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Tierschützer fordern: Schluss mit dem Ponykarussell auf dem Trierer Volksfest!

Hier drehen die Ponys ihre Kreise: Dass sie das in Trier in Zukunft auch noch tun dürfen, wollen Tierschützer mit einer Petition an den Stadtrat verhindern.
Hier drehen die Ponys ihre Kreise: Dass sie das in Trier in Zukunft auch noch tun dürfen, wollen Tierschützer mit einer Petition an den Stadtrat verhindern. FOTO: Sebastian Grauer
Trier.. An die 10.000 Besucher kommen jährlich zum Trierer Volksfest auf dem Messeparkgelände, das vor einigen Tagen zu Ende gegangen ist. EineA Attraktion sorgt aber noch im Nachhinein für Ärger: Das Ponykarussell ruft Tierschützer auf den Plan. Rebecca Schaal

Die einen haben schöne Kindheitserinnerungen daran, den anderen treibt es die Zornesröte ins Gesicht - zumindest eine bestimmte Form des Ponyreitens. Die war in den vergangenen Wochen beim Trierer Volksfest auf dem Messeparkgelände zu sehen: ein Ponykarussell, wo Kinder auf dem Rücken der Tiere im Kreis ihre Runden drehen. Für Rosemarie Müller aus Neuhütten (Verbandsgemeinde Hermeskeil) ist das Tierquälerei; sie fordert den Stadtrat Trier deshalb in einer Petition auf, diese Angebote künftig zu verbieten. Solche Petitionen gab es in Deutschland schon öfter, auch mit Erfolg - zum Beispiel in Duisburg und Düsseldorf. Der TV erklärt die Sachlage.

Das sagen die Tierschützer: Kein Richtungswechsel, kein Wasser, zu wenige Pausen und zu viel Lärm von den Fahrgeschäften - das sind die Hauptkritikpunkte, die Rosemarie Müller anbringt. Sie betreibt im Hochwald den Alleenhof, dort werden Pferde, Esel und Ziegen aufgepäppelt oder verbringen ihren Lebensabend auf dem Gnadenhof. Am Donnerstag vergangener Woche fuhr sie mit Familie und Freunden zum Volksfest. Nicht zum Riesenrad fahren, Zuckerwatte essen und Enten angeln, sondern um mit der Kamera zu dokumentieren, was beim Ponykarussell ihrer Meinung nach schiefläuft. Ein Unding sei für sie auch, dass das Gebissstück der Ponys mit dem Sattel verbunden gewesen sei, so dass der Kopf des Tieres nicht frei bewegt werden könne. "Das halte ich für sehr fahrlässig. Es geht hier auch um die Sicherheit der Kinder. Pferde und Ponys sind Fluchttiere, man weiß nie, was passiert, wenn ein Tier mal scheut."

Müller gibt zu, dass die Ponys gepflegt und gut genährt aussahen - "aber das sollen sie für den Betrachter ja auch". Sie kommt aber zu dem Schluss: "Die Tiere stehen unter Stress und Spannung, einige zeigten sogar Verhaltensstörungen." Müller stellte das fotografierte und gefilmte Material der Tierschutzorganisation "Animals United" zur Verfügung. Und aus dem Impuls heraus, "irgendetwas zu machen", startete sie am Montag mit einer Online-Petition.

Es gebe in der Umgebung genügend Möglichkeiten zum Ponyreiten - auf Bauern- oder Pferdehöfen zum Beispiel -, wo es den Tieren besser ergehe. Und das zu erschwinglichen Preisen.

Das sagen Veranstalter und Betreiber: Der TV trifft den Veranstalter, Georg Sonnier, beim Aufräumen im Messepark an. Dort erinnern nur noch ein zugeklappter Imbisswagen und ein paar noch nicht abtransportierte Teile eines Fahrgeschäfts an das zehntägige Volksfest. Sonnier kann die Aufregung um das Ponykarussell nicht verstehen. Der Schausteller aus Birtlingen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sagt, dass sich der Betreiber an alle Vorschriften halte. Und natürlich bekämen die Ponys Pausen, "die Tiere würden das sonst doch gar nicht schaffen". Sein Sohn, Horst Sonnier, wird konkreter: "Die Ponys haben hier immer eine große Koppel, auf der - neben denen auf der Reitbahn - zehn oder mehr Tiere stehen. Die Tiere werden stets gewechselt und gut gefüttert. Sie haben Platz und können ausreichend trinken." Überhaupt sei der Betreiber, die Firma Bügler aus Bad Kreuznach, "ein Vorzeigebetrieb. Alles ist sauber, und die Tiere werden gut gehalten."

Was Sonnier junior mehr ärgert als die Vorwürfe der Tierschützer an sich: "Warum kommen die Leute nicht auf uns zu und fragen einfach mal nach? Im Internet unterschreiben viele Leute, die gar nicht vor Ort waren, um es sich selbst anzusehen." Er selbst habe im sozialen Netzwerk facebook versucht, Kritiker davon zu überzeugen, vorbeizukommen und das Gespräch zu suchen. Jedoch: "Erst wurden meine Kommentare gelöscht, dann wurde ich dort sogar blockiert." Der Betreiber, die Firma Bügler, war trotz mehrfacher Versuche telefonisch nicht erreichbar.

