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Piraten: Ex-Vorsitzender wird erneut Chef

Das T-Shirt übertreibt: So langsam, wie es der Aufdruck suggeriert, denkt Thomas Heinen bestimmt nicht. TV-Foto: Kim-Björn Becker
Das T-Shirt übertreibt: So langsam, wie es der Aufdruck suggeriert, denkt Thomas Heinen bestimmt nicht. TV-Foto: Kim-Björn Becker
Trier. Erst war er da, dann ging er aus Protest, schließlich kam er wieder: Thomas Heinen ist der alte und neue Vorsitzende der Trierer Piratenpartei. Was ist das für ein Mensch, dessen politischer Lebenslauf so turbulent anmutet? Kim-Björn Becker

Trier. Diesmal ist Thomas Heinen gekommen, um zu bleiben. Als er sich Mitte Juli beim Kreisparteitag der Piratenpartei in Kasel um das Amt des Vorsitzenden bewarb, versprach er, dass er dieses Mal auch gewiss nicht zurücktreten werde. Heinen wurde gewählt. Und bislang hält der 36-jährige Informatiker aus Trier sein Versprechen.
In den ersten Wochen seiner Amtszeit führte Heinen mit großer Gelassenheit. Er möchte sich als "Verwalter und Sprachrohr der Basis" verstanden wissen und nicht als einer, der die Richtung vorgibt. "Ich möchte als Vorsitzender dafür sorgen, dass die Partei über Strukturen verfügt, mit denen Diskussionen möglich sind", sagt er.
Zu viel Wirbel um seine Person versucht Heinen zu vermeiden - auch aus Eigeninteresse. Denn ein "Personenkult" sei bei den Piraten gar nicht gern gesehen.
Heinen will Struktur und Ordnung schaffen, er selbst bezeichnet sich als "pingelig". Nach dem Abitur am Auguste-Viktoria-Gymnasium hat er an der Uni Trier Mathematische Informatik studiert - eine exakte Wissenschaft. Seit einigen Jahren arbeitet er bei einer Softwarefirma in Luxemburg. Auch hier wäre Nachlässigkeit nicht gerade von Vorteil. "Die Philosophie aus dem Job hat sicher auch auf die politische Arbeit abgefärbt", sagt er.
Einer der ersten Trierer Piraten


In Trier war er einer der ersten Piraten. "Die anderen Parteien waren mir ein wenig suspekt", sagt er. Dort müsse man sich erst einen Namen machen, Beziehungen haben, um etwas zu verändern. Ihm war das unangenehm. Nach der Gründung des Piraten-Kreisverbands im Januar 2010 wurde Heinen der erste Vorsitzende. Sein Amt behielt er nicht lange: Im August desselben Jahres kam es zu einem Konflikt zwischen den Kritikern eines parteiinternen Abstimmungssystems und dem Bundesvorstand. Das war für Heinen Anlass, seinen Vorstandsposten abzugeben - und sein Parteibuch obendrein. "Eine symbolische Handlung", sagt er rückblickend.
Die Parteimitglieder haben ihm den Aus- und Rücktritt nicht nachgetragen - sonst hätten sie ihn kaum zum zweiten Mal zum Kreisvorsitzenden gemacht. Erst im Mai dieses Jahres trat er den Piraten wieder bei. Zwei Monate später stand er erneut an der Spitze des Kreisverbands. Eine Neubesetzung des Vorstands war nötig geworden, nachdem der bisherige Vorsitzende, Christian Hautmann, sein Amt Anfang Juni abgegeben hatte.
In den kommenden Monaten will Heinen sich dafür einsetzen, dass die Partei ein Kommunalwahlprogramm ausarbeitet. Mindestens ein Mandat für den Trie rer Stadtrat sollen Piraten gewinnen, wenn das Gremium im Frühjahr 2014 neu gewählt wird. Darüber hinaus sollen die Mitglieder in der Eifel und dem Kreis Trier-Saarburg sich besser mit den Trierer Piraten austauschen können. "Die Entfernungen sind recht groß, das bringt vielfach organisatorische Probleme mit sich", sagt er. Wieder geht es ihm um die Struktur. Thomas Heinen, der Bürokrat - er ist in seinem Element.