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Studentenverbindung Churtrier besteht seit 50 Jahren

Ihre Verbindung Churtrier besteht seit einem halben Jahrhundert: der aktuelle Vorstand (von links) Patrick Schüffelgen, Florian Birkmeyer, Benedikt Lorbach, Florian Metz, Jan Münster. Foto: Privat
Ihre Verbindung Churtrier besteht seit einem halben Jahrhundert: der aktuelle Vorstand (von links) Patrick Schüffelgen, Florian Birkmeyer, Benedikt Lorbach, Florian Metz, Jan Münster. Foto: Privat
Die katholische Studentenverbindung Churtrier wird 50 Jahre alt und blickt zurück auf eine ungewöhnliche Geschichte. Die lebenslange Verbundenheit der Mitglieder prägt seit jeher den Alltag der Verbindung. Eine Tradition, die heute zur Herausforderung wird.

Trier. (jer) Die Wand ist übersät mit Bildern. Sie zeigen junge Studenten, die Tellermütze und Brustband tragen. Im Hintergrund hängt stets eine rot-gold-grüne Fahne. Hier im Saal des Verbindungshauses vereinen sich die Erinnerungen aus 50 Jahren Geschichte der Katholischen Deutschen Studentenverbindung (KDStV) Churtrier.

Auch Ingo Stinner, ein älterer Herr mit grauem Haar, trägt das schmale Band und eine Mütze. Er hat die Gründung im Juni 1960 miterlebt: "In den ersten zehn Jahren waren wir eine Verbindung ohne Universität", stellt er klar. Die KDStV Churtrier koppelte sich damals an das Priesterseminar. Erste Mitglieder waren ausnahmslos Theologiestudenten. Das sorgte für Probleme: "Die Theologiestudenten durften nur an einem Tag in der Woche das Seminar verlassen", berichtet Stinner. Ein geregeltes Verbindungsleben war so unmöglich. Verschärft wurde die Situation durch ein fehlendes Versammlungshaus. Erst nach der Gründung der Universität 1970 entspannte sich die Lage: Die Mitgliederzahl wuchs, und wenig später bezogen die Studenten das eigene Verbindungshaus, das Böhmerhaus am Nikolaus-Koch-Platz.

Heute zählt die Churtrier rund 250 Mitglieder. Sie alle sind männlich, katholisch, studieren oder sind bereits berufstätig. Nur wenige davon leben in Trier selbst: "Die Mehrheit sind ehemalige aktive Mitglieder, die sogenannten Alten Herren", sagt Matthias Cramer, der 2003 zum Churtrierer wurde. Sie leisten finanzielle Unterstützung oder helfen beim Berufseinstieg. Ein Leben lang währt diese Verbundenheit.

Verbindungsleben bedeutet nicht nur ewige Freundschaft. Auch der wissenschaftliche Austausch zwischen den Studenten wird gefördert. Vorträge und Exkursionen ermöglichen einen Blick über den Tellerrand. Für Roman Palme erfüllt das gemeinsame Lernen auch eine soziale Funktion: "Nur so kann Gemeinschaft entstehen." Deswegen gehören diese Angebote zum Pflichtprogramm eines Churtrierers. Pflicht ist auch die Semester an- oder abkneipe: In diesen Sitzungen eröffnen oder beschließen die Studenten das jeweilige Semester.

Solche Traditionen lösen in der Bevölkerung oftmals Vorurteile aus. Verbindungskreise gelten als elitär und verschlossen. "Kritik wird es immer geben. Doch auch bei uns werden Dinge infrage gestellt", erzählt Student Martin Pollak. So sei früher Frauenbesuch über Nacht tabu gewesen, erinnert sich Ingo Stinner, heute stehe das nicht mehr zur Debatte. Zudem seien die meisten Veranstaltungen 50 Jahre nach der Gründung für jedermann zugänglich.

Dennoch ist die Zahl der Neumitglieder rückläufig: Waren es 1960 noch 13 neue Mitglieder pro Jahr, so finden heute jährlich nur drei neue Studenten ihren Weg ins Verbindungshaus. Die Gründe sind verschieden: Studenten sind heute mobiler und scheuen sich vor festen Bindungen. Zudem schmilzt das Zeitbudget der Studenten durch verschulte Studiengänge. "Dies ist eine Herausforderung, die wir annehmen müssen", fasst Roman Palme zusammen.

Selbst 100 Semester nach der Gründung klaffen Lücken oberhalb der Bilderwand im Saal des Böhmerhaues. Platz genug, um weitere Jahrzehnte Verbindungsgeschichte der KDStV Churtrier dort zu verewigen.