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Nachruf
Ein leidenschaftlicher Kämpfer: Karl-Josef Gilles stirbt mit 68 Jahren

FOTO: roland morgen (rm.)
Trier. Der Landesmuseums-Archäologe und Filscher Ortsvorsteher Karl-Josef Gilles ist tot. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Er war Archäologe, Buchautor, streitbarer Stadtrat und leidenschaftlicher Kämpfer für „seinen“ Stadtteil Filsch: Dr. Karl-Josef Gilles ist am vergangenen Samstag im Alter von 68 Jahren gestorben.

Der profilierte Kommunalpolitiker war weit über die Grenzen Triers hinaus bekannt: Seit 1978 hatte Gilles als Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Trier etliche archäologische Grabungen in der Region geleitet. Befestigungen, Villen und Weinkelter traten dabei zutage – und verhalfen Moselorten wie Pies­­­port, Erden oder Graach zu größerer Bekanntheit.

Auch dass der 1993 von Hobbygräbern in der Trierer Feldstraße gefundene Goldschatz mit mehr als 2600 Münzen nahezu vollständig dem Landesmuseum zugeschlagen wurde, ist dem promovierten Wissenschaftler mit zu verdanken.

2015 verabschiedete das Landesmuseum seinen Chef-Archäologen für die Themen Landesarchäologie und Numismatik (Münzkunde) in den Ruhestand. Das Museum widmete ihm eine 470 Seiten starke Festschrift mit dem Titel „Trierer Zeitschrift. Archäologie und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete“.

Immerhin hat Gilles knapp 400 Bücher, Führer, Aufsätze und Katalogbeiträge verfasst. In seinem wohl bekanntesten – und populärsten – Werk widmete sich der Historiker allerdings nicht der Antike, sondern unter dem Titel „Die Moseltalbahn – das Saufbähnchen“ der legendären Bimmelbahn, die bis 1962 zwischen Trier und Bullay verkehrte.

Mit Leidenschaft setzte Gilles sich auch für seinen Stadtteil Filsch ein. Obwohl Filsch lange Zeit mit weniger als 1000 Einwohnern der kleinste Ortsbezirk von Trier war (2016 übernahm Kernscheid diesen Rang), galt dem Höhenstadtteil vor allem durch den unermüdlichen Einsatz seines langjährigen Ortsvorstehers häufig die öffentliche Aufmerksamkeit.

1999 übernahm Gilles den Chefsessel im Filscher Ortsbeirat – und blieb bis zu seinem Tod der einzige Trierer Ortsvorsteher, den die Trierer FDP bis dato stellte.

Von 2004 bis 2014 vertrat der Familienvater die Freidemokraten zusätzlich im Trierer Stadtrat, ab 2010 als Fraktionsvorsitzender. „Herr Gilles wurde für seine engagierte Arbeit als Ortsvorsteher und Stadtrat sehr geschätzt“, sagt Tobias Schneider, Kreisvorsitzender der Trierer FDP. Besonders für die Verkehrspolitik und für die Stärkung der Ortsbeiräte habe Gilles stets gebrannt. „Er war ein fairer Mitstreiter, immer an der Sache orientiert und nie dogmatisch“, sagt Schneider über seinen ehemaligen Stadtratskollegen und Parteifreund. In schwierigen Situationen – die es durchaus auch gegeben habe – sei der Filscher letztlich immer zu Kompromissen bereit gewesen. „Sein Tod ist ein großer Verlust – nicht nur menschlich, sondern auch für die FDP“, sagt Schneider.

Vor gut einem Jahr schrieb Karl-Josef Gilles für den Volksfreund auf, was er sich für seinen Stadtteil wünsche und über welche Fortschritte er sich freute: Den Ausbau der Kulturscheune als Versammlungsort für die Filscher, die städtischen Pläne für den Neubau einer Kindertagesstätte und die Erweiterung des Stadtteils durch das neue Baugebiet gehörten dazu. Dort entsteht unter anderem ein großer Sozialbau mit 42 Wohnungen. Anfängliche Kritik an der Wohnanlage, die die Stadt auch für die Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen hat, wies Gilles scharf zurück: „Filsch freut sich über das Wohnprojekt!“, betonte er bei einer Bürgerversammlung im Sommer 2017.

Den Einzug der neuen Filscher und das Wachsen „seines“ Stadtteils kann Karl-Josef Gilles, der Ehefrau und zwei erwachsene Kinder hinterlässt, nun nicht mehr miterleben.