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Freizeit
17 Mal zu Fuß durch Trier - Der neue Reiseführer ist da

Die Steipe, das aus dem 15. Jahrhundert stammende Fest- und Empfangshaus der Trierer Ratsherren, ist eine Station der Mittelaltertour im Buch „Trier zu Fuß“.
Die Steipe, das aus dem 15. Jahrhundert stammende Fest- und Empfangshaus der Trierer Ratsherren, ist eine Station der Mittelaltertour im Buch „Trier zu Fuß“. FOTO: Roland Morgen
Trier. Unterwegs auf den Spuren von Karl Marx, im Weißhauswald oder zu den Relikten des Mittelalters: Eine Neuauflage des Stadtführers „Trier zu Fuß“ nimmt die Nutzer mit auf 17 Touren, die auch Einheimischen spannende Einblicke bieten. red

Die vielen römischen Denkmälern und Weltkulturerbestätten sind ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt Trier, das jährlich viele Tausende Touristen anlockt. Dass die Moselmetropole auch abseits dieser bedeutenden Sehenswürdigkeiten einiges zu bieten hat, darauf wollen die Autoren des Stadtführers „Trier zu Fuß“ den Blick lenken. Verona Kerl und Roland Morgen, beide TV-Redakteure, haben in einer Neuauflage des 2009 erstmals im Leinpfad Verlag erschienenen Werks 17 Spaziergänge durch die Stadt mit aktuellem Foto- und Kartenmaterial überarbeitet und auch die Serviceinformationen für die Leser aktualisiert.

Die Touren führen beispielsweise in das mittelalterliche und das jüdische Trier, zu sieben Kirchen und Klöstern, zu den Spuren von Karl Marx oder auf den Weinkulturpfad oberhalb des Weinstadtteils Olewig. Andere Spaziergänge haben den Petrisberg, den Markusberg oder den Weißhauswald zum Ziel. Es gibt auch Strecken entlang von acht Trierer Brunnen. Wieder andere stellen Trier als Museumsstadt vor, lenken das Augenmerk auf das Thema Stadt am Fluss oder führen in Parks und Gärten.

Dabei werden besonders interessante Themen in sechs kurzen Einführungskapiteln beleuchtet. Diese Info-Kapitel gibt es zu den Römern, zum mittelalterlichen und zum jüdischen Trier, zu den Themen „Trier und der Wein“, Trierer Dialekt („Alles quant!“) und Essen & Trinken in Trier („Viez – was denn sonst?“). Zwei Touren zeigen außerdem Sehens- und Erlebenswertes speziell für Kinder und Jugendliche.

Eine originelle Tour gibt es für alle Fotografen und Hobbyknipser zu den Sonnenseiten der Sehenswürdigkeiten. Sie erklärt, zu welcher Tageszeit sich welches Denkmal von wo aus am besten fotografieren lässt.

Für die 3. Auflage ihres Stadtführers haben die Autoren alle Infokästen, Veranstaltungs- und Einkehrtipps geprüft und auf den neuesten Stand gebracht. Fotos und Karten wurden aktualisiert. Trier zu Fuß bietet neben 163 Fotos, 19 Karten und einer Übersichtskarte viel Service für die Leser: genau bezeichnete Ausgangspunkte, Anfahrten mit PKW und öffentlichen Verkehrsmitteln, Angaben zu Länge und Dauer der Touren, zu Öffnungszeiten und Eintritten.

Eine Beispieltour: „Dem Mittelalter auf der Spur“

Der Spaziergang durchs mittelalterliche Trier hat neun Stationen: Augustinerkirche, Merowingermauer, Irminenfreihof, die Stadtmauer-Reste (im Schießgraben, Nordallee), Simeonstift, Dreikönigenhaus, Helenen-Mauer, Hauptmarkt und Frankenturm.

Los geht es auf dem Augustinerhof. Das älteste Gebäude in einem Sammelsurium unterschiedlichster Architekturstile (1962/64 erbautes Stadttheater, Rathaus-Hauptgebäude von 1722, Luftschutz-Hochbunker von 1943) ist der Chor (Altarraum) der im frühen 14. Jahrhundert errichteten Kirche des ehemaligen Augustinerklosters. Wo früher Mönche beteten, tagt heute der Stadtrat. Den Eingangsbereich ziert das um 1142 entstandene Tympanon-Relief des Neutores. Dieses mittelalterliche Stadttor stand bis 1877 an der heutigen Kreuzung Neustraße/Südallee/Kaiserstraße/Saarstraße.

Vorbei an der rund 550 Jahre alten Antoniuskirche führt der Weg nach links in die Johannisstraße und dann an der nächsten Kreuzung nach rechts. Die Windmühlenstraße ist eines der raren Überbleibsel des römischen Straßennetzes. Bis zur Kreuzung mit der Böhmerstraße verläuft parallel die Merowingermauer aus dem siebten Jahrhundert. Sie umgab den Hoheitsbezirk des Benediktinerinnen-Klosters St. Irminen.1805 schlug Napoleon den gesamten Kloster-Bering den Vereinigten Hospitien zu, einer Stiftung öffentlichen Rechts, in der seit 1798 die Trierer Hospitäler zusammengefasst waren.

