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Skepsis bremst

Auffällige Reklame: Der schwarze Bus mit der goldenen Aufschrift und die goldenen Kronen sind Werbeträger für die Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen. TV-Foto: Cordula Fischer
Auffällige Reklame: Der schwarze Bus mit der goldenen Aufschrift und die goldenen Kronen sind Werbeträger für die Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen. TV-Foto: Cordula Fischer
Ein schwarzer Bus mit goldener Aufschrift, Menschen, die eine goldene Krone tragen: Das erregte auf dem Trierer Viehmarkt Aufmerksamkeit. Bus und Menschen sind Teil der Aktion Krönungswelle, die vom 5. bis 20. September durch Deutschland tourt und die Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen für jeden unters Volk bringt. Von unserer Mitarbeiterin Cordula Fischer

Trier. "Utopie", sagen die Zweifler. "Vision, die wahr werden wird", die Verfechter der Idee. "Jeder hat das Anrecht darauf, bedingungslos abgesichert zu sein", sagt Uschi Bauer vom Team, das Hunderten Menschen in Deutschland eine der goldenen Papierkronen aufsetzt. "Albern", findet das eine Gruppe, die in ihrer Mittagspause über den Viehmarkt schlendert. "Nein", entgegnet Bauer, "wir sind mit der Idee gestartet, dass die Geste des Krönens den Menschen innerlich aufrichtet und ihm zeigt, dass er der König in seinem eigenen Leben ist."

Neben Selbstbewusstsein soll damit die Vision in die Köpfe der Deutschen gepflanzt werden, dass das bedingungslose Grundeinkommen - 1000 Euro pro Kind, 1500 Euro pro Erwachsenem - der Weg in die Zukunft ist. Wie soll's finanziert werden? "Es ist keine Frage der Finanzierbarkeit, sondern des politischen Willens", sagt Bauer. Trotzdem sei die Antwort einfach. Und sie lautet: Konsumsteuer. Eine Art hoher Mehrwertsteuer auf alle Produkte, zu deren Gunsten alle anderen Steuern abgeschafft werden können.

"Das kann nie funktionieren", sagt ein Passant. "Wer geht denn dann noch arbeiten, wenn er 1500 Euro im Monat einfach so bekommt? Dadurch würden ganze Wirtschaftszweige kaputtgehen." Von den Politikern sind er und seine Begleiter enttäuscht. "Was sie versprechen, gilt so lange, bis sie gewählt werden." Uschi Bauer, ihre Mitstreiterin Anke Dietrich und die Mitglieder der Bürgerinitiative BGE-Trier, die sich vor zehn Monaten gegründet hat, versuchen Überzeugungsarbeit zu leisten, diskutieren, krönen weiter. "Ich glaube nicht, dass sich die Menschen auf die faule Haut legen werden", entgegnet Bauer. Sie geht davon aus, dass die fehlende Sorge um die Grundversorgung wahre "Kreativitätsschübe" auslösen würde. Arbeit würde eine andere Qualität erhalten. "Ich bin der Überzeugung, dass es das Grundeinkommen geben wird." Gewettet hat sie, dass das zu Silvester bereits keine Vision mehr, sondern Wahrheit sein wird. "Skepsis bremst", entgegnet sie Kritikern. "Diese Welle ist unaufhaltsam. Es ist genauso wie mit dem Mauerfall. Das ist auch meine Prognose für das Grundeinkommen, wenn es aus dem Volk kommt." Und dafür kämpft sie auf der Krönungswelle-Tour bis zum 20. September und darüber hinaus.

Infos: www.kroenungswelle.net