| 21:30 Uhr

Rebellischer Autodidakt

Heinz Ratz sieht sich als Rebell mit terroristischen Gedanken. Aber seine Waffen sind Worte und Lieder. TV-Foto: Cordula Fischer
Heinz Ratz sieht sich als Rebell mit terroristischen Gedanken. Aber seine Waffen sind Worte und Lieder. TV-Foto: Cordula Fischer
Heinz Ratz scheint gegen alles zu sein. Auch gegen angekündigte Programme. Denn statt mit einer Lesung aus seinem Buch "Hitlers letzte Rede" trat der selbst ernannte Dichter, Musiker und Kabarettist mit anderen Geschichten, Gedichten und Liedern im Balkensaal des Ex-Hauses auf. Von unserer Mitarbeiterin Cordula Fischer

Trier-Nord. "Hitlers letzte Rede" sei "extrem depressiv, ein trauriges Stück." Heinz Ratz zeigte sich besorgt ums Seelenleben seines Trierer Publikums. "Nachher weint ihr zwei Wochen lang." Deshalb zog er es vor, mit seinem Partner Enno Dugnus (Klavier) als Duo "Strom und Wasser" "anderen Quatsch" auf die Bühne zu bringen.Linksradikal sei er, erklärt er. Provozieren will er und an der Fassade bornierter Spießigkeit kratzen, sie lieber noch direkt zerschlagen. Nicht mit Fäusten, sondern mit Worten und Tönen. "So jemand wie ich hat viele terroristische Gedanken. Aber ich schreibe Bücher darüber", sagt Heinz Ratz. "Vielleicht nützt das der Menschheit." Musikalisch ist Ratz als Bassist kein Überflieger. Aber mit Enno Dugnus am E-Piano spielt er Tango, Polka, Punk, Reggae, reimt, singt und brüllt dazu. Sprachlich bewegt er sich in vielen seiner Lieder abseits des guten Geschmacks. Aber wenn er "Lieder gegen alles" singt und gegen die "zunehmende Verhärtung der Welt" dichtet, ist es Ratz' Absicht, sich nicht in Schubladen pressen zu lassen und gegen das, was beim Durchschnitts-Deutschen als Kunst und Niveau gilt, zu rebellieren. Dem vermeintlich braven Bürger hält er mit seinem Blickwinkel auf Lebenswirklichkeit und mit seinem Verständnis von Kultur einen Spiegel vor, der Hässlichkeit enthüllt.Rebellion und Provokation - das steht auf Ratz' Programm. Auf der Bühne wie im Leben. Das enthüllt der Blick auf seine Vita, die ihn von Geburt an als "autodidaktischen Rebellen" zeigt und die sein Postulat von der "Abkehr vom kapitalistischen System" untermauert. Auch wenn er mit einer "Bonzenkarre" zum Auftritt fährt. Die ist aber nur ein Mietwagen und Mittel zum Zweck, seine Botschaft unters Volk und zu seinen Fans zu tragen.