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Meinung
Schilda baut ein Rathaus, Trier eine Sporthalle

FOTO: Schramm, Johannes / TV
Die Bürger von Schilda bauten einst ein Rathaus ohne Fenster. Und wunderten sich anschließend darüber, wie dunkel es in ihrem für viel Geld gebauten Gemeindehaus doch ist. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Die Trierer planen voller Vorfreude eine 10,2 Millionen Euro teure Sporthalle – von deren Tribüne man das Spielfeld kaum sehen kann. Die Parallele zum Schildbürgerstreich ist offensichtlich. Der Unterschied: Die Verantwortlichen in Trier sind - gerade noch rechtzeitig – auf ihren Planungsfehler aufmerksam gemacht worden. Warum dieser nicht früher aufgefallen ist, bleibt schleierhaft.

Sicher, die Halle soll es vielen recht machen. Nicht nur dem Schul- und Vereinssport und den Fans. Auch andere Veranstaltungen, etwa Karnevalssitzungen, sollen dort stattfinden können.

Damit möglichst alle Nutzer möglichst gute Bedingungen vorfinden, sind kluge architektonische Lösungen gefragt. Dass Zuschauern – zumal die Halle ja vorrangig als Sportstätte gedacht ist – mehr als ein Viertel des 20 Meter breiten  Handballspielfelds verborgen bleiben soll, ist von einer klugen Lösung allerdings noch weiter entfernt als die Trierer Eintracht von der Bundesliga.

Den Baubeschluss – inklusive der bis dato vorliegenden Pläne – soll der Stadtrat trotzdem bereits heute fassen. Die Tribünenprobleme könnten noch durch Änderungen bei der Ausführungsplanung gelöst werden, beruhigt Baudezernent Andreas Ludwig. Hält er das Versprechen nicht, muss er sich den schmerzlichen Schildbürgervergleich weiter gefallen lassen.

c.wolff@volksfreund.de