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Umwelt
Sorgen wegen der Staubwolke in Trier

Die direkte Nachbarschaft zwischen der Schwerindustrie im Trierer Hafen und den Wohnhäusern in Pfalzel verursacht seit Jahren Ärger. 
Die direkte Nachbarschaft zwischen der Schwerindustrie im Trierer Hafen und den Wohnhäusern in Pfalzel verursacht seit Jahren Ärger.  FOTO: Samantha Ward / TV
Trier. Mehrere Anwohner beschweren sich in Trier-Pfalzel über Metallstaub aus dem Industriegebiet am Hafen. Jetzt untersucht das Landesumweltamt den Fall. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Der Verkauf der umstrittenen Recyclingfirma Eu-Rec liegt noch keinen Monat zurück (der TV berichtete), aber dennoch kommt Pfalzel nicht zur Ruhe. Die direkte Nachbarschaft zum Industriegebiet Trierer Hafen löst wieder Sorgen  aus. Dieses Mal ist es nicht der üble Geruch vom Gelände der Eu-Rec GmbH, der die Menschen in Pfalzel jahrelang gequält hat. „Eine Metallstaubwolke zieht in Richtung Pfalzel“ – so schildert ein Bewohner des Stadtteils die aktuelle Situation. „Wir, die Anwohner,  nehmen nicht länger hin, täglich unsere Fensterbänke von Metallstaub zu säubern.“ Die Fensterbänke sind natürlich das kleinere Problem, wesentlich schwerer wiegt die Angst vor möglichen Gesundheitsschäden.

In der Tat sitzen im Trierer Hafen Unternehmen aus der Stahl- und Recyclingbranche. Der TV fragt Pfalzels Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel, die auch für die UBT im Stadtrat sitzt. Sie antwortet: „In den letzten Tagen habe ich ebenfalls von zwei Bürgern Beschwerden über den Metallstaub bekommen.“ Die Ortsvorsteherin betont: „Die Problematik des Industriegebietes im Trierer Hafen, welches zu nahe an die Wohnbebauung herangeführt wurde, ist uns allen hinlänglich bekannt.“ Die direkte Nachbarschaft zwischen Schwerindustrie und Wohnbebauung, die heute jedem Stadtplaner das Grausen beibringen würde, ist seit vielen Jahren ein konstantes Problem  – für alle Beteiligten.

Pfeiffer-Erdel hat die Kontrollbehörde des Landes informiert, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord. „Außerdem wurde vonseiten der Stadt für diesen Bereich ein Umweltverträglichkeitsgutachten in Auftrag gegeben.“ Dieses stehe im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau einer Kita in der Hans-Adamy-Straße in Pfalzel – 500 Meter entfernt vom Industriegebiet. Diesen Standort kritisierten schon 2016 die Hafengesellschaft und der mittlerweile aufgelöste Zweckverband Wirtschaftsförderung im Trierer Tal. Der Tenor: Die Kita sitze zu nah bei der Industrie.

Stadt-Sprecher Michael Schmitz muss der Pfalzeler Ortsvorsteherin widersprechen. „Ein Umweltverträglichkeitsgutachten zum Bebauungsplanverfahren der Kita Pfalzel ist nicht erforderlich und wurde deshalb auch nicht erstellt oder beauftragt.“  Die Ortsvorsteherin meint nach Vermutung von Schmitz einen Umweltbericht und ein schalltechnisches Gutachten. In diesen beiden Dokumenten sind alle wesentlichen Umweltaspekte des Bebauungsplans (siehe Info) aufgeführt. Der Umweltbericht sagt: In Bezug auf Schadstoffwerte in der Luft werden alle gesetzlichen Grenz- und Zielwerte klar eingehalten.

Die SGD Nord nimmt die Sorgen in Pfalzel offenbar sehr ernst. „Insbesondere in einem Industriegebiet sind verschiedene Herkunftsquellen für Staub möglich“, sagt Sprecherin Sonja Marie Stasch. „Da der SGD Nord Bedenken von zwei Anwohnern mitgeteilt wurden, hat ein Mitarbeiter Staubproben vor Ort genommen, die zurzeit vom Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz untersucht werden, um so mögliche Rückschlüsse auf die Herkunft des Staubes ziehen zu können.“ Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Aktuell gebe es keine Schadstoffmessungen in Pfalzel. Die letzte Messung der Staubniederschläge stamme aus den Jahren 2012 und 2013, dabei sei keine Überschreitung der Orientierungswerte festgestellt worden. Für eine Wiederholung der Untersuchung müssten konkrete Hinweise auf eine Verschlechterung vorliegen“, erklärt Stasch. „Das ist derzeit nicht der Fall.“