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Archäologie
Rätselhafte Römerstraße in Trier entdeckt

Spektakulärer Fund im Trierer Stadtteil Ehrang: Bei Bauarbeiten sind die Reste einer Römerstraße entdeckt worden – etwa 1700 Jahre alt. Weil alte Steine aussehen wie alte Steine, hat unser Fotograf einige schmucke Legionäre mit aufs Bild gebannt. Die Detektive vom Landesmuseum grübeln, was für eine Straße das  war und wo sie hinführte.
Spektakulärer Fund im Trierer Stadtteil Ehrang: Bei Bauarbeiten sind die Reste einer Römerstraße entdeckt worden – etwa 1700 Jahre alt. Weil alte Steine aussehen wie alte Steine, hat unser Fotograf einige schmucke Legionäre mit aufs Bild gebannt. Die Detektive vom Landesmuseum grübeln, was für eine Straße das war und wo sie hinführte. FOTO: Friedemann Vetter
Trier-Ehrang. Im Neubaugebiet in Trier-Ehrang kommt völlig überraschend ein antiker Verkehrsweg zutage, der allerdings viele Fragen aufwirft. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Na und? Für den Laien sieht es nach einer mit großen Steinen durchsetzten Matschlandschaft aus. Experten hingegen jubeln: „Das ist eine römische Straße!“, sagt Joachim Hupe, Chefarchäologe im Rheinischen Landesmuseum. Reste antiker Straßen kommen hin und wieder mal bei Bauarbeiten in und um Triers City zum Vorschein. Meist wissen Archäologen bereits im Vorfeld Bescheid, denn das rechtwinklige Straßenraster der römischen Stadt ist gut dokumentiert.

Im aktuellen Fall ist die Sache freilich komplett anders gelagert. Dort, unterhalb der Straße Am Knieberg im Stadtteil Ehrang, hatte niemand damit gerechnet, auf einen antiken Verkehrsweg zu stoßen. Römerstraßen wurden nach dem Ende des Imperiums im fünften Jahrhundert weitergenutzt; selbst heutige „Überlandstraßen“ in der Region Trier folgen oft dem uralten Trassenverlauf.

So ist die B 51 durch die Eifel weitgehend die Weiterentwicklung der römische Fernstraße von Trier über Bitburg und Jünkerath nach Köln. Auch durch Ehrang verlief einer dieser geschichtsträchtigen Highways: die Straße von Trier nach Andernach. Hupe sagt: „Wir haben aber angenommen, dass eventuelle Überreste im fraglichen Abschnitt unter der heutigen Ehranger und Biewerer Straße liegen.“

Also nur wenige Meter von der Stelle, wo nun einem aufmerksamen Hobbyarchäologen die seltsame Gesteinskonstellation auffiel, die bei Erschließungsarbeiten für das Neubaugebiet BE 28 (siehe Info) zutage kam.

Der ehrenamtliche Landesmuseumsmitarbeiter informierte Hupe – und der leistet seither Detektivarbeit. Denn das Straßenrelikt, das ein Grabungsteam auf eine Länge von 45 Metern freigelegt hat, wirft etliche Fragen auf. Um den Original-Fernverkehrsweg nach Andernach, der im Stadtteilnamen Quint (fünf römische Meilen von Trier entfernt) fortlebt, dürfte es sich wohl kaum handeln.

Hupe schätzt die Entstehungszeit der Konstruktion aus großen Rot­sandstein-Brocken („aus Steinbrüchen in Biewer oder Pallien stammend“), deren Zwischenräume „zwecks Erhöhung des Fahrkomforts mit Moselkies aufgefüllt“ waren, vorsichtig auf die Zeit um das Jahr 300. Da war die Original-Fernstraße aber schon gut drei Jahrhunderte in Betrieb. Und die Nutzungsdauer der neu entdeckten, fünf Meter breiten Straße dürfte nur wenige Generationen betragen haben. Auf ihr finden sich lediglich Spuren von Karrenrädern. Münzen oder größere Keramikscherben, die eine genauere Datierung ermöglichen, fehlen völlig.

Was also war das für ein Verkehrsweg? Ein versetzt neu gebauter Abschnitt der Fernstraße? Oder eine Parallelstraße, die eine Siedlung erschloss? Rätsel über Rätsel. Hupe spricht dennoch von einem „bedeutsamen Zeugnis der antiken Verkehrsinfrastruktur links der Mosel“ und strebt einen angemessenen denkmalpflegerischen Umgang damit an. Sprich: Der Fund sollte möglichst an Ort und Stelle erhalten werden – „Nicht zu Präsentationszwecken, sondern um ihn nicht zu zerstören.“

Dafür müsste aber ein in unmittelbarer Nähe geplantes Regenrückhaltebecken verlegt werden. Die Chancen, dass der Archäologenwunsch in Erfüllung gehen kann, stehen offenbar nicht schlecht. Auf TV-Anfrage bestätigen Stadt und Stadtwerke, dass ein Vor-Ort-Gespräch unter Einbeziehung der Struktur- und Genehmigungsdirektion stattfindet. Unabhängig von dessen Ausgang erhofft sich Joachim Hupe bald weitere Erkenntnisse. Im Vorfeld der BE 28-Bauarbeiten kann – falls vorhanden – Anfang 2019 der weitere Straßenverlauf nach Süden (Richtung Biewerer Friedhof) untersucht werden: „Vielleicht bringt uns das weiter.“