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Politik und Soziales
Europäisches Jugendparlament: Politikverdrossenheit? Nein, danke!

EU-Jugendparlament
EU-Jugendparlament FOTO: Margaretha Müller
Trier. Jugendliche diskutieren in Trier über innere Stabilität und Einheit in Europa. Teilnehmer schildern ihre Erfahrungen.

130 Teilnehmer aus ganz Europa haben bei einem Jugendparlament-Treffen in Trier über Themen wie internationaler Handel oder Kultur und Bildung diskutiert. Noémi Shirin Unkel gehört zu den Organisatoren der viertägigen Veranstaltung. Die 20-Jährige stammt aus Düsseldorf und studiert Politikwissenschaften und Geschichte in Maastricht (Niederlande). „Ein Mitstudent hat mir vom Europäischen Jugendparlament (EJP) erzählt, und ich bin froh, dass ich mitmachen kann. Hier sind viele tolle Leute, und alle können Erfahrungen sammeln.“

Für Unkel ist Trier als „kulturelles Zentrum und älteste Stadt Deutschlands“ ein perfekter Austragungsort, auch im Rahmen des 200. Geburtstags von Karl Marx, um dessen „politisches Gedenken aufrecht zu erhalten“ und sein Engagement zu würdigen. „Trier ist sehr interessant, und gleichzeitig kann man auf historischem Boden wandeln.“

Maria do Carmo Marrana (20) aus Porto (Portugal) ist bereits zum vierten Mal Delegierte, diesmal als sogenannter Chair (Vorsitzende) ihrer Ausschussgruppe zur wirtschaftlichen Lage der EU. „Wir gehen dabei besonders auf die Beziehungen der EU mit den USA und China ein, behandeln aber auch Themen wie den Brexit“, sagt die Portugiesin auf Englisch. Bei der Arbeitsmethode teilen die Jugendlichen die Lösungsvorschläge für die jeweiligen Problemstellungen in drei Kategorien ein. Vorschläge, die für gut befunden werden, landen in der Kategorie Bank. Verbesserungswürdige Vorschläge werden in Hospital eingeordnet. Ideen, die höchstwahrscheinlich wegfallen, landen im Grab.

Beim Aktivierungsspiel stehen alle im Kreis. Maria motiviert die Gruppe durch Zurufe, bestimmte Körperteile wie Hände oder Füße für einen bestimmten Zeitraum zu schütteln. Dann geht es weiter mit politischen Themen und der Konsensfindung.

Noémi Shirin Unkel lobt: „Die Jugendlichen machen Fortschritte. Es entsteht ein Netzwerk, und sie sehen ein Resultat.“ Damit spielt sie auf die Resolutionen an, über die die Delegierten bei der parlamentarischen Vollversammlung debattieren.

Am Anfang einer Tagung steht immer das Teambuilding, bei dem sich die Teilnehmer durch gruppendynamisches Kommunikationstraining, gegenseitig kennenlernen. Mit dem Schlagwort Eurovillage ist die Zubereitung und Verkostung landestypischer Spezialitäten gemeint. Jeder Delegierte ist für die Zubereitung einer Spezialität zuständig. Das Eurokonzert in der Tuchfabrik bietet den Delegierten die Chance, ihr Talent in kreativen Bereichen wie Musik, Tanz oder sogar Comedy unter Beweis zu stellen.

Die inhaltliche Arbeit lief zunächst in den Ausschüssen ab. Deren Ergebnisse flossen in die Parlamentarische Vollversammlung ein, wo auf Englisch über die Resolutionsentwürfe debattiert wurde. Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Begoña Herman, Vizepräsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Nord, sprachen Grußworte. Ministerpräsidentin Malu Dreyer übermittelte eine Videobotschaft. Auch das Auguste-Viktoria-Gymnasium Trier wählte Schüler für die Tagung aus.

Noémi findet das Konzept des EJP sehr gut, vor allem, weil es von Jugendlichen für Jugendliche ist: „Wir machen das hier alle zusammen.“ Das wirke auch der weitverbreiteten Politikverdrossenheit entgegen. Durch ihre Arbeit will sie Jugendliche politisieren, denn „eigener Input ist wichtig“. Gerade in Zeiten des Brexit möchte sie versuchen, „vermehrt den europäische Gedanken beizubehalten“.