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Trauer um "guten Geist"

Wolfgang Binsfeld.Foto: Thomas Zühmer, Landesmuseum
Wolfgang Binsfeld.Foto: Thomas Zühmer, Landesmuseum
Trier. Im Alter von 82 Jahren ist der renommierte Trierer Archäologe und langjährige Vize-Direktor des Rheinischen Landesmuseums, Professor Dr. Wolfgang Binsfeld, gestorben.

Trier. Trenchcoat, Zigarette, spezieller Humor: Wer ihn nicht kannte, auf den wirkte Wolfgang Binsfeld wie eine Art "Inspector Columbo". Tatsächlich verfügte er über einen nahezu kriminalistischen Spürsinn. Aber Binsfeld war Archäologe und Altertums-Forscher, und zwar einer der bedeutendsten, die in Trier gewirkt haben. Für ihn waren Beruf und die Römerstadt Berufung.
Geboren in Essen, aufgewachsen in Neuss, kam er im Studium erstmals mit dem Trierer Landesmuseum in Kontakt. Eine prägende Begegnung, denn nach der Promotion 1955 in Köln und beruflichen Stationen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz sowie am Römisch-Germanischen Museum in Köln heuerte Binsfeld 1965 an der Ostallee (die heute in Höhe des Museums Weimarer Allee heißt) an. Das Angebot der im Landesmuseum frei gewordenen Oberkustos-Stelle hatte ihn mitten in der Wüste bei Ausgrabungen im frühchristlichen Pilgerzentrum Abu Mena (Ägypten) erreicht. Binsfeld nahm dankend an und blieb seiner Wahlheimat treu. Selbst den Chefposten am Römisch-Germanischen Museum in Köln, der ihm 1971 offeriert wurde, lehnte er zugunsten seiner Arbeit in Trier ab. Dort avancierte er zum Hauptkustos und Vize-Direktor (1973 bis zur Pensionierung 1992). Ab dem Wintersemester 1977/78 übernahm er an der Uni Trier einen Lehrauftrag in Provinzialrömischer und Klassischer Archäologie; 1979 folgte die Ernennung zum Honorarprofessor.
Binsfeld leitete mehrere bedeutende Grabungen, war maßgeblich an der Ausstellung zu Triers 2000-Jahr-Feier (1984) beteiligt und trat als eifriger Schreiber in Erscheinung. Seine Bibliographie umfasst rund 250 Titel. Neben seinen fachlichen Fähigkeiten als "kompletter Archäologe" (Ausgräber, Interpret, Numismatiker und Epigraphiker) wurden seine herausragenden charakterlichen Eigenschaften geschätzt. "Hilfsbereit, akkurat, pünktlich und ein Pfundskerl", charakterisierte einst Landesmuseums-Chef Heinz Cüppers (1929 bis 2005) seinen langjährigen Wegbegleiter, dessen Größe auch in persönlicher Bescheidenheit zum Ausdruck kam.
Im Museum galt Wolfgang Binsfeld als "guter Geist" und "lebendes Inventar". Zur Freude des Personals war er regelmäßiger Besucher der Bibliothek und nie um ein "Histörchen" verlegen - bis er Anfang des Jahres schwer erkrankte.
Das Sterbeamt ist am Montag, 30. Mai, 10 Uhr, in St. Gangolf; anschließend Beerdigung auf dem Hauptfriedhof (Eingang Hospitalsmühle). rm.