| 16:25 Uhr

Sanierung der Straßen in Trier-Mariahof dauert noch 14 Jahre - Stadt stellt Zeitplan für Ausbau der Straßen und Wege vor

Bürgerversammlung im Pfarrheim in Mariahof.
Bürgerversammlung im Pfarrheim in Mariahof. FOTO: Frank Göbel
Trier-Mariahof. Der Ausbau der Straßen und Wege in Mariahof wird sich noch bis 2030 hinziehen: Das hat die Stadtverwaltung den Mariahofern im Rahmen einer Bürgerinformation mitgeteilt. Rund zehn Millionen Euro der 17 Millionen Euro Gesamtkosten müssen die Mariahofer über wiederkehrende Beiträge bezahlen. Frank Göbel

Rund 60 Interessierte waren ins Pfarrheim gekommen, um sich die Vorstellungen von Baudezernent Andreas Ludwig sowie seinen Mitarbeitern aus Tiefbauamt und Verkehrsplanung anzuhören.

Gleich zu Anfang räumte Wolfgang van Bellen, Leiter des Tiefbauamts, ein, dass alle bisherigen Ideen längst von der Realität überrollt worden sind: "2007 war der Gedanke: In zehn Jahren sind wir mit allem durch."

Doch mehrere Faktoren hätten diese Planung immer wieder torpediert: So sei etwa die vorbereitende Sanierung des Leitungsnetzes durch die Stadtwerke viel schleppender abgelaufen als gedacht. Da, wo tatsächlich gebaut werden konnte, nahm dann der Fußwegeausbau viel mehr Zeit in Anspruch, als gedacht. Dauernde Personalnot in der Verkehrsplanung, die Insolvenz einer Baufirma oder die nach Bürgerprotesten erfolgte Umplanung der Lasinskystraße - das alles gab den hehren Planungen schließlich den Rest.

Unter dem neuen Baudezernenten Andreas Ludwig wurde schließlich alles auf Null gesetzt - und vom Bestehenden aus neu geplant. Ein gutes Stück sei ja schon geschafft, zeigte van Bellen im Pfarrheim: So sind seit 2007 in sechs Bauabschnitten die Greiffenklau-, die Reichensperger- und die Lasinskystraße saniert worden. Außerdem sind 81 Fußwege erneuert worden, das sind vier Fünftel des Bestands. Die bisherigen Gesamtkosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro brutto.

Jetzt sollen über die kommenden 14 Jahre in neun Bauabschnitten die weiteren Straßen, aber auch die Ladenpassage und das Kirchengelände saniert werden. Dabei sollen weitere 13 Millionen Euro verbaut werden.

Die Kosten sind in Mariahof ein besonders wichtiges Thema: Schließlich ist der Stadtbezirk der erste, dessen Anwohner nicht erst dann zur Kasse gebeten werden, wenn sie konkret als Anlieger betroffen sind. Vielmehr werden alle Mariahofer über "wiederkehrende Beiträge" belastet: Solange in Mariahof saniert wird, tragen sie 60 Prozent der Baukosten. Das ist schon jetzt so und wird wohl auch bis 2030 so weitergehen - mindestens.

Baudezernent Ludwig sieht klare Vorteile in diesem System: Im Pfarrheim erzählte er beispielhaft von seinen eigenen Eltern, die wegen eines Straßenausbaus plötzlich eine fünfstellige Summe aufbringen mussten. Solche möglicherweise existenzbedrohenden Schocks blieben den Mariahofern ja erspart.

Ein Bürger bezeichnete das als "Milchmädchenrechnung": Die kleinteiligere Planung über den gestreckten Zeitraum verursache ja letztlich auch deutlich höhere Baukosten. Ludwig warb aber weiterhin um Verständnis für seine Planung, die einfach realistischer sei als die bisherige: Das Tiefbauamt habe in den letzten Jahren nur rund 41 Prozent von dem umsetzen können, wofür im Haushalt prinzipiell Geld bereitgestanden habe - vor allem wegen des fehlenden Personals. Hier könne die Stadt auch nicht einfach beliebig aufstocken, sondern müsse die Realitäten anerkennen, um wenigstens auf eine Erfüllungsquote von 80 Prozent zu kommen: "Wir dürfen uns einfach nicht zu viel vornehmen!"

Den Anwohner Armin Klein stellte der Abend nicht wirklich zufrieden: "Ich hätte es besser gefunden, die Stadt würde das schneller erledigen. Ich bin schließlich auch verpflichtet, vor meinem Grundstück den Bürgersteig sauber zu halten. Aber ich schaffe das gar nicht, weil der so zerklüftet und kaputt ist!"
Bei vielen Zuhörern ist die offenbar realistische Bestandsaufnahme und Neuplanung aber erkennbar gut angekommen - auch wenn vor allem betagtere Bürger immer wieder Galgenhumor durchblitzen ließen: Schließlich könnten sie nicht sicher sein, ob sie die Sanierung ihrer eigenen Straße überhaupt noch miterleben würden.

"Ich fand es eigentlich ganz gut", bewertete Ulrich Laurenz das Gehörte. "Vor allem die wiederkehrenden Beiträge sind wirklich erträglich!" Der 56-Jährige hofft allerdings, dass bei der zukünftigen Sanierung der Wege auch darauf geachtet wird, dass die Fugen ordentlich mit Granulat verfüllt werden: Im Pfarrheim hatten mehrfach Anwohner moniert, dass frisch sanierte Wege bereits von unansehnlichem Bewuchs durchzogen seien.

FOTO: Screenshot