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Handwerk
Öko 2018: Karrierestart auf der Handwerksmesse

Der Andrang während der dreitägigen Messe war nach Angaben der Veranstalter groß.
Der Andrang während der dreitägigen Messe war nach Angaben der Veranstalter groß. FOTO: Lisa Bergmann / TV
Trier. Etwa 14 000 Besucher sind zur diesjährigen Öko-Messe im Messepark Trier gekommen. Die ausstellenden Betriebe hoffen jetzt, nicht nur neue Kunden gewonnen zu haben. Das eine oder andere Arbeitsverhältnis könnte sich dort vielleicht ebenfalls angebahnt haben. Von Lisa Bergmann
Lisa Bergmann

Es dauerte am ersten Messe-Tag nicht lange, bis sich das Favoriten-Thema der Öko 2018 herauskristalliert hatte. Der Fachkräftemangel hat das Handwerk erreicht – und damit auch das Messegelände. Sonst im Wesentlichen ein Ort, wo Handwerker neue Kunden suchen und umgekehrt, entpuppte sich die Öko diesmal ein bisschen auch als Karriereplattform.

Ein Ofenbauer aus Trier etwa nutzte die Gunst der Stunde – und warb per Aushang am Stand um neue Monteure. „Fachkräfte suchen wir immer, aber im Moment ist der Bedarf akut“, sagt Geschäftsführer Christian Schenk. Für ihn ist die Messe der geeignete Ort, um Kundenakquise und Mitarbeitergewinnung zu verbinden. „Es ist ein Forum, wo viele Leute was sehen. Und die erzählen es dann vielleicht auch weiter.“ Schenk setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda.

Horst Langen, Geschäftsführer eines Trierer Sanitär-Betriebes, machte im Rahmen einer Podiumsdiskussion, moderiert von TV-Redakteurin Sabine Schwadorf, ebenfalls auf das Problem aufmerksam: „Die Lage ist dramatisch. Wir nehmen alles, was nicht schnell genug auf die Bäume kommt.“ Drei Azubis habe man im vergangenen Jahr eingestellt, zwei davon wegen mangelnder Eignung aber schon wieder entlassen müssen. „Wir haben keine Chance mehr, im Vorfeld zu selektieren.“ Er appelliert vor allem an die Eltern, ihren Kindern die Ausbildung als gleichwertig zum Studium zu präsentieren. „Eine Lehre ist keine Sackgasse“, ergänzt Elektro-Meister Gerd Benzmüller. Einem Gesellen stünden viele Möglichkeiten offen.

Kleines Kunstwerk für kleine Besucher: Dachdecker Mario Hess hat aus einer Schieferplatte einen Teddy geschnitten.
Kleines Kunstwerk für kleine Besucher: Dachdecker Mario Hess hat aus einer Schieferplatte einen Teddy geschnitten. FOTO: Lisa Bergmann / TV

Die allgegenwärtige Diskussion um den Fachkräftemangel ließ dennoch genug Raum für den eigentlichen, offiziellen Schwerpunkt der Messe: Bauen und Sanieren. Hausbesitzer und solche, die es werden wollten, flanierten an 151 Ständen vorbei – auf der Suche nach Ideen für die eigenen vier Wände. Dennis Schmidt aus Salmtal baut sein Haus gerade um, da kommt die Messe wie gerufen. „Ich suche Inspirationen für Fenster, Türen und alles mögliche andere – was mir eben so auffällt.“ Schmidt ist einer von etwa 14 000 Besuchern an diesem Wochenende. Damit war der Andrang nach Angaben der Veranstalterin, der Handwerkskammer Trier (HWK) in etwa so groß wie im vergangenen Jahr. „Wir hatten sehr interessierte Besucher, vor allem am Freitag und am Samstag“, sagt Axel Bettendorf, Hauptgeschäftsführer der HWK. Die Messe-Zeitung sei früh vergriffen gewesen. Auch viele Aussteller berichten, dass sie zu wenige Visitenkarten dabei gehabt hätten.

Das Ziel der Messe, das Handwerk der Großregion zu fördern, habe man erreicht. „Die Aussteller sind zufrieden – also habe ich keine Grund, das Gegenteil anzunehmen“, sagt Bettendorf. Pasquale Buccio, der an allen drei Messe-Tagen die „lebendige Werkstatt“ der Stuckateur-Innung betreute (der TV berichtete), zeigte sich am Sonntag ebenfalls hochzufrieden. „Die Resonanz war riesig.“ Der eine oder andere Interessent für eine Ausbildung habe sich schon gemeldet.

Gemeinsam mit Auszubildenden und Gesellen hatte der Obermeister in der Stuckateur-Innung Trier-Saarburg ganz praktisch vorgemacht, wie vielfältig das Berufsbild des Stuckateurs ist. Ob Fassadenarbeiten oder die Restaurierung alter Deckenrosetten: Die Besucher konnten den Stuckateuren live über die Schulter schauen. Das Konzept kam offenbar an: „Der Stand war immer wieder voll mit Zuschauern“, sagt Buccio. Ob die Nachwuchswerbung Erfolg hat, werde sich innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate herausstellen, glaubt er. Auch Christian Schenk hofft auf Resonanz nach der Messe. „Vor Ort haben wir keine entsprechenden Gespräche geführt. Das ist auch nicht unbedingt der Ort dafür. Aber vielleicht kommen ja in den nächsten Tagen ein paar E-Mails bei uns an.“

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) ließ sich angesichts der Diskussion um Nachwuchssorgen im Handwerk übrigens zu einem Geständnis verleiten: „Ich hätte lieber eine Lehre gemacht, als zu studieren. Aber ich habe damals keinen Ausbildungsplatz bekommen.“ Dabei ist sich die Diplom-Agraringenieurin sicher: „Ich wäre eine wirklich gute Fliesenlegerin geworden.“