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Polizei findet Drogenumschlagplatz in Trierer Pizzeria

Im Keller dieser Pizzeria hat eine Drogenbande mutmaßlich Marihuana verpackt.
Im Keller dieser Pizzeria hat eine Drogenbande mutmaßlich Marihuana verpackt. FOTO: Roland Morgen
Trier. Es ist der bislang größte Cannabisfund in der Region: Die Bande operierte nach TV-Informationen von einer Gaststätte im historischen Zentrum Triers aus. Nun kommen noch weitere Vorwürfe ans Licht. Katharina de Mos

Je tiefer man gräbt, desto spannender wird die Geschichte rund um den größten Cannabisfund, der in der Region Trier jemals gemacht wurde. 90 Kilogramm Marihuana hatte die Polizei Anfang Oktober in einer Garage in Trier-Nord sichergestellt. Eine Menge, die locker gereicht hätte, um sämtlichen 113.000 Trierern einen kräftigen Drogenrausch zu verpassen und nebenbei 700.000 Euro in die Kasse der mutmaßlichen Täter zu spülen.

Portioniert und verpackt wurde das Cannabis - wie die Polizei damals mitteilte - im Keller eines Trierer Gebäudes. Die Fahnder hatten dort neben Drogenresten typische Verpackungen für den Straßenverkauf gefunden. Wie TV-Recherchen nun zeigen, handelt es sich nicht um irgendein Gebäude, sondern um ein Restaurant im Herzen der Trierer Altstadt.

Gelegen gleich neben der römischen Palastaula Kaiser Konstantins: Als Zentrale der mutmaßlichen Drogenbande diente offenbar die Pizzeria "Te Basilika". Wer dort nun allerdings Pizza, Pasta oder Pesce speisen möchte, steht vor verschlossener Türe. Seit einigen Wochen ist die Gaststätte dicht. Und in ihrer Nachbarschaft ist es angesichts mehrerer Groß-Razzien von Polizei, Zoll und Steuerfahndung ein offenes Geheimnis, woran das liegt.

Nach TV-Informationen handelt es sich bei dem aus Albanien stammenden 39-jährigen Hauptverdächtigen, der im Oktober verhaftet wurde, um den Betreiber der Pizzeria. Er hatte auch die Garage angemietet. Sein 23-jähriger mutmaßlicher Komplize soll ein Familienmitglied sein. Ebenso wie ein dritter Verdächtiger.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wurde Letzterer einige Tage nach den anderen beiden festgenommen, ist allerdings inzwischen wieder auf freiem Fuß, da sein krimineller Beitrag "mutmaßlich von geringer Bedeutung war", teilt der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen mit.

Gegen die drei Männer bestehe dringender Tatverdacht, in "nicht geringer Menge" mit Drogen gehandelt zu haben. Die Ermittlungen dauern an. Allerdings nicht nur jene des Trierer Fachkommissariats für Organisierte Kriminalität.

Auch Zoll- und Steuerfahndung ermitteln. Wie ein Insider dem TV mitteilt, steht der Verdacht im Raum, die Pizzeria habe in den vergangenen Jahren mehrere Hunderttausend Euro Steuern hinterzogen. Zudem gehe es um den Vorwurf des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern vom Balkan, die dann mit falschen Papieren gearbeitet haben sollen. Dem Informanten zufolge hat es am 11. Oktober eine groß angelegte Razzia von Zoll und Steuerfahndung gegeben, bei der "kistenweise Materialien beschlagnahmt wurden". Da auch die Kasse darunter war, sei das Restaurant seitdem geschlossen.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigt lediglich, dass das Hauptzollamt Koblenz und die Trierer Steuerfahnder am 11. Oktober zwei Objekte im Raum Trier durchsuchten. Die Staatsanwaltschaft ermittle unter anderem gegen einen 39-Jährigen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Einzelheiten könne man wegen des Steuergeheimnisses generell keine nennen.

Und wie geht es mit dem Restaurant an historisch bedeutsamer Stätte nun weiter? Kann man jemandem, der im Gefängnis sitzt, die Konzession entziehen? Ein Bürger habe das Rathaus informiert, "dass möglicherweise der Betreiber einer Gaststätte in der Innenstadt wegen Drogendelikten festgenommen wurde", sagt Pressesprecher Michael Schmitz.

"Daraufhin haben wir umgehend Informationen bei verschiedenen Stellen (Polizei, Zoll, Finanzamt etc.) angefordert", sagt Schmitz. Der Fall werde nun geprüft. "Wenn dabei festgestellt wird, dass es eine persönliche Unzuverlässigkeit des Betreibers gibt, kann eine Gewerbeuntersagung erfolgen."

Pizza gibt es in dem Arkadenbau vor der Basilika so oder so vorläufig nicht. Zur Freude der Fahnder aber auch kein Marihuana.