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Tierrettung
Trierer Geschäftsfrau rettet Gänse vor dem Verkehr

Sicheres Asyl: In einem Optikerfachgeschäft verbringen die verirrten Nilgänse die Zeit, bis die Feuerwehr kommt.
Sicheres Asyl: In einem Optikerfachgeschäft verbringen die verirrten Nilgänse die Zeit, bis die Feuerwehr kommt. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund
Trier. Große Aufregung am Dienstagvormittag in der Trierer Neustraße: Eine neunköpfige Nilgänse-Familie watschelt Richtung Kaiserstraße. Dort könnte es lebensgefährlich für sie werden.
Roland Morgen

Was für eine Aufregung am Dienstagvormittag in der Trierer Neustraße: Eine neunköpfige Nilgäse-Familie watschelt Richtung Kreuzung Südallee. Und damit Richtung Verderben. Schon jetzt befinden sich die Vögel in höchster Gefahr. Der Neustraßen-Abschnitt am Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasium (AMG) ist verkehrsberuhigte Zone. Doch dafür herrscht ziemlich viel Betrieb, und an die vorgegebene Schrittgeschwindigkeit halten sich die wenigsten Autofahrer.

Dann geht es blitzschnell. Beatrix Reitemeyer, von einer Nachbarin per Telefon alarmiert, öffnet ihr Optikerfachgeschäft für die Gänse, gleichzeitig wird die Berufsfeuerwehr alarmiert. Passantinnen helfen dabei, die Tiere in den Laden zu locken. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Von wegen! In geschlossenen Räumen fühlen sich die gefiederten Gäste sichtlich unwohl und suchen immer wieder einen Weg  nach draußen. Der wild flatternde Gänsevater macht mehrfach schmerzhafte Bekanntschaft mit der Glastür des Hinterausgangs, während die Mutter darauf achtet, dass niemand dem Nachwuchs zu nahe kommt.

Mit Brotkrumen klappt’s dann doch: Beatrix Reitemeyer lockt die Gänsefamilie aus ihrem Laden in den Transportkasten.
Mit Brotkrumen klappt’s dann doch: Beatrix Reitemeyer lockt die Gänsefamilie aus ihrem Laden in den Transportkasten. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund

Die Feuerwehr fährt nach wenigen Minuten mit einem Gerätewagen vor. „Der ist quasi unser Mädchen für alles, was mit Tierrettung zu tun hat“, erläutert Mario Wagner. Selbstverständlich gehört auch ein Transportkasten zur Ausrüstung. Doch alle Versuche, das Federvieh dort hineinzubekommen, scheitern zunächst. Die Vögel sind  so störrisch, wie man es Eseln nachsagt. „Flöhe hüten ist einfacher“, vermutet Wagners Kollege Philipp Schmitt. Beatrix Reitemeyer versucht’s mit Brotkrumen – und hat Erfolg.

Husch husch, ins Körbchen: Marianne Knorr und Feuerwehrmann Philipp Schmitt wollen das verirrte Federvieh Richtung Ladenausgang geleiten, wo bereits der Transportkasten wartet. Doch die Gänse sind störrisch wie Esel.
Husch husch, ins Körbchen: Marianne Knorr und Feuerwehrmann Philipp Schmitt wollen das verirrte Federvieh Richtung Ladenausgang geleiten, wo bereits der Transportkasten wartet. Doch die Gänse sind störrisch wie Esel. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund

Decke über den Kasten (damit keines der Küken durch die Gitterstäbe ausbüxt), und ab geht’s unter Beifall von AMG-Schülerinnen, die das Ganze von Klassenfenstern aus beobachtet hatten, zum Moselufer. Dort setzen die Feuerwehrleute sie aus.

Geschafft: Feuerwehrmann Mario Wagner hat die Vögel im Kasten. Gleich geht’s mit dem Gerätewagen hinten rechts zur Mosel.
Geschafft: Feuerwehrmann Mario Wagner hat die Vögel im Kasten. Gleich geht’s mit dem Gerätewagen hinten rechts zur Mosel. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund

Denn die Nilgänse dürften auf der Suche nach Wasser gewesen sein. Der Teich im Palastgarten beim Kaiserthermen-Eingang, wo sich die Familie sonst heimisch fühlt, ist derzeit leer. Das ist wohl der Grund für die tierische Odyssee durch die nur wenige Hundert Meter entfernte Neustraße.

Gegen 10.15 Uhr sind die Nilgänse weg, aber nicht so ganz. Im Optikergeschäft beginnt nun das große Reinemachen: Die Spontangäste haben einiges an Vogeldreck auf dem Boden zurückgelassen.