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Polnischer Konsul besucht Gräber von Zwangsarbeitern in Trier und verleiht Medaille Pro Memoria

 Rosalia Jacquin kommt mit dem polnischen Generalkonsul Jan Sobczak ins Gespräch. Dieser ehrt Jacquin und Andreas Radzikowsi (Dritter von links) mit der Medaille Pro Memoria. TV-Foto: Dorothee Quaré
Rosalia Jacquin kommt mit dem polnischen Generalkonsul Jan Sobczak ins Gespräch. Dieser ehrt Jacquin und Andreas Radzikowsi (Dritter von links) mit der Medaille Pro Memoria. TV-Foto: Dorothee Quaré FOTO: (h_st )
Trier. Mit der Medaille Pro Memoria werden Menschen ausgezeichnet, die die Erinnerung an den Kampf um die Unabhängigkeit Polens im Zweiten Weltkrieg wachhalten. Rosalia Jacquin und Andreas Radzikowski haben die Auszeichnung nun in Trier vom polnischen Generalkonsul Jan Sobczak erhalten. Dorothe Quaré

Trier. Links neben der alten Kapelle auf dem Hauptfriedhof liegt ein kleines Gräberfeld. Die drei Reihen steinerner Kreuze erinnern an Kriegsgräber. Doch hier liegen 167 polnische Zwangsarbeiter begraben, die zwischen 1944 und 1949 starben. Das große Kreuz auf dem Feld zeigt das polnische Staatswappen, einen weißen Adler auf rotem Grund. Daneben erinnern zwei kleine Kreuze an 97 polnische Kinder und an fünf Unbekannte, die in den Jahren nach dem Krieg gestorben sind.
Neu sind Tafeln mit Übersetzungen der polnischen Inschriften auf den beiden Kreuzen. "Für uns, oh Gott, erbitten wir nichts. Aber gib unserer polnischen Heimat Friede und Freiheit", ist dort zu lesen. Dank des Trierer Heimatforschers Adolf Welter, der intensiv zu den Zwangsarbeitern geforscht habe, seien die Inschriften übersetzt worden, erzählt Rosalia Jacquin.
Die Triererin kommt seit ihrer Kindheit regelmäßig an diesen Ort: Ihr Vater Piotr Wnuk, ein polnischer Zwangsarbeiter, ist hier bestattet worden.
An diesem Tag hat sich eine ganze Gruppe Menschen an dem Gräberfeld versammelt, zwei Kränze werden niedergelegt. Jan Sobczak, polnischer Generalkonsul aus Köln, ist zu Besuch. Drei polnische Priester sind da, ein gemeinsames Gebet wird gesprochen, die Gräber gesegnet. Auch der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe ist gekommen. "Allerheiligen ist einer der wichtigsten Feiertage in Polen", erklärt der Generalkonsul. "Man geht auf den Friedhof, um seiner Verstorbenen zu gedenken, aber auch der Kriegsopfer."
Nach der Gedenkfeier zeichnet der Generalkonsul in den Räumen der Polnisch-Katholischen Mission zwei Menschen mit der Medaille Pro Memoria ("Zur Erinnerung") aus. Rosalia Jacquin erhält die Auszeichnung für ihr langjähriges Engagement für die Pflege des Gräberfeldes. "Ich finde, das sind wir den Menschen schuldig, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten", sagt die 64-Jährige. Seit Jahren versucht sie, das Schicksal ihres Vaters zu ergründen, der 18-jährig aus seinem Heimatort Leszkowice bei Lublin von den Nazis verschleppt worden war. Im Oktober 1953 starb er in Feyen durch einen nie ganz geklärten Unfall.Lehrbeauftragter für Polnisch


Andreas Radzikowski kam 1989 als Spätaussiedler nach Deutschland. Der 62-jährige Philologe war Lehrbeauftragter für Polnisch an der damaligen Fachhochschule, aktuell ist er an der Universität Trier tätig. Er förderte den Austausch mit der Universität Oppeln. "Sein Sprachkurs hat im Jahr 1998 zur Gründung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft geführt", erklärt die stellvertretende Vorsitzende Rita Grotowski. Mehr als 15 Jahre lang habe er im Vorstand mitgearbeitet und die Geschichte der Gesellschaft mitgeprägt. Auch Radzikowski engagiert sich auf dem Hauptfriedhof. "Als ich damals die Gräber sah, war es selbstverständlich für mich, ihre Geschichte wachzuhalten." DQExtra

Das Generalkonsulat der Republik Polen in Köln, dessen Leitung der Jurist Jan Sobczak seit März 2014 innehat, ist zuständig für Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland. In diesen Bundesländern gibt es rund 1000 Friedhöfe mit polnischen Opfern des Zweiten Weltkriegs. DQ