| 21:33 Uhr

Öffentlicher Nahverkehr
Kosten Busfahrten durch Trier bald weniger?

FOTO: roland morgen (rm.)
Trier. Die Stadt will die Fahrpreise in den eigenen Bussen senken. Ein alter Vertrag mit vier Landkreisen verhindert das bisher. Mit einer Sonderzone für das Stadtgebiet könnte das Busfahren nun doch billiger werden – doch der Plan hat eine Schwäche.
Roland Morgen

Wer in Trier mit dem Stadtbus fährt, muss nach Zonen zahlen. Für den Kernbereich Trier-City kostet das Ticket derzeit zwei Euro. Wer weiter möchte, etwa von Mariahof nach Ruwer, der wird mit 2,80 Euro zur Kasse gebeten.

Ab 1. Januar 2019 werden voraussichtlich gar 2,90 Euro fällig, Das ist im deutschlandweiten Vergleich teuer. Was die Trierer Stadtratsmitglieder aber noch mehr ärgert: Sie und ihr Nahverkehrsunternehmen, die Stadtwerke (SWT), wollen diese Preisgestaltung (und kommende -erhöhung) gar nicht, müssen sie aber schlucken.

Zuständig ist der Verkehrsverbund Region Trier (VRT). Dem sind die SWT  als eines von 15 Bus- und Bahnunternehmen angeschlossen. Und ziehen in den entscheidenden Sitzungen regelmäßig den Kürzeren wie auch die Stadt Trier, die von den vier Landkreisen des ehemaligen Regierungsbezirks Trier stets überstimmt wird, wenn sie gegen eine Tariferhöhung votiert. Denn wegen rückläufiger Schülerzahlen ist es nicht mehr möglich, in ländlichen Gebieten den Nahverkehr wirtschaftlich zu gestalten. Vereinfacht ausgedrückt: Die SWT-Buskunden subventionieren den defizitären Nahverkehr im Rest der Region.

Aussteigen aus dem am 1. Januar 2001 an den Start gegangenen Verbund geht nicht. Da haben, wie es OB Wolfram Leibe süffisant auf den Punkt brachte, „unsere Vorgänger bombensichere Verträge gemacht. Wir können uns nicht vom Acker machen.“

Die Ratsfraktionen von CDU und Grünen wollen nun auf andere Weise eine Art „Tarifhoheit“ innerhalb des VRT gewinnen: mit der Schaffung einer Sonderzone für den Bereich Trier Stadt, in der dann ein einziger, selbst festgelegter – und niedrigerer – Fahrpreis gilt.

Klingt zunächst gut, ist aber in der Realität wohl äußerst schwer machbar, wie sich in der Stadtratssitzung gestern Abend zeigte. Fast eine Stunde lang wurde der schwarz-grüne Gemeinschaftsantrag kontrovers bis heftig diskutiert. Während Thomas Albrecht (CDU) und Thorsten Kretzer (Grüne) dafür warben, die Fahrpreise für Trier in eigener Regie zu bestimmen, warnte insbesondere die SPD vor den bei einem Zonen-Alleingang fällig werdenden Ausgleichszahlungen an den VRT. Rainer Lehnart  brachte „jährlich rund fünf Millionen Euro“ ins Spiel.

Den Sozialdemokraten sprang die FDP bei: Es gehe um Millionensummen, die in anderen Bereichen freiwilliger Leistungen wie etwa Kultur fehlten. „Das ist völlig illusorisch“, fand Tobias Schneider. Michael Frisch (AfD) hingegen verwies auf positive Nebeneffekte, die ein niedrigerer Fahrpreis haben könnte: eine Entschärfung der Parkprobleme in der Innenstadt und eine höhere Auslastung der Busse.

Schließlich setzten sich die Befürworter mit 33:21 Stimmen durch. Damit ist die Stadtverwaltung nun beauftragt, mit den zuständigen VRT-Gremien Verhandlungen über die Schaffung einer Sondertarifzone zu führen, in der es nur noch einen selbst bestimmten Preis gibt. Zudem soll die Verwaltung ein Finanzierungskonzept entwickeln, sprich: „Zahlenmaterial vorlegen,  damit wir eine Basis für weitere Entscheidungen haben“, wie Thomas Albrecht es formulierte.

Ebenfalls Intention des Antrags: Die Verwaltung muss bis spätestens Oktober über das Ergebnis der Verhandlungen berichten.

Die Antragsteller zeigten sich nach der gewonnenen Abstimmung zufrieden. Der Einstieg in den Ausstieg aus dem VRT-Zwangstarif sei gemacht.

So gespalten die Lager in Sachen Trier-Tarif waren, so einig zeigten sie sich in der Reaktion auf ein Schreiben von  Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an OB Leibe. Die Mitteilung, die Deutsche Bahn AG bleibe dabei, erst 2030 wieder  Fernverkehr mit Intercity-Zügen von und nach Trier aufzunehmen, wurde quer durch alle Fraktionen mit ungläubigem Gelächter quittiert.