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| 20:39 Uhr

Rotes Kreuz krempelt Weingut Avelsbach in Trier um

Pro Jahr sollen künftig 540 000 Liter Wein in der Domäne Avelsbach in Kürenz produziert werden. TV-Fotos (2): Friedemann Vetter
Pro Jahr sollen künftig 540 000 Liter Wein in der Domäne Avelsbach in Kürenz produziert werden. TV-Fotos (2): Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Trier/Bernkastel-Kues. Raus aus dem Dornröschenschlaf, rein in die Profitzone: Die Domäne Avelsbach soll rentabel werden, lauten die Pläne des neuen Pächters, des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich. Am Standort Kürenz wird künftig Wein von drei Betrieben produziert: Avelsbach, Cusanus Hofgut und Weingut Nikolaus Hospital. Verona Kerl

Trier/Bernkastel-Kues. Eine Mammutaufgabe liegt vor den Verantwortlichen des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich. Ab nächstem Jahr rollen die Bagger auf dem Gelände der Domäne Avelsbach in Kürenz. Eine Kelterhalle und ein Flaschenlager müssen neu gebaut werden, denn schließlich soll die komplette Produktion der beiden Weingüter aus Bernkastel-Kues in das Gut Avelsbach umziehen - so der neue Name der Domäne.

Drei Weingüter: Das DRK-Sozialwerk besitzt zwei Weingüter in Bernkastel-Wittlich: das Weingut Cusanus-Hofgut, das auch die bekannten Loriot-Weine produziert, und das Weingut Nikolaus Hospital. Insgesamt werden dort zurzeit 19 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Nun kommen etwa 28 Hektar der Domäne Avelsbach hinzu. Volker Emmrich, künftig Betriebsleiter beider Standorte, sagt: "Pro Jahr werden wir künftig 540 000 Liter Wein in Kürenz produzieren."

Erweiterung: Viel Wein braucht Volumen. Geplant ist der Bau einer Kelterhalle oberhalb des bereits bestehenden Kellers. Dort, wo jetzt noch die Kelteranlage steht, haben dann die Tanks aus Bernkastel-Kues ausreichend Platz. Komplett abgerissen wird die alte Gerätehalle. An ihrer Stelle entsteht eine neue Halle mit Flaschenlager, Etikettierungs- und Abfüllungsanlage sowie Versand.
Logistik: Während der Erntezeit brummen Traktoren und Erntemaschinen im Aveler Tal. Bei der ersten gemeinsamen Produktion der drei Weingüter 2017 rollt pro Lesetag ein Fahrzeug mehr durch die Baltzstraße, dem einzigen Zufahrtsweg zum Weingut.
Parken links und rechts der schmalen Straße Autos, wird es eng. Ein heißes Thema. Denn bereits bei der Kürenzer Ortsratssitzung am 25. Mai (der TV berichtete) nahmen Anwohner diesen Punkt ins Visier.
"Unsere Maschinen sind genauso breit wie die von der Domäne. Daran hat sich nichts geändert. Und die Verkehrsführung ist schließlich nicht unsere Aufgabe", stellt Christian Johann, Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich, zu diesem Thema klar.

Arbeitsplätze: 24 Menschen mit Handicap werden nach und nach im Gut Avelsbach einen Arbeitsplatz finden. Hinzu kommen etwa acht betreuende Mitarbeiter, ein Kellermeister und ein Betriebsleiter für die Außenanlagen.
Gesamtbetriebsleiter und Prokurist Volker Emmrich pendelt zwischen Bernkastel-Kues und Trier. Zunächst einmal. Insgesamt sollen eines Tages 40 Mitarbeiter auf dem Weingut arbeiten. Wohnen allerdings nicht. "Da müssen wir uns noch in Trier oder Trier-Saarburg umsehen, wo wir ein geeignetes Objekt für unsere Mitarbeiter mit Handicap finden", sagt Volker Emmrich.

Vermarktung: Drei verschiedene Weingüter produzieren viele verschiedene Flaschen. "Zu viele", meint Volker Emmrich. Um den Verbraucher nicht zu sehr zu verwirren, will er die breite Palette der Avelsbacher Weine auf die Marken Avelsbacher trocken, halbtrocken, lieblich, Treverer, Aurea und Rotwein reduzieren.
Um die Trierer Weine besser zu vermarkten, hat Emmrich vor, auf das Vertriebsnetz des DRK-Sozialwerks zurückzugreifen. "Wir beliefern Gastronomie, große Hotels in Deutschland und verkaufen Wein nach Südkorea und Italien."

Zeitplan: "Am Freitag haben wir einen Termin mit dem Trierer Baudezernenten Andreas Ludwig", sagt Christian Johann. "Skizzen des Architekten liegen zwar vor, aber die bauspezifischen Sachen müssen erst abgesprochen werden."
So schnell wie möglich will der Geschäftsführer seine Pläne im kommenden Jahr in die Tat umsetzen.

1. Juli: Ab diesem Datum hat das DRK-Sozialwerk das Sagen. Pünktlich zum 1. Juli öffnet zwischen 10 bis 17 Uhr auch der Hofladen zum ersten Mal seine Türen. Kunden können dort die regionalen Erzeugnisse vom Cusanus-Hof kaufen und aus einem üppigen Angebot wählen: Wein und Sekt der drei Betriebe, Salat, Gemüse, Wurst der Highland-Rinder, Honig aus der eigenen Imkerei und Forellen aus Himmerod.
Übrigens: Für Kunden, die sich mit Wein versorgen wollen, gibt es künftig einen Abholerrabatt von zehn Prozent.Meinung

Alle mit ins Boot holen
Das neue Konzept für das künftige Gut Avelsbach klingt schön: ein Hofladen mit regionalen Produkten, bessere Vermarktung der Avelsbacher Weine, Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap. Das Haar in der Suppe haben die Anwohner der Baltzstraße in der jüngsten Ortsbeiratssitzung zielsicher ausgemacht. Ihre Straße, die einzige Zufahrt zum Weingut, ist relativ schmal. Parken links und rechts davon Autos, kommt eine Erntemaschine kaum noch vorbei. Keine besonders neue Erkenntnis, haben sich doch schon zu früheren Zeiten die Maschinen durch dieses Nadelöhr zwängen müssen. Die Brisanz liegt darin, dass mit der Lese ab dem Jahr 2017 täglich ein Erntewagen mehr durch diese enge Gasse fahren wird. Da die Autos kaum von selbst verschwinden dürften und Einsicht in dieser Hinsicht rar ist, scheint Ärger programmiert. Das wäre schade. Doch wenn sich Anwohner, Stadt und DRK-Vertreter schon jetzt zusammensetzen, könnte es vielleicht gelingen, das Problem zu lösen. v.kerl@volksfreund.de

Betriebsleiter Volker Emmrich (links) und Christian Johann, Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks, wollen die Domäne Avelsbach rentabel machen.
Betriebsleiter Volker Emmrich (links) und Christian Johann, Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks, wollen die Domäne Avelsbach rentabel machen. FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)