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Stadtentwicklung
Trierer Moselstrand: Die Minen sind weg, jetzt kommen die Traktoren

Der Hang zum Moselufer in Trier-Nord wird in ebene Terrassenstufen umgewandelt. Dafür müssen Tausende Kubikmeter Erde weg – die auf der Baustelle per Traktor geräumt und dann auf LKW verladen werden.
Der Hang zum Moselufer in Trier-Nord wird in ebene Terrassenstufen umgewandelt. Dafür müssen Tausende Kubikmeter Erde weg – die auf der Baustelle per Traktor geräumt und dann auf LKW verladen werden. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Nachdem das Erdreich von übrig gebliebenen Sprengkörpern aus dem Zweiten Weltkrieg befreit wurde, beginnt nun der Abtransport des übrigen Bodens – mit bis zu zehn Lasterfahrten pro Stunde. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Die Befürchtung, das Moselufer in Trier-Nord könnte ein Minenfeld sein, hat sich nicht bewahrheitet: Zwar wurden mit dem Spezialbagger, der auf dem Moselvorland zwischen Jugendherberge und Nordbad eingesetzt war, gleich in den ersten Tagen fünf Panzerminen ausgegraben. Die vier weiteren Wochen, in denen der Hang untersucht wurde, brachten aber keine weiteren Sprengkörper zu Tage, wie die Stadtverwaltung auf TV-Nachfrage mitgeteilt hat.

Dabei hatte die Suche spektakulär begonnen: Die erste Panzermine war am Freitag, 6. Juli, bei den ganz normalen Vorbereitungsarbeiten zur Umgestaltung des Moselufers (siehe Info) von einem Baggerfahrer zufällig freigelegt worden. Als die Arbeiter am Montag darauf die Erdschicht über einer zweiten Mine wegkratzten, verhängte die Stadt einen sofortigen Baustopp.

An beiden Sprengkörpern fehlte zwar der Zünder. Durch einen gezielten, festen Schlag hätten die Minen, die im Zweiten Weltkrieg Panzer zerstören sollten, allerdings durchaus noch explodieren können, wie ein Experte des Kampfmittelräumdienstes damals erläutere (der TV berichtete).

Mit Metalldetektoren ließ die Stadt daher den kompletten Uferabschnitt absuchen. Prompt wurden 321 „relevante Störpunkte“ entdeckt: nicht identifizierte, größere Metallteile in einer Tiefe von 20 bis 60 Zentimetern unter der Erdoberfläche. Die Befürchtung: Das komplette, rund 600 Meter lange Baustelle entlang der Mosel könnte mit weiteren Minen oder anderen Sprengwaffen gespickt sein. Etwa durch die amerikanischen Truppen, die im Frühjahr 1945 von Kürenz entlang der Mosel in die Innenstadt vorrückten und zum Schutz vor den Deutschen möglicherweise dort Minenbänder verlegten.

Zur Freilegung der mehr als 300 „Störpunkte“ wurde besagter Spezialbagger geordert. Auch die fünf Minen, die dessen Fahrer gleich in den ersten Einsatztagen freilegte, hatten ebenfalls alle keinen Zünder mehr. „Die übrigen Verdachtsstellen erwiesen sich ausnahmslos als metallischer Zivilisationsmüll“, erläutert Michael Schmitz, Pressesprecher der Trierer Stadtverwaltung. Keine verbuddelten Fahrräder, keine zugeschlammten Autos. „Größere Objekte wurden nicht gefunden“, bestätigt Schmitz. Und Funde von „archäologischer Relevanz“ seien ebenfalls nicht zutage gekommen.

Die Baustelle am Moselufer in Trier-Nord dürfte in den nächsten Wochen trotzdem weiter Aufsehen erregen. Denn nach Aufhebung des Baustopps haben dort die Bauarbeiten wieder begonnen. In den nächsten Tagen beginnt der Abtransport von rund 35 000 Kubikmetern Erde – das sind etwa 250 000 durchschnittliche Badewannen voll. Nötig ist das, weil die Hangwiese in mehrere ebene Terrassenabschnitte umgeformt werden soll. Außerdem wird neben dem Flussbett ein etwa 250 Meter langer, etwa zehn Meter breiter und ein bis zwei Meter tiefer Seitenarm ausgehoben, um der Mosel bei Hochwasser zusätzlichen Platz zu geben und neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Das Erdreich wird per LKW abtransportiert – und zwar von vielen: Bis Ende November verlassen an den Werktagen, an denen auf dem Areal gearbeitet wird, vier bis fünf vollgeladene Kipplaster pro Stunde die Baustelle. Beladen werden die LKW auf der Wiese, die schräg gegenüber dem Parkplatz am Nordbad liegt. Von dort fahren die Laster die kleine Stichstraße am Ex-Haus-Parkplatz entlang zur Zurmaiener Straße und von dort in Richtung Konz. Die entladenen LKW kommen zurück über die Zurmaiener Straße, wenden am Verteilerkreis und fahren dann wieder zurück zur Baustelle. Der Abtransport der 35 000 Kubikmeter Erde soll so bis Ende November gestemmt sein.

Für die direkten Anwohner dieses Abschnitts der Zurmaiener Straße wird der viele LKW-Verkehr – pro Werktag dürften es bei acht Arbeitsstunden immerhin bis zu 80 LKW-Fahrten am Tag sein – eine Belastung sein. In Relation zur üblichen Verkehrsbelastung der Zurmainer Straße, über die pro Tag immerhin insgesamt etwa 40 000 Fahrzeuge rollen, nimmt sich der zeitlich begrenzte zusätzliche LKW-Verkehr dagegen nicht ganz so außerordentlich aus.