Die Vereinigten Hospitien agieren auf geschichtsträchtigem Terrain: Um 330 entstanden dort zwei gigantische Getreidespeicher. Im frühen Mittelalter dienten sie zunächst als Königspfalz (für den Aufenthalt des reisenden Herrschers) und ab 640 als Frauenkloster. An den Heiligen Willibrord (658 – 739), angelsächsischer Missionar, erinnert eine 2007 aufgestellte Statue auf dem Irminenfreihof. Sie steht genau dort, wo Willibrord um 704 die alte Pauluskirche gründete.Der Weg führt weiter Richtung Moselufer und nach rechts zum Schießgraben: In dem, der mittelalterlichen Stadtmauer vorgelagerten Graben übten sich vom 15. bis 19. Jahrhundert die Trierer im Büchsenschießen.Weiter geht es an der Stadtmauer entlang und durch die Nordallee. Das nächste Etappenziel bietet auf einen Blick Bauwerke aus drei Jahrtausenden: Das Simeonstift aus der Mitte des 11. Jahrhunderts befindet sich zwischen der mehr als 1800 Jahre alten Porta Nigra und dem 2007 errichteten Anbau des Stadtmuseums. Diese Kombination geht auf den Einsiedler Simeon zurück, der sich 1030 in den Ostturm der alten römischen Torburg einmauern ließ. Sein Freund und Förderer Erzbischof Poppo erwirkte nach Simeons Tod (1035) bei Papst Benedikt IX. binnen sechs Monaten eine der ersten und zugleich schnellsten Heiligsprechungen in der Geschichte der römischen Kirche. Zum Gedenken an Simeon funktionierte Poppo die Porta Nigra zur Kirche um und bewahrte sie damit vor der Ausbeutung als Steinbruch. Gleich nebenan baute der Erzbischof das Stiftsgebäude, in dem das Personal der neuen Kultstätte lebte.

Die nächste Station befindet sich in der Simeonstraße, 100 Meter südlich der Porta Nigra. Das Dreikönigenhaus aus dem frühen 13. Jahrhundert verkörpert die Weiterentwicklung der wehrhaften Wohntürme. Der Haupteingang befindet sich im ersten Obergeschoss – zu erreichen über eine Holzstiege.

Durch die Glockenstraße links geht es zur Kurie „Zur Eiche“ an der Ecke Sieh um Dich/Rindertanzplatz. Sie steht auf einem Teilstück der ersten mittelalterlichen Stadtbefestigung Triers. Die sogenannte Helenen-Mauer umgab ab dem frühen 10. Jahrhundert den neun Hektar großen Dombering und besteht aus „Recycling-Material“: ohne Mörtel aufeinander geschichtete Quader aus römischer Herstellung; das Ganze so solide, dass die Domgeistlichen-Behausung später draufgebaut werden konnte.

Über Domfreihof und Sternstraße geht es zum Hauptmarkt. Um den 958 von Erzbischof Heinrich angelegten Platz mit dem Marktkreuz als Hoheitszeichen entstand die neue Stadt – auferstanden aus römischen Ruinen. Die Stile-Vielfalt der Häuser ringsum und die zentrale Lage machen den Hauptmarkt zu einem der schönsten Plätze Deutschlands.

Die Tour endet am Frankenturm, dem 900 Jahre alten romanischen Wohnturm. Ein Teil des obersten Stockwerks und der Zinnenkranz wurden erst 1938 wiedererrichtet. Der „Mittelalter-Wolkenkratzer“, dem Franco von Senheim (Bewohner im 14. Jahrhundert) seinen Namen gab, ist heute Schauplatz kleinerer Konzerte, Lesungen, Erlebnisführungen und privater Feiern.

Drei Jahrtausende Baugeschichte auf einen Blick: die römische Porta Nigra hinter dem Simeonstift und dem Museumsanbau von 2007.
Drei Jahrtausende Baugeschichte auf einen Blick: die römische Porta Nigra hinter dem Simeonstift und dem Museumsanbau von 2007. FOTO: Roland Morgen
Ein Überbleibsel aus dem frühen Mittelalter ist die Merowingermauer an der Windmühlenstraße.
Ein Überbleibsel aus dem frühen Mittelalter ist die Merowingermauer an der Windmühlenstraße. FOTO: Roland Morgen
Im Stadtführer "Trier zu Fuß" zeigen Karten den Verlauf der einzelnen Touren wie hier zum Thema Mittelalter.
Im Stadtführer "Trier zu Fuß" zeigen Karten den Verlauf der einzelnen Touren wie hier zum Thema Mittelalter. FOTO: Leinpfad Verlag