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Steinschlag von der Trierer Pauluskirche - Experten prüfen Mauerwerk

Trier. Wegen "Steinschlags" musste die Pauluskirche in Trier noch vor Ostern mit einem aufwendigen Notprogramm gesichert werden. Ein vom Turm heruntergestürzter, kiloschwerer Sandsteinbrocken hatte die Verantwortlichen im Generalvikariat des Bistums alarmiert. Die Ostergottesdienste können wie geplant gefeiert werden, wobei laut Pfarramt nur das linke Portal geöffnet sein wird. Friedhelm Knopp

Trier. Die Pauluskirche in der Nähe der Berufsbildenden Schulen mitten in Trier hat seit einigen Tagen eine Art Bannmeile: Schwere rot-weiße Absperrbaken auf den Bürgersteigen am Paulusplatz und an der Hieronymus-Jaegen-Straße sollen verhindern, dass sich Fußgänger zu sehr dem Mauerwerk nähern können. Das Bistum selbst ordnete diesen "Sperrbezirk" an, nachdem sich in der vergangenen Woche ein Zierelement aus Sandstein in rund 40 Metern Höhe vom Turm gelöst hatte und wie ein Geschoss auf dem Bürgersteig eingeschlagen war. Die Einschlagstelle ist auf dem Gehweg erkennbar. Wären ein Passant getroffen worden, wäre er womöglich schwer verletzt oder sogar getötet worden.Problemfall Zierelemente


Dazu sagt Bistumsarchitekt Robert Mitchell auf TV-Anfrage: "Wir haben zunächst die Bürgersteige entlang der Kirchenmauern gesichert und einen Statiker beauftragt, die Standfestigkeit von Turm und Kirchenschiff zu überprüfen." Das Ergebnis: Der Bau aus Kalkstein ist standfest. Das Problem sind die aus Rotsandstein gefertigten Zierelemente (meist in Bogenform) unterhalb der Traufen von Turm und Kirchenschiff. Laut Experte Mitchell habe das abgefallene Stück etwa die Größe eines Drittel-Autoreifens, aber keine Erosionsspuren aufgewiesen: "Das Problem ist wohl die alternde Befestigung der Zierelemente, wobei auch die Erschütterungen durch den Verkehr auf der nahen Böhmerstraße ihre Wirkung haben dürften."
Ende vergangener Woche gab es erste Überprüfungen mit einem Steigerfahrzeug. Seit Anfang der Woche ist die Hieronymus-Jaegen-Straße voll gesperrt und von einem schweren Autokran besetzt. Die Vorbeifahrt am Paulusplatz geht nur noch halbseitig und in einer Richtung von der Kalenfelsstraße zur Oerenstraße. Mitchell spricht von einer "vorläufigen Notmaßnahme".Keine eigene Pfarrei mehr


Mit Hilfe des Autokrans prüft derzeit von einer Hängegondel aus die Trierer Steinmetzfirma Raquet die Situation in der Höhe. Kleinere lose Steine werden herausgelöst und aus luftiger Höhe zum Absturz gebracht. Größere Elemente sichern die Experten mit Edelstahlklammern. Steinmetzmeister Stefan Raquet zum TV: "Das Gebäude hat im Grunde eine sehr solide Bauqualität. Aber es hätte wohl alle 20 Jahre gründlich überprüft werden müssen."
Raquet schildert, was er zusammen mit seinem Mitarbeiter Daniel Stoller außer natürlicher Alterung noch alles entdeckt hat: Spatzennester in Mauerhöhlen, eiserne Fensterrahmen, deren Rost das Mauerwerk sprengt, sowie unbehandelte Bombensplittereinschläge aus dem Krieg. Raquet: "An einer Stelle schaut noch ein großer Metallsplitter heraus. Den habe ich drin gelassen, der Historie wegen." Die Pauluskirche steht seit Jahren ohne eigene Pfarrei da - Gottesdienste gibt es dort nur noch selten. Das Gotteshaus im neoromanischen Stil wurde 1907 erbaut. Es gehört damit im Vergleich mit Dom, St. Paulin oder St. Gangolf zu den "jungen" Trie rer Sakralbauten. In den 90er Jahren hatte der Turm einen neuen Helm erhalten. Das Bistum sucht nach einer neuen Verwendung. Ideen dazu gibt es - etwa die Umwandlung in eine öffentliche Bücherei (der TV berichtete).
Auf jeden Fall ist das Gebäude für das Bistum zum (teuren) Problem geworden. Architekt Mitchell: "Ich habe das Gefühl, dass uns dort eine größere Baumaßnahme bevorsteht."
Das Gebäude wurde so weit gesichert, dass die geplanten Gottesdienste an Ostersonntag und -montag (jeweils um 10 Uhr) laut Pfarramt Liebfrauen in der Pauluskirche möglich sind (das linke Portal wird geöffnet). Das besondere Augenmerk gehört laut Bistum dem Schutz der Eingangsbereiche. Auch Straße und Platz sollen an Ostern wieder frei sein. Die Bürgersteige bleiben aber weiter gesperrt.