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Neues Angebot des Ölkonzerns BP - "Eine Oase zum Auftanken"

Radfahren in der Ostallee ist kein Vergnügen. Das Angebot der BP liegt auf dem Tisch – jetzt muss der Rat entscheiden. TV-Foto: Friedemann Vetter
Radfahren in der Ostallee ist kein Vergnügen. Das Angebot der BP liegt auf dem Tisch – jetzt muss der Rat entscheiden. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier. Der Ölkonzern BP will in einen Radweg investieren, wenn der Trierer Stadtrat am 8. März den Pachtvertrag der Aral-Tankstelle in der Ostallee verlängert. Doch "investieren" ist ein sehr dehnbarer Begriff. Jörg Pistorius

Trier Das Radverkehrskonzept 2025 ist eindeutig: Die Aral-Tankstelle in der Ostallee soll zum Jahresende 2017 verschwinden. Auf dem Grünstreifen zwischen Ostallee und Balduinstraße soll stattdessen ein Radweg in zwei Richtungen führen. Der Stadtrat hat dieses Konzept im November 2015 einstimmig beschlossen, das Ende der blauen Lagune zum Jahreswechsel schien sicher - doch jetzt liegt ein neues Angebot des Mutterkonzerns BP auf dem Tisch (der TV berichtete am 24. Februar).

Dessen Kern: Wenn die Stadt Trier den Pachtvertrag für die Tankstelle um zehn Jahre mit der Option auf weitere fünf Jahre verlängert, dann wird die deutsche BP nicht nur eine modernere und schönere Tankstelle bauen, sondern auch ins Radwegenetz investieren.
So stellt es die Ratsfraktion der Unabhängigen Bürgervertretung Trier (UBT) dar. Sie hat das Angebot der BP in einen Antrag gepackt, der am Mittwoch, 8. März, auf der Tagesordnung des Stadtrats steht. Auf Initiative des Trierers Markus Römer hat der Konzern seine Pläne auch CDU und SPD präsentiert, doch die UBT war schneller oder konsequenter. Oder beides.

UBT-Fraktionschefin Christiane Probst betont: "Es war die damalige FWG Trier, die 2011 den Antrag zum Erhalt der blauen Lagune eingebracht hatte. Wir sehen es als unseren Auftrag, jetzt wieder aktiv zu werden, denn die Verwaltung hätte das Thema versanden und auslaufen lassen." FWG - Freie Wählergemeinschaft Trier - ist der frühere Name des politischen Vereins, der sich zum 1. Januar in UBT unbenannt hat.
In ihrem Antrag präsentiert die UBT das Angebot des Ölkonzerns so: "Wenn die BP Deutschland Planungssicherheit erhält, wäre sie bereit, die vorhandene Tankstelle durch eine wesentlich verbesserte, neue Tankstelle zu ersetzen sowie weitere Investitionen zur Verbesserung der Verkehrssituation, der Infrastruktur und zur Realisierung eines Radweges zu tätigen."

Die UBT distanziert sich in ihrem Antrag auch vom 2015 einstimmig beschlossenen Radverkehrskonzept, zumindest was die Ostallee angeht. "Der Plan, anstelle der Tankstelle einen Radweg durch den Mittelstreifen der Allee zu führen, dürfte angesichts der bisherigen Radwegstücke in der Ostallee aus stadtplanerischen Gründen und aus finanziellen Gründen in den nächsten Jahren nicht zu realisieren sein." Und außerdem halte die UBT einen Radweg durch den Mittelstreifen der Ostallee für "unangebracht". Viel sinnvoller sei er links und rechts der Fahrbahnen. "Die BP ist bereit, sich an den Kosten einer solchen Lösung zu beteiligen."
Der TV fragt Detlef Brandenburg, den für die Marke Aral zuständigen Sprecher der deutschen BP. Wie sehen die Pläne des Mutterkonzerns genau aus - und will er tatsächlich "die Verkehrssituation und Infrastruktur verbessern", wie die UBT es angekündigt hat?

Brandenburg zeigt dem TV die Entwürfe des Architekturbüros Graner aus Bergisch-Gladbach. Dieses Konzept sieht vor, die alte Tankstelle abzureißen und eine neue zu bauen. Die Bäume sollen nicht verschwinden, sondern integriert werden. Aus dem unansehnlichen alten Parkplatz neben der Tankstelle soll eine Ladestation für Elektromobile werden. Mehr noch: Die BP will den Charakter der blauen Lagune verstärken - auch wenn im Konzept nicht von einer Lagune, sondern einer Oase die Rede ist - und ein "Hochbeet mit Bepflanzung, ein Wasserspiel zur Entspannung, geschützte Sitzgelegenheiten, einen Sonnenschutz und eine Sichtschutzwand mit Berankung" installieren. Die blaue Lagune soll ein Ort "zum Verweilen und Auftanken von Fußgängern, Autofahrern und Radfahrern" werden.

Die von der UBT in Aussicht gestellten "Investitionen in die Realisierung eines Radwegs" kommen im Papier der BP nur in einem einzigen Begriff vor. Dieses lautet "Radwegintegrierung". Aral-Sprecher Detlef Brandenburg erläutert auf Nachfrage des TV: "Wir sprechen hier natürlich nicht über einen Radweg für die gesamte Ostallee. Gemeint ist der Teil des Radwegs, der direkt um unsere Tankstelle herumführt." Ob diese einige Meter langen Stücke direkt um die blaue Lagune herumführen und damit innerhalb der beiden Hauptverkehrsachsen Ostallee und Balduinstraße liegen oder an den rechten und linken Fahrbahnrändern vorbeiführen, hänge davon ab, was die Stadt Trier an dieser Stelle konkret vorhabe und realisieren wolle. "Darauf haben wir natürlich keinen Einfluss, diese Entwicklung müssen wir abwarten", sagt Brandenburg. Deshalb könne und wolle er auch noch nicht die konkrete Summe nennen, mit der die deutsche BP in Trier investieren will.Meinung

Wenn ein Angebot gut ist - einfach annehmen!
Das Angebot des Ölkonzerns ist einfach zu gut, um es abzulehnen. Die deutsche BP will einen Radweg um die Tankstelle herum finanzieren - das ist in Kombination mit der kompletten Umgestaltung und Modernisierung des gesamten Areals ein klares Plus für die Stadt Trier. Aus der in die Jahre gekommenen blaue Lagune soll eine moderne blaue Oase werden. Wer jetzt nach einem grünen und nicht von störenden Tankstellen unterbrochenen Alleenring ruft, öffnet sich dem Vorwurf, Prinzipienreiterei über Realismus zu setzen. Und mit Verlaub: Die im Radwegekonzept festgehaltene Idee, den Radweg zwischen die Ostallee und die Balduinstraße zu quetschen, ist ganz einfach nicht gut. Es wäre absurd, die Tankstelle für eine ferne Zukunftsplanung zu opfern, die an dieser Stelle niemand wirklich will und die auch möglicherweise niemals kommen wird. Dazu kommen jährliche 50 000 Euro an Pachteinnahmen und 18 Arbeitsplätze. Die Stadt profitiert vom Angebot der BP - der Rat sollte es annehmen. j.pistorius@volksfreund.de