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Freizeit
Mitten in Trier: Hier hat schon Buffalo Bill gesessen

Sie setzen sich natürlich nicht vor die neuen Hussen am Hochbeet in der Simeonstraße, sondern auf den Sitz daneben: (von links) Hussen-Erfinder Georg Stephanus, Christine Schacht vom Grünflächenamt und der künstlerische Gestalter Johannes Kolz.
Sie setzen sich natürlich nicht vor die neuen Hussen am Hochbeet in der Simeonstraße, sondern auf den Sitz daneben: (von links) Hussen-Erfinder Georg Stephanus, Christine Schacht vom Grünflächenamt und der künstlerische Gestalter Johannes Kolz. FOTO: LH
Trier. Sieben berühmte Persönlichkeiten sind auf Porträt-Hussen in der Trierer Simeonstraße zu sehen. Wer sich setzen will, kann sich aussuchen, ob er neben Fischers Maathes, Karl Marx oder sogar Buffalo Bill Platz nimmt. Von Ludwig Hoff

Keine Frage: Karl Marx lebte in Trier und das Trierer Original Fischer Maathes sowieso. Beide nicht nur wenige Tage, sondern (etliche) Jahre ihres Lebens. Aber auch Augustus (der erste römische Kaiser) besuchte Trier – im Jahre 16 vor Christus – und hat daher „hier“ gesessen.

Und wer noch? Na ja, bei Napoleon könnte man leicht ins Grübeln kommen: „Hat er, oder hat er nicht?!“ Doch, er hat: Im Jahre 1804. Der wohl ausgefallenste Trier-Besucher unter sieben ausgesuchten: Buffalo Bill, die schillernde Figur aus dem amerikanischen Wilden Westen: Jäger, Trapper und so weiter. Das sei im Jahre 1906 gewesen, versichert Georg Stephanus, Inhaber des Geschäfts Trier Souvenir.

„Buffalo Bill war 1906 auf einer Europa-Tournee und stattete Trier einen Besuch ab.“ Ob die Buffalo-Bill-Frage auch ein fiktiver Kandidat bei Günther Jauch hätte beantworten können? Vielleicht.

Die kleinen Weisheiten über insgesamt sieben berühmte Trier-Besucher vermittelten eben sieben sogenannte Hussen (Überzug bei Möbeln), die in Triers Einkaufsmeile Simeonstraße seit vorgestern den Stuhllehnen der Sitzgruppe am Hochbeet übergezogen wurden und in Zukunft während der Geschäftszeit immer wieder werden.

Zu sehen ist das Konterfei der berühmten Persönlichkeiten. Um die sieben voll zu machen, fehlen in der Aufzählung noch zwei: Dichterfürst Goethe (Trier-Gast 1792) und Kaiser Konstantin (288) kommen ebenfalls zu Hussen-Ehren. Zeitgleich etwa neben Karl Marx auf der einen Seite und Buffalo Bill auf der anderen Seite zu sitzen, ist nun also in Trier möglich. Die „geniale Idee“ so sagt Christine Schacht, Leiterin des städtischen Grünflächenamtes, hatte Georg Stephanus. Er habe einen Beitrag zu einem schöneren Trier leisten wollen, sagt der Gründungsvater. Das Finanzielle ging auf seine Kappe und die von Trier Souvenir.

Zwischen den Hussen-Sitzlehnen bleibt jeweils ein Sitz frei, damit der Besucher eben neben einem berühmten Trier-Besucher sitzen kann, erläutert Georg Stephanus.

Wenn sich also jemand etwa auf den Stuhl mit Karl Marx setzt, so müsse dies nicht bedeuten, dass sich der Besucher auch mit dessen politischer Weltanschauung einverstanden erklärt, ergänzt Stephanus auf die Frage des Trierischen Volksfreunds leicht schmunzelnd.

Auf einem Hussen-Sitz Platz zu nehmen sei nicht verpönt. Der einzige Nachteil ist nur: Das Abbild der Persönlichkeit wird beim Platznehmen allerdings verdeckt.