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Viez-Jupp
Nicht jammern, lieber Stadtrat

Ich gebe es gerne ganz offen zu: Manchmal bin ich einfach überfordert. Bei meiner Steuererklärung, bei der Interpretation unserer Heizkostenabrechnung, bei der Lektüre mancher Bücher.

Und auch die Ansichten meiner Bärbel überfordern mich gelegentlich. Das ist aber nicht schlimm, sagt Bärbel. Solange ich ihren Ansichten folge und tue, was sie sagt.
Ich bin damit offenbar nicht der Einzige. Wie man so hört, gab es dieser Tage Zoff zwischen den Stadtratsfraktionen und der Verwaltung. Die hatte den Ehrenamtspolitikern nämlich ein 800 Seiten starkes Haushaltsdokument vorgelegt und ihnen dann drei Tage Zeit gegeben, dieses Ding zu lesen und zu verstehen. Ausgerechnet der Haushalt. Das Buch mit sieben Siegeln. Darüber hatten sich die Damen und Herren des Rats dann auch beschwert. Das hat aber nicht viel genutzt, denn beschließen müssen sie das Paket trotzdem, sonst schimpft die Kommunalaufsicht.
Ich habe mir darüber lange Gedanken gemacht. Kann und darf man von einem Hobbypolitiker tatsächlich verlangen, dass er den Haushalt seiner Stadt versteht? Auch wenn er oder sie keine Ausbildung und Erfahrung als Verwaltungsbeamter oder Kämmerer hat?
Die Antwort liegt auf der Hand: Ja, das darf und kann man verlangen. Man muss es sogar. Wer den Haushalt nicht versteht, der kann auch nicht mitgestalten in Trier. Dem geht es so wie mir: Ich mache dann einfach, was Bärbel sagt. Das funktioniert bei uns zu Hause ganz gut, zumindest herrschen dann Ruhe und Frieden. Aber die Anforderungen an ein gewähltes Mitglied des Stadtrats sind natürlich wesentlich höher als die Anforderungen meiner Bärbel an mich.
Deshalb: Lieber Stadtrat, bitte nicht jammern. Krempele deine Ärmel hoch und mach dich ran an die Arbeit. Das findet jedenfalls euer Jupp.