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Platz für 27 000 Tonnen Rohtabak

Trier-Euren. Fünfmal mehr Rohtabak als heute soll künftig im Trierer Werk des Zigarettenproduzenten Japan Tobacco International (JTI) in der Eurener Flur lagern. Die Firma will dafür ein 32 Meter hohes Hochregallager errichten. Mit einem Bebauungsplan soll das Vorhaben auf den Weg gebracht werden. Mechthild Schneiders

Trier-Euren. 5480 Tonnen Rohtabak können zurzeit in den Hallen der JTI in der Diedenhofener Straße in Trier gelagert werden. Künftig sollen es 27 000 Tonnen sein, das entspricht 140 000 Rohtabakballen oder dem Gewicht von 27 000 VW Golf. Dazu will die Firma, die in Trier rund 1800 Arbeitsplätze bietet, ein neues Hochregallager bauen.
Entstehen soll das 32 Meter hohe automatische Rohtabaklager auf einem 2,8 Hektar großen firmeneigenen Gelände Richtung Niederkircher Straße, das heute Asphalt- und Rasenfläche ist.
Mit seiner Höhe soll es das im Herbst 2010 in Betrieb gegangene Hochregallager für bis zu 4,5 Milliarden Zigaretten um sechs Meter überragen.
Die Fläche des neuen Rohtabaklagers zuzüglich der Versandhalle und der Vorflächen beträgt laut Bebauungsplan etwa 13 000 Quadratmeter. Des weiteren ist ein Bürotrakt geplant. Für die Anlieferung des Rohtabaks sind sechs LKW-Entladerampen vorgesehen; zudem besteht ein Bahnanschluss. Der Rohtabak wird - so die Planung - vom Lager aus vollautomatisch zu den nachfolgenden Verarbeitungsprozessen transportiert.
Für die Fläche bestehe zurzeit kein Bebauungsplan, erklärt Christiane Schwarz vom Stadtplanungsamt in der Sitzung des Ortsbeirats Euren in der örtlichen Grundschule. Es könne deshalb dort nur nach Paragraf 34 Baugesetzbuch im ungeplanten Innenbereich gebaut werden. Dabei müsse sich die Halle in die bestehende Bausubstanz einfügen. "Das ist bei einem Gebäude von 32 Metern Höhe nicht der Fall", sagt Schwarz. Daher müsse nun der Bebauungsplan BW 57N-1 "Erweiterung JTI" aufgestellt werden.
Wie hoch die Investitionen sein werden, steht zurzeit noch nicht fest. Es handle sich bei dem Verfahren um eine Bauvoranfrage für eine mögliche Erweiterung des Werks, teilt die JTI-Pressestelle auf TV-Anfrage mit.
Das neue Lager wird das Gesicht der Eurener Flur verändern. Denn sowohl von der Härenwies, von Feyen als auch von der Luxemburger Straße aus wird das Gebäude zu sehen sein. Damit es nicht zu auffällig wird, verlangt die Stadt, dass dessen Gestaltung in enger Abstimmung mit dem Planungsamt erfolgt. "Wir haben im Dezernatsausschuss über die Größe des Baus gestaunt", sagt Richard Ernser (FWG). Aufgrund der Beschäftigtenzahlen von JTI sei es wichtig, "dass wir hierzu Ja sagen. Sonst kann es passieren, dass irgendwann da unten Schluss ist." Zudem habe der Stadtrat einen Präzedenzfall geschaffen, als er dem Bau des Hochregallagers in der Diedenhofener Straße zugestimmt hat.
"Die Eurener Flur ist als Industriegebiet ausgewiesen", bemerkt Anke Hanakam (FWG), da sei die Schönheit der Bausubstanz nicht maßgeblich. "Ich finde es gut, dass JTI in Trier investiert", ergänzt Stefan Hanakam (FWG). Er hoffe, dass so neue Techniken an den Standort Trier kommen, die Arbeitsplätze erhalten bleiben und möglichst noch ausgebaut werden.
Elke Kirn (CDU) gibt zu bedenken: "Was machen wir, wenn JTI in fünf Jahren weg ist, und wir haben den Kasten da stehen?" Jörg Holstein (SPD) schlägt vor, dass vertraglich geregelt werden solle, dass das Gebäude in diesem Fall auf Kosten der JTI zurückgebaut wird.
Der Bebauungsplan könne so eine Vorgabe nicht enthalten, erklärt Schwarz, sagt aber eine Prüfung zu. Mit einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen verabschiedet der Rat die Vorlage, die nun am Donnerstag, 14. März, in den Stadtrat kommt.