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Wirtschaft
„Nur noch wenig Interesse am Weinbau im Raum Trier“ - Wird die Weinbaudomäne Avelsbach verkauft?

Die Weinbaudomäne Avelsbach. Foto: Roland Morgen
Die Weinbaudomäne Avelsbach. Foto: Roland Morgen FOTO: roland morgen (rm.)
Trier. Landrat Günther Schartz (CDU) und Walter Clüsserath, der Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes im Kreis, kritisieren das Land scharf, weil es die staatliche Weinbaudomäne verkaufen will. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Ein Verkauf der staatlichen Weinbaudomäne Avelsbach und der Rebflächen „in den besten Lagen von Trier“ gehe zu Lasten der gesamten Region und habe negative Auswirkungen auf den Weinbau rund um die Römerstadt – das sagen der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU) und Walter Clüsserath, der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes. Beide wenden sich mit einem Schreiben direkt an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Schartz und Clüsserath protestieren gegen die Pläne des Landes Rheinland-Pfalz, die Domäne nach Jahren der Verluste und Zuschüsse in Millionenhöhe zu verkaufen (der TV berichtete).

Die Betrieb im Aveler Tal, der auch ein bedeutendes Industriedenkmal darstelle, sei mit hohem Kostenaufwand saniert und technisch aufgerüstet worden, um ihn auf unbestimmte Zeit zu erhalten. Das fordern der Landrat und der Verbandsvorsitzende ein. Eine Schließung der Weinbaudomäne  in Trier füge sich „in eine Reihe negativer Entscheidungen des Landes“ ein, „die mit der Auflösung der Domänen in Serrig und Ockfen im Landkreis begonnen und sich später im Rahmen der Agrarverwaltungsreform mit der Auflösung der Landeslehr- und Versuchsanstalt sowie des Kulturamtes in Trier fortgesetzt haben“.

Durch diese Entscheidungen und die jetzt mögliche Veräußerung der Domäne entstehe der Eindruck, dass das Land an der weiteren Entwicklung des Weinbaus im Raum Trier nur noch wenig Interesse habe, argumentieren beide. Dabei verfüge der Kreis Trier-Saarburg zusammen mit der Stadt Trier mit rund 800 Weinbaubetrieben über die größte Rebfläche von über 3700 Hektar an der Mosel und nehme damit im Weinbau eine bedeutende Rolle ein. Schartz und Clüsserath fordern, die zukünftige Verwendung der Domäne genau zu prüfen und ein Konzept „mit den Verantwortlichen im Trierer Raum“ abzustimmen.

Doch so einfach ist ein Verkauf nicht. Seit 2016 ist die Domäne ans DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich verpachtet, dessen Ziel es war, den Betrieb wieder rentabel zu machen (siehe Info). „Wir wollen raus aus diesem Pachtvertrag“, sagt Interims-Geschäftsführer Sebastian Böstel heute. „Ein rentabler Betrieb ist unter den gegebenen Voraussetzungen nicht möglich, die Produktion von Biowein ist einfach zu teuer.“ Böstel spricht von Verlusten „in mittlerer sechsststelliger Höhe pro Jahr“. Er betont, Mainz habe Zustimmung signalisiert. „Das Land sagt, es wolle uns aus dem Vertrag entlassen und die Domäne verkaufen.“

Die Umstellung auf eine ökologische Produktion und Biowein war bereits seit 2013 ein Ziel des Landes. Chemische Pflanzenschutzmittel sind dabei verboten. Auch Bodenbearbeitung, Düngung und zahlreiche weitere Bereiche müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Die dadurch entstehenden höheren Produktionskosten wollte das Land mit höheren Preisen ausgleichen.

Auch diesen Schritt kritisieren Schartz und Clüsserath: Mit der „einseitigen Vorgabe“, ökologischen Weinbau zu betreiben, habe das Land dem Betreiber „den Spielraum genommen, betriebswirtschaftlich optimal zu arbeiten“.

 Ein Verkauf der Domäne hätte auch Folgen für die Stadt Trier, denn natürlich stellt sich die Frage, was ein Investor und Käufer mit stadtbildprägenden Flächen wie denen oberhalb des Amphitheaters im Stadtteil Olewig anzustellen gedenkt. Man hört Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) eine leichte Besorgnis an: „Das Ensemble aus Weinbau und Landschaft ist für Trier wichtig, deswegen hat die weitere Entwicklung dort für unsere Stadt eine große Bedeutung.“

Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in Mainz nimmt auf Anfrage des TV Stellung zur aktuellen Lage. „Zurzeit läuft noch die Wertermittlung für das Hofgut Avelsbach durch externe Sachverständige“, erklärt LBB-Sprecherin Claudia Renner. „Angestrebt ist der Start des Bieterverfahrens noch  in diesem Jahr.“ Die Einzelheiten dieses Verfahrens, so Renner, stehen jedoch noch nicht fest. So bleibt vorerst offen, ob der gesuchte Käufer den Weinanbau in Trier weiter betreiben soll oder ob er frei entscheiden kann, was er auf den erworbenen Arealen bauen will.

Renner kündigt außerdem an, das Wirtschaftsministerium in Mainz werde noch auf den Protest des Landrats und des Vorsitzenden des Bauern- und Winzerverbands reagieren.

Der Kommentar:

Dieser Schritt ist überfällig –

auch wenn er wehttut

Von Jörg Pistorius

Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann spring ab. Diese Weisheit wird den amerikanischen Ureinwohnern vom Stamm der Dakota zugeschrieben und seit Jahren in der Welt der Wirtschaft und Finanzen immer wieder gern zitiert. Die staatliche Weinbaudomäne ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Sie ist zweifellos ein Betrieb mit langer Tradition, der herausragend gute Weine produziert. Aber bedauerlicherweise ist sie auch ein totes Pferd, dessen Kadaver vom Land Rheinland-Pfalz seit Jahren mit zum Scheitern verurteilten Wiederbelebungsversuchen gequält und malträtiert wird.

Alle Versuche der vergangenen Jahre, die Domäne zu einem rentablen Betrieb zu machen und ins schöne Land der schwarzen Zahlen zu führen, sind gescheitert. Jetzt will auch das DRK Sozialwerk, vor zwei Jahren noch als Retter gefeiert, raus aus dem Pachtvertrag. Ein Verkauf ist die einzige logische Lösung – nur so steigt das Land endlich von dem schon lange toten Pferd ab.

j.pistorius@volksfreund.de