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Weiteres Gutachten zu Globus in Trier
„Kannibalismus im Einzelhandel“

 Der Real in Trier-Zewen plant eine Generalsanierung – inklusive Verbesserung des Sortiments. Auch deswegen sei die Ansiedlung eines Globus-Markts mit ähnlichem Angebot nicht sinnvoll – besagt zumindest ein neues Gutachten.
Der Real in Trier-Zewen plant eine Generalsanierung – inklusive Verbesserung des Sortiments. Auch deswegen sei die Ansiedlung eines Globus-Markts mit ähnlichem Angebot nicht sinnvoll – besagt zumindest ein neues Gutachten. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Kommt der Globus, sind die kleinen Lebensmittelläden in den umliegenden Stadtteilen in Gefahr: Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das der Handelsverband Region Trier in Auftrag gegeben hat. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Ein neuer Globus in der Niederkircher Straße in Trier-Euren würde die kleineren Lebensmittelläden in der Umgebung „auffressen“. Und weil zum riesigen Globus-Vorhaben auch eine sogenannte Mall mit beispielsweise Bäcker, Optiker oder Apotheke gehören, könnte der Handelsriese auch anderen nahegelegenen Geschäften den Garaus machen. Das haben zumindest die Untersuchungen des Hamburger Büros Dr. Lademann & Partner ergeben. Von „Kannibalismus im Einzelhandel“ sprach dessen geschäftsführende Gesellschafterin Sandra Emmerling denn auch bei der Präsentation des Gutachtens im Best Western Hotel in Trier. Der Verein Handelsverband Region Trier – hervorgegangen aus dem ehemaligen Einzelhandelsverband Trier – hatte die Expertise in Auftrag gegeben.

Emmerling untermauerte das Szenario ihres Gutachtens mit Zahlen.

Datenbasis Für seine Analyse hat das Fachbüro Hunderte Betriebe in Trier und Umgebung erfasst hinsichtlich Fläche und Umsatz. Bei der Globus-Ansiedlung ist das Büro von einer Gesamtverkaufsfläche von 10 400 Quadratmetern ausgegangen, davon 7200 für den sogenannten periodischen Bedarf – Lebensmittel und Drogerieartikel – und 3200 für den sogenannten zentrumsrelevanten (aperiodischen) Bedarf – Haushaltswaren, Spiel- und Sportbedarf, Schreibwaren, Schmuck, Textilien und Einrichtungszubehör. Zusätzlich wurde angenommen, dass der Globus rund 61,1 Millionen Euro pro Jahr umsetzen würde.

Das von Globus selbst in Auftrag gegebene Gutachten war von ähnlichen Werten ausgegangen (siehe Infobox).

Auswirkungen Nach der Ansiedlung eines Globusmarkts in Euren werde der Verkauf von Lebensmitteln und Drogerieartikeln in den umliegenden Geschäften zurückgehen. Und zwar im Edeka in Trier-West um 20,2 Prozent, im Netto in Euren um 10,5 Prozent, im Lidl, Aldi und Kaufland in Trier-West um 14,3 Prozent und im Real in Euren sogar um 23,2 Prozent. Auch die Einkaufscenter in Tarforst (minus 6,3 Prozent) und Castelnau (minus 7,5 Prozent) wären betroffen. „Zehn Prozent Umsatzumverteilung gelten als kritische Marke für die Beurteilung, ob eine Neuansiedlung verträglich ist mit dem bestehenden Einzelhandel“, erläutere Emmerling.

Trierer Innenstadt Die Lebensmittelläden im Citybereich müssten laut Gutachten mit einem Umsatzrückgang von durchschnittlich 11,6 Prozent rechnen. Das Minus für den Einzelhandel der City insgesamt – also inklusive zentrumsrelevanter Ware wie Haushaltstextilien, Bekleidung und Schuhe – läge laut Gutachten bei 2,3 Prozent.

Umland Für Lebensmittelmärkte im weiteren Umland wären die Globus-Folgen ebenfalls weniger gravierend: Kaufland, Edeka und Rewe in Konz müssten mit Umsatzeinbußen von 3 Prozent rechnen, Märkte im weiteren Einzugsbereich – etwa der Real in Kenn oder das Edeka-Center in Schweich mit 1,3 Prozent.

Luxemburg Ein neuer Globus würde zusätzliche Käufer aus dem Umland und Luxemburg anlocken. „Allerdings nicht in dem Maße, wie im von Globus in Auftrag gegebenen Gutachten angenommen“, prognostiziert Gutachterin Emmerling. Berücksichtigt werden müsse nämlich, dass in Luxemburg derzeit große neue Märkte entstehen, die luxemburgische Kunden in Zukunft an sich binden würden.

Arbeitsplätze/Gewerbesteuer Die Umsätze, die ein Globus zusätzlich zum aktuellen Betrieb in den Trierer Läden anziehen würde, sei nicht so groß, als dass in größerem Umfang mit neuen, zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet werden könne. Der Wettbewerbsdruck und das mögliche Aus für andere Märkte würden zudem „keine steigenden Gewerbesteuereinnahmen“ für die Stadt Trier bedeuten.

Pro-Argumente Generelle Vorteile sieht Gutachterin Emmerling durch die Globus-Ansiedlung nicht. Mit dem nahen Real und den Märkten in den Ortsbezirken sei die Versorgung gesichert, es bestehe kein Bedarf an zusätzlicher Einzelhandelsfläche. „Insbesondere, wenn der Real wie angekündigt investiert und sein neues, qualitativ stark verbessertes Frische-Markt-Konzept umsetzt, wäre dieses Angebot nahezu zu 100 Prozent deckungsgleich mit dem Angebot eines Globus-Markts – sowohl von der Sortimentsauswahl als auch von der Qualität der Fisch- und Fleischtheke“, betont Emmerling.