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Stadt hält an Standort fest

FOTO: (h_st )
Trier-Mariahof. Neue städtische Wohnungen für Flüchtlinge und sozial bedürftige Menschen sollen am Hofgut Mariahof in Trier entstehen. Doch gegen den von der Stadt vorgesehenen Standort regt sich weiter Widerstand: Mehr als 600 Menschen unterzeichneten eine Petition, die andere Varianten vorschlägt. Die Verwaltung will am Standort festhalten. Marcus Stölb

Trier-Mariahof. Das Gut, das dem Stadtteil Mariahof seinen Namen gab, steht seit 1844. Über die Jahrzehnte hinweg und bis heute konnte das aus vier Gebäudeflügeln bestehende Anwesen seinen Charakter bewahren. Das im Westen des Kulturdenkmals Anfang der 1970er die im Volksmund auch Papageienviertel genannte Trebetasiedlung errichtet werden durfte, ändert daran wenig. Nun sollen westlich des Hofguts Wohnungen entstehen, mehr als 30 Einheiten in drei Häuserblocks sind geplant, vornehmlich für Flüchtlinge und sozialhilfebedürftige Menschen (der TV berichtete mehrfach).
Eine "soziale Enklave" drohe, warnen die Verfasser einer Petition, die von 633 Menschen unterzeichnet wurde. Darin heißt es: "Die Lage vor den Toren Mariahofs fördert keine Integration, sondern führt eher zur Ghettoisierung." Die Kritiker fürchten zudem städtebauliche Folgen für Ortsbild und Hofgut. Und sie führen ins Feld, dass eine Bebauung an diesem Standort eine spätere verkehrliche Erschließung des möglichen neuen Wohngebiets Brubacher Hof erschweren könnte. Die Autoren der Petition zeigen aber auch mögliche Alternativen zur derzeitigen Planung auf, darunter eine Nachverdichtung innerhalb der bestehenden Bebauung.
Diskussion über Verkehr


Das zeige, dass sich ihre Bedenken nicht gegen den Zuzug von Flüchtlingen richteten, erklären Christina Lehmann und Nikolaus Schmitt im Anschluss an die jüngste Sitzung des Bauausschusses. Die beiden Mariahofer sind enttäuscht, hatte der Vizechef des Stadtplanungsamts, Stefan Leist, doch kurz zuvor noch einmal erklärt, dass und warum die Verwaltung am Standort festhalten werde.
Denkmalschutz: Der eigenständige Charakter des Hofguts bleibe erhalten, da ein Abstand von etwa 30 Metern zwischen Gut und Neubau eingeplant sei, sagte Leist.
Verkehr: Für den Fall, dass das Neubaugebiet Brubacher Hof tatsächlich realisiert werde, was derzeit noch unklar ist, reichten für eine Erschließungsstraße samt beidseitigen Grünstreifen, Gehwegen und Stellplätzen 20 Meter aus, erklärte der Stadtplaner.
Ortsbild: Baurechtlich handele es sich um "keine Siedlungsausdehnung", sondern um "eine Fläche innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils". Was die Warnung vor einer "sozialen Enklave" sowie die Forderung nach einer Nachverdichtung in der bestehenden Bebauung anbelangt, vertritt die Verwaltung den Standpunkt, dass "eine Ghettobildung gerade wegen der Verteilung entsprechender Wohnungen im Stadtteil auszuschließen" sei.
Ohne Nachfrage und Aussprache passierte die Stellungnahme den Ausschuss.
Christina Lehmann und Nikolaus Schmitt hat Leist nicht überzeugen können. Auch wenn nach Lage der Dinge sehr unwahrscheinlich sei, dass am Standort noch einmal gerüttelt werde, wolle man sich dennoch nicht aus der weiteren Diskussion verabschieden, versichern die beiden Mariahofer. Vielmehr wollten sie nun darauf drängen, dass zumindest die städtebaulich verträglichste Lösung gewählt werde. Absolut nicht nachvollziehbar sei die Aussage der Stadt, dass bei einer Nachverdichtung die Befürchtungen der Schaffung eines "sozialen Ghettos" eher gegeben seien. Die von ihnen genannten Kritikpunkte und Probleme würden "lediglich isoliert voneinander betrachtet. Eine komplexe, übergreifende Beurteilung der Gesamtmaßnahme und deren Auswirkungen findet nicht statt", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Man schlage vor, jetzt den anstehenden Beschluss zum Flächennutzungsplan abzuwarten, "um die weitere Planung unter Berücksichtigung der daraus resultierenden Rahmenbedingungen vorzunehmen."
Dass sich die Kritiker mit der Haltung der Stadt alles andere als abgefunden haben, zeigt ein weiterer Vorschlag: In der Zwischenzeit sei eine "moderate Nachverdichtung durch verteilte kleinere Einheiten in Mariahof" denkbar, empfehlen sie. Allerdings dürften hierdurch in der Summe nicht mehr Wohnungen entstehen als derzeit geplant, stellen die Initiatoren der Petition klar.