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Sozialwohnungen bleiben Reizthema

So könnte das geplante Gebäude in Trier-Mariahof einmal aussehen. Noch steht aber nichts fest. Quelle: Stadt Trier
So könnte das geplante Gebäude in Trier-Mariahof einmal aussehen. Noch steht aber nichts fest. Quelle: Stadt Trier FOTO: (h_st )
Trier-Mariahof. Um die geplanten Sozialwohnungen neben dem Gut Mariahof in Trier gibt es weiter Irritationen. Bevor der Stadtrat die Planungskosten freigab, hatte auch der Ortsbeirat über das Reizthema diskutiert und dabei neue Grafiken gesichtet. Frank Göbel

Trier-Mariahof. Frank Simons, Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft (GWT), erläuterte im Ortsbeirat den aktuellen Stand des geplanten Sozialwohnungsbaus. Erstmals gab es dabei auch fotorealistische Grafiken zu sehen. Diese zeigen, wie die spätere Bebauung prinzipiell aussehen könnte. "Wir werden im Vergabeverfahren sicher auch andere Möglichkeiten präsentiert bekommen, die Bebauung anzuordnen", erklärte Simons.
Viele Zwischenrufe


Zuschauer machten ihre Skepsis immer wieder durch Zwischenrufe deutlich - auch, als Simons auf Fragen des Ortsbeirats zum Denkmalschutz einging. "Wir erwarten keine Bedenken durch den Architekturbeirat", erklärte er. Schließlich halte man einen "respektvollen Abstand" von 30 Metern zum Hofgut. Außerdem gebe es in dessen Umfeld ohnehin keinen klassischen Umgebungsschutz. Frühere Nachbargebäude hätten die Wirkung des Guts bereits viel stärker beeinträchtigt.
Eine Auskunft, die Ortsbeirat Nikolaus Schmitt (CDU) nicht zufriedenstellte: "Diese Bauten sind ja gerade abgerissen worden, weil sie das Gut beeinträchtigten."
Letztlich votierte der Ortsbeirat aber mit acht Ja-Stimmen für den weiteren Verlauf des Bauverfahrens - bei drei Gegenstimmen. Die zweiköpfige Fraktion der Wählergruppe Lehmann (WGL) stemmte sich in der Abstimmung weiter gegen das Bauvorhaben: Das sei ein "Schnellschuss, der keiner städtebaulichen Entwicklung entspricht", sagte Bernd Lehmann.
Arbeitsgruppe zur Beratung


Eine Absage erteilte die WGL auch einem Antrag der CDU: Die möchte aus dem Ortsbeirat heraus eine Arbeitsgruppe bilden, die "der Stadtverwaltung beratend zur Seite steht und mit ihrer Ortskenntnis dazu beiträgt, dass die Entwicklung und der Betrieb des Projekts für alle Beteiligten einen positiven Verlauf nehmen". Das sei nicht Aufgabe des Ortsbeirats, findet Lehmann. Für die SPD nannte Ludwig Limburg den CDU-Vorschlag aber "sinnvoll": Die zukünftigen Bewohner sollten von Anfang an gut in das Ortsleben integriert werden. Der CDU-Antrag wurde schließlich mit neun Stimmen angenommen (bei drei Enthaltungen).
Um die städtische Lust am Bauen ging es auch in einem anderen Tagesordnungspunkt: Baudezernent Andreas Ludwig hatte in einem Schreiben mitgeteilt, dass geplante Maßnahmen an der Infra struktur sich über 14 weitere Jahre erstrecken könnten.
Das dürfe man nicht einfach hinnehmen, forderte Bernd Lehmann und sprach von "Trödelei": Für die Sanierung des Kirchplatzes, die noch dieses Jahr angefangen werden sollte, liege schließlich auch noch keine verbindliche Planung vor.
Auch Jutta Albrecht (CDU) fand den angekündigten Zeitrahmen "ernüchternd": Es könne ja mal vorkommen, dass etwas ein bisschen länger dauere, aber 14 Jahre seien "Wahnsinn".
Der Ortsbeirat verständigte sich, zunächst mit seiner bestehenden Arbeitsgruppe das Gespräch mit der Stadt zu suchen. Auf eine öffentliche Auseinandersetzung, etwa im Rahmen einer Bürgerinformation, wird zwar zunächst verzichtet. Ausgeschlossen wird sie aber nicht.Meinung

Mehr Gefühl!
Der Plan, neue Sozialwohnungen in Mariahof zu bauen, wird in beachtlichem Tempo entwickelt. Das ist auch gut so. Dagegen wird beim Ausbau der Straßen und Wege mittlerweile in Vierteljahrhunderten gerechnet. Das passt nicht und weckt Misstrauen: Schon die Sanierung der bestehenden Sozialwohnungen wurde einst angekündigt und ist dann in Vergessenheit geraten. Und die Schaffung eines Baugebiets am Brubacher Hof ist auch noch möglich. Die Verantwortlichen bei der Stadt sollten darum dringend mehr Fingerspitzengefühl zeigen: Die Akzeptanz und damit der letztliche Erfolg für das Vorhaben neben dem Gutshof hängt schließlich stark davon ab, ob die Mariahofer noch allzu viel auf Versprechungen aus dem Augustinerhof geben. trier@volksfreund.de