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Stadtgründer krönt Trebeta-Brunnen

Gibt dem nüchternen Nikolaus-Koch-Platz ein barockes Gesicht: Der Trebeta-Brunnen. TV-Foto: Christiane Wolff
Gibt dem nüchternen Nikolaus-Koch-Platz ein barockes Gesicht: Der Trebeta-Brunnen. TV-Foto: Christiane Wolff
TRIER. Wie ein Portal als Eingang zum dahinter liegenden Gerichtsgebäude sieht er aus, der Trebeta-Brunnen am Nikolaus-Koch-Platz, der diesmal hinter den Kacheln unseres Bilderrätsels versteckt war. Die Gewinner unseres Rätsels veröffentlichen wir in der Wochenendausgabe. ARRAY(0x17cb80058)

Halbrund streckt sich die flache Brunnenschale des Trebeta-Brunnens dem Betrachter entgegen. Ein Löwenkopf dient als Wasserspeier - zumindest in den Herbst- und Wintermonaten ist der Wasserkreislauf allerdings abgestellt. Über das Brunnenbecken wölbt sich ein so genanntes "Grottenmuschelwerk", über das wiederum ein Neptun-Relief wacht. Gekrönt wird das Portal von einem Sandstein-Dreiecksgiebel. "Antiqui Treviri Romanorum Socii" ("Die Trierer - Bundesgenossen Roms") ist in goldenen Lettern im Giebel zu lesen. An den Enden der Giebelschrägen stehen eine Romulus- und eine Trebeta-Figur, die Sagen nach die Städte Rom beziehungsweise Trier gegründet haben sollen. Über die Entstehungsgeschichte oder den Künstler des Trebeta-Brunnens ist wenig bekannt, entstanden ist er wohl zwischen 1650 und 1700. An seinem heutigen Standort am Nikolaus-Koch-Platz steht der Brunnen erst seit Juni 1967. Ursprünglich wurde der Brunnen wohl für einen Privatgarten an der Dietrichstraße geschaffen. Ende des 19 Jahrhunderts kaufte die Trierer Justiz das Gelände, der Brunnen wurde fachgerecht in seine Einzelteile zerlegt und an der ehemaligen Einmündung der Böhmerstraße auf die alte Justizstraße wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Brunnen so stark beschädigt, dass er Anfang der 50er abgetragen und eingelagert wurde. Wenige Jahre später nahm sich das Denkmalpflegeamt der Überreste an und beauftragte den Trierer Bildhauer Toni Christmann mit der Restaurierung. Kaum wieder aufgebaut, musste der Brunnen 1964 erneut den Expandierungswünschen der Justiz weichen und wurde schließlich 1967 an seinem heutigen Standort wieder errichtet. Die beiden Figuren - Roms sagenhafter Gründer Romulus und Trebeta, Stiefsohn der Semiramis, der auf der Flucht vor dieser nach Trier gekommen sein und hier 1300 Jahre vor der Gründung Roms sein Haus errichtet haben soll - wurden Ende der 70er Jahre vor dem nagenden Zahn der Zeit und den Einflüssen der Witterung gerettet: Nach ihrer Restaurierung fanden die Originale ein neues Heim im Treppenhaus der Justizverwaltung. Für den Brunnen stellte ein Bildhauer aus der Pfalz originalgetreue Kopien aus heimischem Buntsandstein her. 1979 vervollständigten die Kopien schließlich wieder den verwaisten Brunnen. (Quellen: Julia Frey: Aquae Treverenses. Brunnen in Trier, Verlag Akademische Buchhandlung Interbook, Trier; Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17,1)