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Stichwahl: Grüne und Linke sympathisieren mit CDU-Kandidatin Hiltrud Zock

Wahl des Oberbuergermeisters der Stadt Trier. Kommunalwahl, waehlen, Wahlbeteiligung.Stichwahl zwischen Hiltrud Zock und Wolfram Leibe TV-Foto: Friedemann Vetter
Wahl des Oberbuergermeisters der Stadt Trier. Kommunalwahl, waehlen, Wahlbeteiligung.Stichwahl zwischen Hiltrud Zock und Wolfram Leibe TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Wilfried Hoffmann
Trier. Bei der Stichwahl am 12. Oktober können die Trierer entscheiden, ob CDU-Kandidatin Hiltrud Zock es auf den Chefsessel im Rathaus schafft oder SPD-Gegner Wolfram Leibe. Die Parteien basteln im Hintergrund an ungewöhnlichen Unterstützer-Liasons. Christiane Wolff

"We will, we will Zock you", schallt es am Sonntagabend durchs Casino am Kornmarkt. Die CDU feiert mit dem umgedichteten Hit der Rockband Queen ihre Oberbürgermeisterkandidatin Hiltrud Zock.
Etwa 100 Leute sind zur Party mit Liveband gekommen. Ein bisschen wirkt das Ausmaß so, als hätten die Christdemokraten die Feier für einen Durchmarsch der OB-Kandidatin im ersten Wahlgang geplant. Doch die absolute Mehrheit hat Zock mit 45,8 Prozent der Stimmen verpasst. Ob sie oder SPD-Gegner Wolfram Leibe (36,3 Prozent) die Geschicke Triers ab April 2015 für mindestens acht Jahre leiten wird, entscheidet sich erst bei der Stichwahl am 12. Oktober.

Die 14 Tage bis dahin wollen die Kandidaten nutzen, um neben der großen Zahl der Nichtwähler auch diejenigen für sich zu gewinnen, die am Sonntag ihre Stimme dem grünen Kandidaten Fred Konrad gegeben haben. Immerhin waren das 18 Prozent der Wählerschaft.

Bei der Frage, wer wen bei der Stichwahl unterstützen wird, könnte es in den nächsten Tagen dicke Überraschungen geben: Während die Grünen bei der Oberbürgermeister-Wahl 2006 nicht nur zusammen mit der SPD den bis heute amtierenden Oberbürgermeister Klaus Jensen aufgestellt, sondern auch vehement für einen Wechsel auf dem Chefsessel im Rathaus nach 60 Jahren CDU-Herrschaft gekämpft hatten, liegen die Sympathien mittlerweile offenbar anders. Grünen-Parteivorsitzende Petra Kewes kann sich jedenfalls gut vorstellen, ihre Partei zur Unterstützung von CDU-Kandidatin Zock aufzurufen: "Zwar hat Herr Leibe viel Sachkompetenz, aber Frau Zock ist supersympathisch. Mit den richtigen Leuten an ihrer Seite, kann sie Lücken bei der Verwaltungs- und Führungserfahrung durchaus kompensieren", erklärt Kewes. Inhaltlich gebe es auch wenig Reibungspunkte mit der CDU, außer freilich in Sachen Moselaufstieg, für den die Christdemokraten genauso leidenschaftlich kämpfen wie die Grünen ihn ablehnen. "Aber das macht mir keine Bauchschmerzen, denn für den Bau dieser Umgehung wird eh nie Geld da sein", sagt Kewes. Beim Parteitag am Mittwoch wollen die Grünen entscheiden, ob und welche Wahlempfehlung sie abgeben.
Auch bei den Linken zeichnet sich ungewohnte Zuneigung für die CDU ab: "Während Herr Leibe unsere Einladung zum Gespräch abgelehnt hat, hat sich Frau Zock für unsere politische Meinung interessiert", sagt Linken-Kreisvorsitzender Marc-Bernhard Gleißner. Auch inhaltlich gebe es Übereinstimmungen: "Frau Zock hat uns avisiert, eine mögliche Klage gegen das Land, das die Kommunen unterfinanziert, zu unterstützen", sagt Gleißner. Die Linke trifft sich am Freitag zum Parteitag. "Dann werden wir mit der Basis sehr intensiv diskutieren, für wen wir eine Wahlempfehlung aussprechen."

CDU-Chef Bernhard Kaster will sich nicht zu der Angelegenheit äußern. "Wir freuen uns natürlich über jede Unterstützung - aber selbstverständlich sind die Parteien frei in ihrem Entschluss, welche Wahlempfehlung sie aussprechen." Ein selbstloses Geschenk an die CDU wäre eine potenzielle Wahlempfehlung der Grünen zugunsten Zocks wohl nicht. Nicht von ungefähr sprechen die Grünen beim Parteitag am Mittwoch gleichzeitig auch über mögliche Koalitionen im neuen Stadtrat. Zusammen mit der CDU (20 Sitze im Stadtrat) könnten sich die Grünen (neun Sitze) im 56-köpfigen Rat mit 29 Stimmen eine hauchdünne Mehrheit verschaffen. Eine Koalition der Grünen mit der SPD (15 Ratsmitglieder) würde dafür nicht ausreichen.Extra: Schwarz-Grün

Planen CDU und Grüne tatsächlich eine Zusammenarbeit, sowohl bei der OB-Wahl wie auch im Stadtrat? Hinweise, es solle eine entsprechende Vereinbarung der beiden Parteien geben, verdichteten sich gestern Abend, während der Führungszirkel der CDU tagte. Gleich mehrere Quellen aus Stadtratskreisen berichteten dem TV, die CDU sei zu einer Zusammenarbeit mit den Grünen bereit. Auch die FWG sei aus CDU-Kreisen nach der möglichen Unterstützung von Hiltrud Zock gefragt worden, hieß es. Dass die FWG eine Wahlempfehlung abgibt, gilt als unwahrscheinlich. mic