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Stumme Zeugen mit Botschaft

Bei einem Rundgang über den Trierer Hauptfriedhof kann man viel über die Stadt und ihre ehemaligen Bewohner erfahren. TV-Foto: Friedemann Vetter
Bei einem Rundgang über den Trierer Hauptfriedhof kann man viel über die Stadt und ihre ehemaligen Bewohner erfahren. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Die Geschichte der Stadt ist nicht nur an den Trierer Baudenkmälern ablesbar. Sie lässt sich auch bei einem Spaziergang über den Trierer Hauptfriedhof nachzeichnen. Viele alte Grabstätten prägender Trie rer Persönlichkeiten sind bis heute gut erhalten. Einige dieser Gräber werden noch immer von den Nachfahren der Verstorbenen gehegt und gepflegt. Lisa Bergmann

Trier. Ein Spaziergang zum Friedhof gehört für viele Menschen zum Programm an Allerheiligen. Er ist aber nicht nur Begräbnisstätte, sondern historisch wertvolle Fundgrube. Auf Geheiß Napoleons wurde er 1804 angelegt. Das erste Begräbnis ist aus dem Jahr 1807 bezeugt. Wer damals begraben wurde, ist jedoch nicht überliefert. Dafür ist aber das Grab des ersten Trierer Oberbürgermeisters, Anton Joseph Recking (1743 bis 1817), noch gut erhalten. Unter Napoleon war Recking der "Maire" der Stadt und veranlasste in dieser Funktion die Anlage des Hauptfriedhofs - damals außerhalb der Stadt wegen der Seuchengefahr. 1815, jetzt unter preußischer Herrschaft, wurde Recking zum Trierer Oberbürgermeister gewählt. Er starb 1817 im Alter von 74 Jahren.
Sieben Mal wurde der Friedhof in zwei Jahrhunderten erweitert. Um die 100 Gräber aus dem 19. Jahrhundert sind noch immer gut erhalten, einige der prächtigen Grabstätten sind auch als Denkmäler interessant. "Die Grabstätten waren ein Ausdruck des Reichtums der Familien, deshalb fielen sie oft sehr prunkvoll aus", sagt Friedhofsmeister Heinz Tholl. Eines der prächtigsten ist das Grabmal der Familie Caspary. Hier ruhen die Nachfahren von Johann Baptist Caspary. Er gründete im Jahr 1826 die Brauerei Caspary in der Krahnenstraße, die später im Stadtteil Heiligkreuz Gerstensaft produzierte und 1983 abgerissen wurde.
Das Vermögen der Verstorbenen beziehungsweise derer Angehörigen bestimme in der Regel, wie lange ein solches Grab erhalten bleibt. Denn die Ruhefrist könne gegen Zahlung einer bestimmten Summe beliebig verlängert werden. Das war unter Napoleon etwas anders: "In dieser Zeit gab es ausschließlich Reihengräber. In der Reihenfolge, in der sie angelegt wurden, wurden sie auch wieder abgebaut - unabhängig von den Wünschen der Angehörigen", sagt Tholl. Deshalb seien keine Gräber aus den Zeiten napoleonischer Herrschaft in Trier erhalten.
Dafür finden sich in diesem alten Teil des Friedhofs aber einige steinerne Zeitzeugen aus dem deutsch-französischen Krieg (1870/71). Besonders gut erhalten ist das Grab von Gustav Jakob Stephany.
Der Grabstein verrät, dass der Füsilier, ein mit einem Steinschlossgewehr ausgerüsteter Soldat (französich: fusil), 1870 fiel, nachdem er bei Saarbücken verwundet worden war. Offenbar gibt es bis heute noch Menschen, die seiner gedenken, denn frische Blumen schmücken sein Grab. "Viele der alten Gräber werden regelmäßig gepflegt. Oft wird die Grabpflege über Generationen hinweg weitervererbt", sagt Tholl.