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Schockanrufer erbeuten 47 000 Euro in der Region

Betrüger haben 2012 insgesamt 47 000 Euro bei Schockanrufen in der Region Trier ergaunert. Opfer sind meist Menschen mit russischen oder litauischen Wurzeln. Die Polizei warnt diese Gruppe gezielt mit Infoblättern in Kyrillisch. Marie-Cathérine Fromm

Trier/Saarburg. Ein Anruf aus Litauen oder Russland kann teuer werden. Bei der Betrugsmasche am Telefon, dem sogenannten Schockanruf (der TV berichtete mehrfach), haben aus dem Ausland agierende Täter im vergangenen Jahr 47 000 Euro in der Region erbeutet. Dem Polizeipräsidium Trier sind für 2012 exakt 69 Fälle bekannt. 13-mal gelang es den Anrufern, Geldbeträge zu ergaunern. In Rheinland-Pfalz beträgt der Schaden nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) insgesamt 366 000 Euro.
Opfer der Schockanrufe sind Menschen mit russischen oder litauischen Wurzeln, die angeblichen Verwandten in einer Notsituation helfen sollen - mit Bargeld, das ein Bote kurze Zeit später an der Haustür abholt. Dabei gehen die Täter nach einer ähnlichen Masche wie beim klassischen Enkeltrick vor, bei dem ältere Menschen im Visier der Anrufer stehen. Doch nach Warnungen der Polizei und der Berichterstattung in den Medien scheint der Enkeltrick mittlerweile bekannt zu sein, die Masche zieht nicht mehr.
"Die Warnmeldungen sind aber nicht bei den Opfern mit osteuropäischen Wurzeln angekommen", sagt Polizei-Pressesprecherin Sabine Bamberg. Die Ermittlungen der Beamten hätten gezeigt, dass die Opfer aus Osteuropa oft kein Deutsch beherrschen und nicht die lokale Medienberichterstattung verfolgen.
Aus diesem Grund hat die Polizei Trier ein Infoblatt in kyrillischer Schrift erstellt, um gezielt Russisch und Litauisch sprechende Bürger vor den Anrufen zu warnen. Die Polizei bittet Nachbarn, Verwandte und Bekannte von potenziellen Opfern darum, das Faltblatt an die Betroffenen weiterzugeben.
Bericht in russischer Zeitung


Die Betrugsmasche am Telefon wird derweil auch in der russischsprachigen Presse zum Thema. Eine Journalistin aus Trier berichtet in der bundesweit auf Russisch erscheinenden Zeitung Europa-Express über die aktuellen Fälle in der Region. Die Polizei geht davon aus, dass die Betrüger auch in den nächsten Monaten zuschlagen werden. Allein im Januar 2013 hat das LKA 40 Schockanrufe gezählt, bei denen 66 000 Euro erbeutet wurden. In der Region waren bisher zwei Anrufe mit einer Ausbeute von 9000 Euro erfolgreich, einer davon in Saarburg. Ein älteres russisches Ehepaar übergab einem unbekannten Mann 4000 Euro mit der Absicht, seinen Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren.
Die Polizei erhofft sich Hinweise von einem 44-jährigen Komplizen, der Mitte Januar nach einem Schockanruf verhaftet wurde. Nach derzeitigen Erkenntnissen sitzen die Anrufer in Litauen und sind als Bande organisiert.
Das Infoblatt können Sie im Internet herunterladen unter www.volksfreund.de/extra