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Infrastruktur
Die Not mit der Notdurft

Weitere öffentliche Toilettenanlagen in Trier gibt es am Georg-Schmitt-Platz und am Nells-Park. Sie sind ebenso wie die öffentliche Toilette in der Kyllstraße in Ehrang aus Platzgründen nicht auf der Grafik abgebildet.
Weitere öffentliche Toilettenanlagen in Trier gibt es am Georg-Schmitt-Platz und am Nells-Park. Sie sind ebenso wie die öffentliche Toilette in der Kyllstraße in Ehrang aus Platzgründen nicht auf der Grafik abgebildet. FOTO: TV / Lambrecht, Jana
Trier. Wer am Weinstand auf dem Hauptmarkt einen Schoppen oder auch zwei pichelt, verspürt irgendwann ein menschliches Bedürfnis. Doch wo kann man sich erleichtern? Das ist in der City nicht gerade leicht. Von Verona Kerl
Verona Kerl

Nichts kann manchmal mehr pressieren als die Suche nach einer Toilette. Egal, ob einen der Drang nun in der Trierer Innenstadt, Amsterdam oder Zürich ereilt. Einheimische kennen die Orte, die sie aufsuchen müssen, doch Touristen irren bisweilen durch die City der ältesten Stadt Deutschlands auf der Suche nach Erleichterung. Eine Bestandsaufnahme.

Besonders dicht ist das Netz öffentlicher Toiletten innerhalb des Alleenrings nicht gerade: Neben der Anlage auf dem Hauptmarkt sind weitere neben dem Kiosk am Palastgarten, an der Weberbach und auf dem Simeonstiftsplatz zu finden – und in einem größeren Radius an der Thebäerstraße/Kapelle am Friedhof und in der Aulstraße am Friedhofseingang von St. Mattheis.

TV-Leser Horst Schu aus Langsur ärgert das. Er besucht den Weinstand auf dem Hauptmarkt gerne und regelmäßig und klagt: „Von Gästen wird man immer wieder gefragt, wo man denn eine Toilette aufsuchen könne, wenn die auf dem Hauptmarkt geschlossen sei.“ Tatsächlich macht die Reinigungskraft dort um 20 Uhr Feierabend. Der Weinstand allerdings ist bis 22 Uhr geöffnet. Wohin dann mit seinem Bedürfnis? Alexander Schumitz, Sprecher der Trier Tourismus und Marketing GmbH, die den Weinstand organisiert, sagt: „Es gibt eine Absprache mit McDonalds, dass die Gäste des Weinstandes die Toiletten der Filiale am Hauptmarkt nutzen dürfen, wenn die öffentliche Anlage geschlossen ist. Dort gibt es auch eine Toilette, die von Menschen mit Handicap genutzt werden kann.“

Horst Schu weiß, dass einige in ihrer Not ins Schnellrestaurant oder in eins der umliegenden Restaurants flitzen. Doch: „In manchen Lokalen wird man abgewiesen, und die Zeit drängt, bis es bei manchem zu spät ist und Verärgerung aufkommt. Die Winzer zahlen einen nicht unerheblichen Pachtzins für den Weinstand, so dass die Stadt in der Pflicht steht.“

Die drei Männer, die sich regelmäßig zu ihrem Feierabendwein treffen, sehen das Problem gelassen. „Was soll die Stadt denn machen? Soll sie etwa Dixie-Klos aufstellen? Wir wissen, wo wir in dem Fall hingehen können.“ Touristen seien abends eh nicht mehr da. Die gingen um diese Zeit essen. Dennoch, betonen sie, werde in Trier für den Tourismus grundsätzlich zu wenig getan. Das Umfeld der Porta sei eine Katastrophe, kritisieren sie. Es sei zu viel Müll auf der Straße, Ständer und Passantenstopper auf der Simeonstraße untragbar. „Man könnte aber auch mal über den fehlenden Mülleimer hier am Weinstand reden“, schimpfen sie, wollen aber gleichzeitig ihren Namen nicht in der Zeitung lesen.

Eine konkrete Verbesserungsmaßnahme in Sachen stilles Örtchen schlägt ein Paar vor, das ebenfalls gerne seinen Schoppen am Weinstand trinkt. „Es gibt hier überhaupt keinen Hinweis, wohin man gehen kann.“ Ansonsten aber, finden die beiden, solle man sich die positive Tatsache, dass es diesen Weinstand gebe, nicht vermiesen lassen.

Erstes Fazit der Trierer Toiletten-Analyse: Eine optimale Lösung für alle scheint es nicht zu geben. Oder doch? Die Tatsache, dass es nur wenige öffentliche Anlagen gibt, ist kein Problem, mit dem nur die Stadt Trier zu kämpfen hat. In vielen deutschen Innenstädten gibt es zu wenig davon. Neue Klos bedeuten hohe Investitionen sowie teure Pflege und Wartung. Ein cityweites Netzwerk fehlt meist, doch durch die angespannte finanzielle Situation vieler Kommunen ist mit einer Verbesserung der Lage nicht wirklich zu rechnen.

Eine clevere Lösung hat die Stadt Aalen in Baden-Württemberg für dieses Dilemma gefunden. Sie heißt: Nette Toilette. Die Stadt unterstützt Gastronomen finanziell bei der Pflege ihrer Toiletten. Der Gastronom wiederum befestigt einen Aufkleber an seinem Eingangsbereich, auf dem steht, dass in der Gaststätte die Toilette umsonst benutzt werden kann. Mittels Piktogramm wird angezeigt, ob Wickeltisch und Behindertenklo vorhanden sind. Mittlerweile gibt es die „Nette Toilette“ bundesweit in mehr als 250 Städten und Gemeinden, auch in Gerolstein (Vulkaneifel) und Wittlich (Bernkastel-Wittlich). Warum nicht in Trier? Stadtsprecher Ralph Kießling sagt dazu auf Anfrage des TV: „Dadurch, dass die Stadtwerke die Toiletten in den Parkhäusern allen zur Verfügung stellen und auch die Toilette am Hauptmarkt in Betrieb ist, sind ausreichend Toiletten vorhanden. Aufgrund der vielen Alternativangebote wurde das Konzept ,nette Toilette’ in Trier vorerst nicht umgesetzt.“

Eine Liste aller öffentlichter Toiletten in Trier mit Verknüpfung zum Stadtplan gibt es im Internet unter www.trier-info.de/toiletten-in-trier Liebe Leserinnen und Leser, was sind Ihre Erfahrungen mit öffentlichen Toiletten? Schreiben Sie uns an echo@volksfreund.de. Name und Anschrift sowie eine Telefonnummer für Rückfragen nicht vergessen.

Der Weinstand auf dem Hauptmarkt mit der öffentlichen Toilette.
Der Weinstand auf dem Hauptmarkt mit der öffentlichen Toilette. FOTO: Friedemann Vetter