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Neuer Chef im "Mutterhaus"

TRIER. Seit gestern Nachmittag hat der Fernmeldebereich 92 der Bundeswehr einen neuen Kommandeur: Oberst Ludwig Leinhos (47) übergab bei einem Appell in der General-von-Seidel-Kaserne die Leitung an Nachfolger Oberst Volker Saueressig (53). ARRAY(0x1559c560)

Bundeswehr-Kommandeure bleiben im Durchschnitt rund zweieinhalb Jahre an einem Standort. Insofern war Ludwig Leinhos, der im August 2001 nach fünfmonatiger Stellvertreter-Funktion die Leitung seines Fernmeldebereichs übernahm, durchaus "reif" für eine neue "Verwendung", wie es im Fachjargon heißt. Aber dann ging es ruck,zuck! Als die Trierer Fernmelder am 19. April die Einladungen zur Kommando-Übergabe verschickten, stand noch nicht einmal der Name des neuen Chefs fest. Den vermeldete das übergeordnete Kommando Strategische Aufklärung erst am vergangenen Montag. Brigadegeneral Kurt Herrmann begründete dies gestern mit "überraschenden personellen Veränderungen in anderen Organisationsbereichen. Es entstand damit die Notwendigkeit zur Nachbesetzung auf herausgehobene Schlüsselpositionen, die eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht geplant waren". So klettert Oberst Diplom-Ingenieur Ludwig Leinhos höher auf der Karriereleiter. Der 47-jährige gebürtige Aalener, der bereits von 1984 bis 1988 in Trier stationiert war, übernimmt am 1. Mai eine Leitungsposition beim Informationstechnik-Amt der Bundeswehr in Koblenz. Herrmann dankte bei der gestrigen Verabschiedung für die in Trier geleistete erfolgreiche Pionierarbeit bei der Umstrukturierung der Streitkräfte. Als Leinhos vor 37 Monaten das Kommandeursamt antrat, hieß der Verband noch Fernmeldebereich 70, gehörte zur Luftwaffe und unterstand deren Führungsdienstkommando. Nichts von alledem trifft heute noch zu. Die Neuorganisation der Fernmmelde- und Elektronischen Aufklärung der Bundeswehr brachte eine Zuordnung zur Streitkräfte-Basis; der Verband wurde der Strategischen Aufklärung unterstellt und in Fernmeldebereich 92 umbenannt. Äußeres Erkennungsmerkmal für die tief greifenden Veränderungen: Inzwischen sieht man neben Luftwaffen- auch Heeres- und Marineuniformen in der Kaserne an der Luxemburger Straße. Sie ist das "Mutterhaus" (Leinhos) für sechs weitere Standorte in Berlin-Gatow, Großenbrode/Ostsee, Kötzting, Donauwörth, Dillingen/Donau und Lechfeld. Auftrag der zurzeit insgesamt 2400 Soldatinnen und Soldaten: "Mittels technischer Aufklärung Informationen über militärisch relevante Interessengebiete, Kräfte und Mittel gewinnen." Soldaten des Fernmeldebereichs 92, vor allem aus Donauwörth, vereinzelt auch aus Gatow und Trier, nehmen an Auslands-Einsätzen der Bundeswehr teil. Leinhos dankte zum Abschied seinen Soldaten-Kollegen und Zivilangestellten für "ausgezeichnete Arbeit. Ohne Sie wäre die zeitgerechte und erfolgreiche Einnahme der grundlegend neuen Verbandsstrukturen nicht möglich gewesen". Passend zum Anlass und zur modernen Bundeswehr spielte das Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz unter anderem die Andrea-Bocelli-Hymne "Time to say goodbye". Leinhos' Nachfolger, Oberst Diplom-Betriebswirt (FH) Volker Saueressig, stammt aus Nastätten/Taunus und leitete die Zentrale Bundeswehr-Untersuchungsstelle-Untersuchungsstelle für Technische Aufklärung in Hof.