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Skater-Szene steigt aus

Bewegungskünstler: Ob die Skater-Szene auf dem Landesgartenschaugelände eine Heimat findet, ist kaum mehr zu erwarten.Foto: Friedemann Vetter
Bewegungskünstler: Ob die Skater-Szene auf dem Landesgartenschaugelände eine Heimat findet, ist kaum mehr zu erwarten.Foto: Friedemann Vetter
TRIER. Countdown auf dem Petrisberg: In den kommenden Tagen wird sich das Schicksal der geplanten Skateranlage entscheiden. Die Landesgartenschau sucht noch händeringend nach Sponsoren. Triers Skater fühlen sich derweil von den Gartenschau-Machern "verschaukelt". Von unserem Mitarbeiter <br>MARCUS STÖLB

"Eine moderne Skateranlage wird die Landesgartenschau auch für jüngeres Zielpublikum attraktiv machen", verspricht die LGS GmbH auf ihrer Homepage. Doch so entschlossen die Ankündigung, so unklar ist bis heute deren Finanzierung. Zudem bezweifeln Triers Skater und deren Förderer, dass die geplante Anlage ihren Ansprüchen genügen wird. "Wir kämpfen um den Bau einer dauerhaften Outdoor-Anlage", bestätigte LGS-Sprecher Wolfgang Rommel auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds . Man sei mit mehreren Sponsoren im Gespräch und "guter Dinge", das Projekt realisieren zu können. Planern läuft die Zeit davon

Tatsächlich läuft den LGS-Verantwortlichen die Zeit davon: Spätestens Mitte November müsste nach Angaben von Rommel der Bau der Anlage im Sattelpark beginnen. Sollte die Finanzierung in 14 Tagen nicht stehen, dürfte der Traum von den Spots auf dem Petrisberg ausgeträumt sein. Doch für Triers Skater ist das Vorhaben schon jetzt eher ein Alptraum. Sie mutmaßen, dass die LGS eine Investitionsruine plant. "Das ist das Schlimmste, was uns passieren kann", hält Skater-Sprecher Axel Reichertz denn auch nicht mit seiner Verärgerung hinterm Berg. Und auch der Leiter des Jugendzentrums Exzellenzhaus, Hilger Hoffmann, wird deutlich: Er habe "das Gefühl, dass nicht fair mit uns umgegangen wurde". Hinter den Skatern stehen immerhin 18 freie Jugendeinrichtungen. Hintergrund der ernsthaften Verstimmung: Mehr als ein Jahr lang tingelte Reichertz mit Freunden durch die Republik, begutachtete Anlagen in anderen Städten, entwarf Pläne und bot der LGS Rat und Tat an. Ziel ihrer ehrenamtlichen Mission: Eine bedarfsgerechte Anlage für die Trierer Szene. Plädoyer für Halle in Feyen

Doch anders lautender Beteuerungen der LGS zum Trotz, glauben die Skater, dass bis heute kein wirkliches Interesse an einer Zusammenarbeit mit ihnen besteht. "Wir haben uns immer wieder angeboten, aber von denen kam nichts mehr", so Reichertz und Hoffmann unisono. Was die Zusammenarbeit zusätzlich erschwerte: Mehrmals mussten die Grobplanungen der LGS über den Haufen geworfen werden. So war zunächst eine dauerhafte Outdoor-Anlage geplant. Doch dann fürchtete die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg GmbH (EGP) den Lärm und sah dadurch die Vermarktungschancen ihrer Immobilien gefährdet. Deshalb sollten die Skater nach der Schau wieder verschwinden. Reichertz und seine Mitstreiter warnten, Geld für eine nur temporäre Anlage "in den Sand zu setzen" und schlugen statt dessen vor, das Vorhaben außerhalb der Gartenschau zu realisieren, als "Satelliten-Projekt". Doch das lehnte die LGS ab und guckte statt dessen eine Halle auf dem Petrisberg aus. Diese wiederum schien den Skatern flächenmäßig zu knapp bemessen, was der LGS später auch ein von ihr engagierter "neutraler Gutachter" bestätigte. Nun ist wieder eine Outdoor-Anlage im Gespräch, die auch dauerhaft im künftigen Freizeitzentrum Sattelpark verbleiben soll. Rund 100 000 Euro sind veranschlagt, doch das Geld ist noch nicht zusammen. In den kommenden 14 Tagen wird sich das Schicksal der Anlage entscheiden. "Dann werden wir auch die Skater wieder mit einbeziehen", verspricht Rommel. Doch auf deren Unterstützung braucht die LGS nicht mehr zu bauen. Unter Federführung des Exzellenzhauses favorisiert die Szene inzwischen eine "dauerhafte und bedarfsgerechte" Hallenlösung in Feyen. Und Skater Reichertz warnt die LGS schon jetzt vor einem Desaster: "Die möglichen Sponsoren sollten sich gut überlegen, ob sie in einer Anlage investieren wollen, die von der Szene nicht angenommen wird."