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Unfall
Spektakulärer Unfall in Trierer Schleuse: Was ist schiefgegangen bei den Routinearbeiten?

Bei Bauarbeiten an der Moselschleuse Trier ist am Dienstagabend ein Kran umgekippt und auf ein Schiff gefallen. Das Schiff drohte anschließend abzusinken.
Bei Bauarbeiten an der Moselschleuse Trier ist am Dienstagabend ein Kran umgekippt und auf ein Schiff gefallen. Das Schiff drohte anschließend abzusinken. FOTO: TV / Florian Blaes
Trier. An der Moselstaustufe bei Trier ist ein Kran samt tonnenschwerem Stützpfosten auf ein Schubschiff gestürzt. Verletzt wurde niemand. Die Polizei ermittelt. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

„Die Arbeiter hatten großes Glück – niemand wurde verletzt“, sagt Mathias Münch, Pressesprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts Trier.

Immerhin wiegt der Pfosten, der am Dienstag gegen 17.30 Uhr im Vorhafen zur neuen, zweiten Schleusenkammer der Moselstaustufe auf ein Schiff stürzte, sieben Tonnen. Und der Aufbau des Krans, der den Stützpfeiler von einer im Vorhafen schwimmenden Arbeitsplattform heben sollte, war gleich mit auf das Schubschiff gefallen.

Die tonnenschwere Last drückte das Schiff unter Wasser. Stundenlang dauerte es, Kran und Pfosten von dem teilweise untergegangenen Schiff zu bergen.

Weil das alte, erste Schleusentor weiter zur Verfügung stand, wurde die Schifffahrt kaum beeinträchtigt. „Lediglich von 0.55 Uhr bis etwa 2 Uhr in der Nacht musste die Mosel auf diesem Abschnitt wegen der Bergungsarbeiten für die Schifffahrt gesperrt werden“, berichtet Behördensprecher Münch.

Der Unfall passierte bei Routinearbeiten: An dem neuen Vorhafen, in den Schiffe vor dem eigentlichen Schleusengang einlaufen, wurde in der vergangenen Wochen gebaut. Am Dienstag war diese Arbeit soweit erledigt. Die schwimmende Plattform, die als Arbeitsfläche und Materiallager dient, sollte deswegen wieder aus dem Vorhafen entfernt werden. Ein Spezialkran stand bereit, um den sieben Tonnen schweren Pfosten, mit dem der Ponton im Grund der Mosel verankert war, herauszuheben. Das Schubschiff sollte anschließend die Pontonplattform, die selbst keinen Antriebsmotor hat, aus dem Vorhafen herausschieben.

„Den Verankerungspfeiler aus dem Ponton zu entfernen, ist eigentlich Routine“, berichtet Achim Bartolome, Leiter der Wasserschutzpolizei Trier. Warum der dafür ausgelegte Spezialkran in Schieflage geriet und schließlich samt Pfosten in das Hafenbecken und auf das Führerhaus des Schubschiffs stürzte, sei noch unklar. „Es kommen mehrere Ursachen infrage“, sagt Bartholome, „unsere Ermittlungen laufen“.

Die Bergung von Kran und Pfosten dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Das von der Last befreite Schubschiff gelangte anschließend wieder an die Wasseroberfläche. „Weil die Aufbauten und Einrichtungen des Schiff teilweise zerstört sind, haben wir zunächst ein Fahrverbot ausgesprochen“, berichtet Polizeisprecher Bartholome. Am Mittwochnachmittag lag das Schiff immer noch im Vorhafen. Der Zugang zur Großbaustelle (siehe Extra) war abgesperrt. Aus Kran und Schubschiff sind bei dem Unfall Öl und Diesel in die Mosel geflossen. Die Berufsfeuerwehr legte eine Ölsperre auf der Wasseroberfläche aus, um die Schadstoffe aufzufangen. Auch Mitarbeiter der oberen Wasserschutzbehörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord mit Sitz in Koblenz, waren in der Nacht zum Mittwoch vor Ort. „Bei unserem Eintreffen waren auf der Wasserfläche nur noch Ölschlieren zu erkennen. Die Ölschlängel bleiben vorerst zur Absicherung liegen und werden später entsorgt“, teilte SGD-Nord-Sprecherin Sandra Hansen-Spurzem auf TV-Nachfrage mit. Dort wo der Kran umgefallen ist, seien Schadstoffe zudem auch in den Boden geraten. „Die Stelle wird durch Ölbindemittel abgestreut und später ausgebaggert. Der verunreinigte Boden – etwa ein halber Kubikmeter – wird abgegraben und entsorgt“, erklärt Hansen-Spurzem.

Eine Schätzung, wie viel Öl und Diesel insgesamt in die Mosel gelangt ist, wollen die Behörden nicht abgeben. Nach TV-Informationen sollen es allerdings etwa 20 bis 50 Liter sein. Das meiste sei von der Feuerwehr im Hafenbecken abgefangen worden.

Am sonnigen Mittwochvormittag schillerte auf der Mosel in Trier allerdings ein breiter Ölfilm. „Auf fließenden Gewässern kann Öl allerdings einen hauchdünnen Film bilden, auch geringe Mengen können sich so zu großen Teppichen ausbreiten“, sagt Wasserschutzpolizeichef Bartholome. Aufgefangen werden könne ein solcher breiter, dünner Ölfilm kaum. „Ich gehe fest davon aus, dass diese geringe Ölmenge verdunsten wird“, sagt Bartholome.

An der Mosel ist am Dienstagabend gegen 18 Uhr bei Entladungsarbeiten ein Kran auf ein Schiff gestürzt. Das Schiff drohte abzusinken.
An der Mosel ist am Dienstagabend gegen 18 Uhr bei Entladungsarbeiten ein Kran auf ein Schiff gestürzt. Das Schiff drohte abzusinken. FOTO: TV / Florian Blaes
Deutlich war am sonnigen Mittwochvormittag ein großer Ölfilm auf der Mosel bei Trier zu sehen.
Deutlich war am sonnigen Mittwochvormittag ein großer Ölfilm auf der Mosel bei Trier zu sehen. FOTO: TV / Marek Fritzen