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Forschung
Trierer Studentin erfindet Weinkühler aus Trauben

Die Designerin Katharina Hölz hat Weinkühler aus regionalen Produkten (links im Bild) selbst hergestellt.
Die Designerin Katharina Hölz hat Weinkühler aus regionalen Produkten (links im Bild) selbst hergestellt. FOTO: Martina Greve
Trier. Katharina Hölz hat einen Stoff aus Trester und Wachs entwickelt, der Plastik ersetzen soll. Dafür wurde sie nun mehrfach ausgezeichnet.

Schon in ihrem Design-Studium an der Hochschule Trier war Katharina Hölz Umweltfreundlichkeit wichtig. Sie gestaltete beispielsweise aus Wellpappe ein Schachspiel, bei dem man die Figuren selbst zusammenstecken kann. Doch bei diesen Projekten arbeitete sie mit vorhandenen Materialen.

Heute sagt sie: „Für meine Masterarbeit reizte es mich besonders, einen Schritt weiter vorne anzusetzen und das Material selbst neu zu gestalten.“ Bei ihrer Recherche stieß sie auf Designer, die Gegenstände aus selbst kreierten Materialien fertigen, die aus ihrer Region kommen. Hölz begab sich auf die Suche nach Reststoff, der in der Region Trier häufig anfällt. So kam sie auf Trester – also auf die Rückstände, die nach dem Auspressen von Trauben im Weinbau anfallen. Trester wird teilweise zu Bränden weiterverarbeitet. Doch viele Winzer wissen nicht wohin mit dem Bioabfall.

Hölz’ Ziel: Ein Material zu erschaffen, das ähnlich wie Plastik vielseitig einsetzbar ist. Bei ihren Versuchen, aus Trester ein wertvolles Produkt zu machen, stieß Hölz auf Schwierigkeiten. Erst einmal galt es, das Material haltbar zu machen. Dazu experimentierte sie im eigenen Keller mit Ei, Mehl und verschiedenen Wachsen, die als Bindemittel fungieren sollten.

„Es war ein Wahnsinnsgefühl, als ich nach monatelanger Tüftelei eine geeignete Mischung gefunden hatte, die stabil war“, sagt Hölz. Sie fand unter anderem Carnaubawachs als natürliches Bindemittel. Dieses Wachs aus der Carnaubapalme ist schwer verformbar, geruchsneutral und sehr robust.

Sogar für den 3-D-Druck fand Hölz eine Möglichkeit, Trester zu verwerten. Normalerweise wird dafür Plastik verwendet. In Verbindung mit einem Biokunststoff schaffte es die Trierer Designerin, Weinkühler und Wandbekleidungen aus Trester herzustellen.

Nicht nur bei der Wahl des Werkstoffs hat sich die Designerin vom Wein und der Region inspirieren lassen, sondern auch bei den Formen. Die Kontur ihres Weinkühlers zum Beispiel erinnert an die Schlegelflasche, in die häufig Riesling-Weine abgefüllt werden.

Ihre Ideen kamen so gut an, dass Katharina Hölz zwei Auszeichnungen erhielt: den Rheinland-Pfalz Designpreis 2017 und eine „Besondere Anerkennung“ beim Lucky Strike Junior Designer Award (siehe Info). „Damit wurden zwei Jahre intensiver Arbeit auch über die Hochschule hinaus gewürdigt“, sagt sie. Nach ihren Auszeichnungen erhielt ich mehrere Anfragen von Winzern und Designgeschäften.

Die junge Frau hat inzwischen ihr Studium beendet und arbeitet bei einer Agentur für Lebensmittel-Verpackungen in Frankfurt. Nur eines fehlt der Designerin noch: ein Sponsor, um ihre Entwürfe produzieren zu können.