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Schnelle Lösung nur mit Lottogewinn

Investor gesucht: Der Nebenhof rechts vom Frankenturm ist ein städtebaulicher Schandfleck im Herzen der Altstadt. TV-Foto: Roland Morgen
Investor gesucht: Der Nebenhof rechts vom Frankenturm ist ein städtebaulicher Schandfleck im Herzen der Altstadt. TV-Foto: Roland Morgen
Auch 2009 dürfte die Gestaltung des Frankenturm-Umfeldes nicht vorankommen. Ein Neubau-Interessent ist wieder abgesprungen. Eine Zwischennutzung des Nebenhofs als Biergarten lässt sich auf die Schnelle nicht realisieren. Von unserem Redakteur Roland Morgen

Trier. Wäre ja auch zu schön gewesen: Vor einigen Wochen stand die Stadt kurz davor, ihr Grundstück neben dem Frankenturm zu verkaufen. Doch der "sehr interessierte Privatier", wie Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani den Verhandlungspartner bezeichnet (nach inoffiziellen TV-Informationen ein Luxemburger Banker mit deutscher Staatsangehörigkeit), nahm dann davon Abstand, seinen "Alterswohnsitz" im Nebenhof des Mittelalter-Wohnturms zu bauen.

Seither ist die Stadt wieder auf Käufer-Suche. Das Baurecht gibt es nun gratis dazu: "Wir haben eine fiktive Baugenehmigung ausgearbeitet", betont die Dezernentin und kündigt "offensive Bemühungen" an, denn die "städtebauliche Misere im Herzen der Altstadt" will sie möglichst schnell beendet sehen. Geboten wird ein Areal, auf dem sich in viergeschossiger Bauweise rund 500 Quadratmeter Netto-Flächen erzielen lassen. Das Spektrum der Nutzungsmöglichkeiten reicht von Wohnungen über Geschäfts-/Büroräume bis hin zu Hotellerie und Gastronomie.

"Schwieriges Areal" weist Tücken auf



Die Realisierung würde schätzungsweise 1,5 Millionen Euro kosten. Allerdings weist das "schwierige Areal" (Simone Kaes-Torchiani) diverse Tücken auf. So gibt es Denkmalpflege-Auflagen und das im Grundbuch verbriefte Recht des Familienunternehmens Poss (Dietrichstraße) auf zwei Garagen, die in ein Neubauprojekt zu integrieren sind.

Sollte sich trotz aller Widrigkeiten bald ein Investor finden, wird es erfahrungsgemäß noch rund drei Jahre dauern, bis ein Neubau steht. Bis dahin hält die Baudezernentin "als Zwischenlösung einen Biergarten für akzeptabel".

Ohne Grundstücksverkauf keine Platzgestaltung



Hier gibt es auch Interessenten: Oliver und Erika Sauer, Besitzer des direkt angrenzenden Hotel-Restaurants Frankenturm, würden "sehr gerne" die Voraussetzungen für Freiluft-Gastronomie im Nebenhof schaffen. Doch auch sie müssten Platz lassen für zwei Poss-Garagen, was das ganze Unterfangen (Terrassen-Konstruktion, Mauer-Durchbruch und Bau eines Vordachs) erheblich erschwert. Für 2009 sieht Oliver Sauer den Biergarten-Zug abgefahren: "Die Zeit wird jetzt schon knapp, außerdem will eine Investition in ein Provisorium gut überlegt sein - erst recht in Zeiten schwieriger Konjunktur", sagt der 41-Jährige. Er und seine Frau wollten nun erst einmal abwarten, was die Käufer-Suche bringt.

Ein Hintertürchen lässt er sich offen: "Wenn wir viel Geld im Lotto gewinnen, dann fangen wir morgen an zu bauen." Und wenn der Gewinn besonders hoch ausfällt, würden die Sauers das Nachbargrundstück kaufen und ihren Betrieb erweitern. Das wäre Simone Kaes-Torchiani sehr recht. Denn ohne Verkaufserlös kann sich die Stadt nicht die "angemessene Gestaltung des Platzes um den Frankenturm" leisten, die OB Klaus Jensen am 14. April 2007 versprochen hat. Damals übergab der Denkmalrettungs-Verein Trier-Gesellschaft den von ihr ausgebauten und nutzbar gemachten Mittelalter-Wohnturm. Innen hui, außen pfui - daran dürfte sich so schnell nichts ändern.