Verfahren können die Träger öffentlicher Belange Hinweise und Einwände einbringen, die geprüft und bei der Planung berücksichtigt werden. Neben Behörden, Umweltschutzverbänden und Rettungsdiensten haben auch Anwohner und andere Bürger die Möglichkeit, zum Beispiel ihre Interessen beim Lärmschutz einzubringen. Das Verfahren wird voraussichtlich zwei Jahre dauern. Geplanter Baubeginn ist Anfang 2019. r.n.Extra

Februar 2014: Beschluss Weststrecke durch den Stadtrat Trier. ab 2014: Vergabe der beiden neuen Regionalbahnlinien West. seit 2015: Zweigleisigkeit bei Igel. Sommer 2016: Priorisierung weiterer Haltepunkte (West- und Oststrecke). Herbst 2016: Start Planfeststellungsverfahren für die Weststrecke. bis Dezember 2020: Planung und Bau der neuen Haltepunkte sowie der Überleitung zur Weststrecke Dezember 2020: Betriebsaufnahme Weststrecke. anschließend: Planung und Bau weiterer Haltepunkte. r.n.