Das sagen die Behörden: Die Stadtverwaltung winkt auf TV-Anfrage ab - für solche Fahrbetriebe sei das Veterinäramt des Kreises Trier-Saarburg zuständig. Stimmt, sagt Pressesprecher Thomas Müller und erläutert: Ein solcher Betrieb ist genehmigungspflichtig - allerdings vom Veterinäramt des Wohnsitzes (also Bad Kreuznach). Die Mitarbeiter dort bestimmen auch die Auflagen wie Wechsel und Pausen.

Nun kommt aber doch die Stadt noch einmal ins Spiel: Dort muss sich ein Anbieter von Fahrbetrieben mit Tieren im Vorfeld anmelden. "Der betreffende Anbieter wurde hier vor zwei Jahren vom Kreisveterinäramt kontrolliert, es gab keine großen Beanstandungen", sagt Müller. Indes: "Wir können auch nur kontrollieren, wenn wir wissen, dass ein solcher Betrieb in der Stadt ist."

In den vergangenen Jahren habe der Betreiber die Anmeldung "etwas lax gehandhabt", sie sei bei der Kreisverwaltung bisweilen spät eingetrudelt, so dass die Ponys schon wieder weg waren. Das ist offenbar aber nicht der einzige Grund für die Verzögerung. Nach TV-Informationen kam es in der Vergangenheit auch vor, dass die Anmeldung noch einige Tage in der Stadtverwaltung liegen blieb, bevor sie an das Veterinäramt weitergeleitet wurde.

Was sagen Sie? Ponykarussell - ja oder nein? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in Kürze mit Namen und Anschrift an echo@volksfreund.de
Hintergrund: Der Stadtrat und die Petition

Da sich die Petition "Volksfest Trier. Petition zur Abschaffung des Ponykarussells" auf der Onlineplattform change.org an den Stadtrat richtet, wird sich zunächst der städtische Steuerungsausschuss damit befassen. Petra Kewes, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Rat, bezeichnet die Petition als "wichtiges Signal", da sie ein Thema aufgreife, das angesichts der bislang 3000 Unterstützer offenbar viele Menschen bewege.
Die Grünen selbst wollen zudem schon seit längerer Zeit ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen auf städtischem Boden durchsetzen. Zuletzt hatten sie ihren Antrag im Dezember 2015 zurückgezogen, weil sich abzeichnete, dass er in dieser Form keine Mehrheit finden würde. Laut Kewes wollen die Grünen in diesem Jahr einen erneuten Anlauf mit einem modifizierten Vorschlag machen. Derzeit stehe man deshalb in Gesprächen mit der Tierschutzorganisation Peta und dem Tierschutzverein.

Der Stadtrat könnte im Fall des Ponykarussells ein Verbot solcher Betriebe auf städtischen Grundstücken, wie das Messeparkgelände eines ist, durchsetzen. Nicht verbieten kann er Ponykarussells auf privatem Gelände - das wäre eine Sache der Bundesgesetzgebung.
Contra-Kommentar: Verbote, Verbote, Verbote

Von Damian Schwickerath
Irgendeiner sieht irgendwo irgendetwas, das ihm nicht passt. Er geht auf facebook, postet die vermeintliche Ungeheuerlichkeit, und schon geht sie ab, die öffentliche Erregungsrakete. So einfach ist angebliche Demokratie heute. Für eine Petition, über die dann der Trierer Stadtrat hirnen muss, reicht das allemal. Denn natürlich finden sich im Internet immer Verbündete, die die Welt so sehen, wie sie einem selber gefällt. Also kann das doch nicht falsch sein. Was ist denn wirklich passiert auf der Kirmes? Kinder reiten mit dem Segen des Veterinäramtes auf Ponys im Kreis herum. Die Tiere werden nicht geschlagen oder sonst wie gequält, bekommen regelmäßige Pausen, Wasser und Heu, sagt jedenfalls der Veranstalter, und das Gegenteil ist ihm nicht nachzuweisen. Was ist daran verwerflich? Warum nur ist es in diesem Land mittlerweile fast zum Volkssport geworden, für fast alle Bereiche des Lebens nach immer neuen Verboten zu schreien?
d.schwickerath@volksfreund.dePro-Verbot: Eine Kirmes ist kein Ponyhof


Von Rebecca Schaal
Kinder reiten in einem Rundlauf auf Ponys, nebenan bedient ein Mann eine Drehorgel, während sich Jahrmarktbesucher ein paar Meter weiter beim Dosenwerfen oder Hau den Lukas messen. Was diese Dinge gemeinsam haben? Sie sind Relikte vergangener Zeiten - oder sollten es im Fall der Kirmes-Ponys zumindest sein. Heutzutage sollen die Fahrgeschäfte immer größer, schneller, lauter und adrenalinversprechender sein - der Kunde will es so. Daneben muss es keine Attraktionen mit Lebewesen geben, damit ein Volksfest Gäste anzieht. Es ist wichtig, dass Kinder den Kontakt mit Tieren aus nächster Nähe erleben - und nicht etwa in der Grundschule noch glauben, dass Kühe lila sind. Es ist aber noch wichtiger, dass Kinder lernen, respektvoll mit Tieren umzugehen, und sie - so weit wie möglich - in natürlichem Umfeld wahrnehmen. Das tun sie am besten auf Wiesen und Weiden, auf Bauern- und Pferdehöfen. Ponykarussells auf Volksfesten sollten deshalb verboten werden.
r.schaal@volksfreund.de