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Theater
Flucht ins Irrenhaus

Das Katz-Theater bringt Friedrich Dürrenmatts Klassiker „Die Physiker“ in einer ungewöhnlichen Inszenierung zur Aufführung.
Das Katz-Theater bringt Friedrich Dürrenmatts Klassiker „Die Physiker“ in einer ungewöhnlichen Inszenierung zur Aufführung. FOTO: Michael Thielen
Trier. Das Katz-Theater bringt Friedrich Dürrenmatts Klassiker „Die Physiker“ in einer ungewöhnlichen Inszenierung im kleinen Saal der Tufa zur Aufführung. Von Michael Thielen

Wir befinden uns im recht exklusiven Sanatorium Les Cerisiers in der Schweiz. Drei ehemalige Physiker halten sich hier auf: Beutler, der sich als der Universalgelehrte Newton ausgibt, Ernesti, der sich für Einstein hält, und Möbius, der vorspielt, dass ihm der weise König Salomo erscheint. Das „Irrenhaus“ wird geleitet von der buckligen und offensichtlich verrückten Ärztin von Zahnd. Der geniale Physiker Möbius ist ins Irrenhaus geflüchtet, weil er glaubt, dort sei seine Weltformel sicher, mit der man die Welt beherrschen und zerstören könne. Doch dann spitzen sich die Vorgänge in der Anstalt zu.

Die Geheimdienste zweier Nationen sind auf den genialen Forscher Möbius aufmerksam geworden und wollen seine Formel für ihre Regierungen haben. Es ereignen sich mehrere Mordfälle, und der wahre Charakter der Anstaltsleiterin kommt zum Vorschein.

„Die schlimmstmögliche Wendung, die eine Geschichte nehmen kann, ist die Wendung in die Komödie!“ Und: „Der Moderne kommt nur die Groteske bei“, schreibt der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. Dies gilt insbesondere für sein 1962 uraufgeführtes Stück „Die Physiker“, das zu den am häufigsten gespielten Theaterstücken der letzten Jahrzehnte gehört und auch in Schulen oft zum Lektürekanon gehört. Schüler würden von den überdrehten, komödienhaften und grotesken Elementen des Dürrenmatt-Stückes sehr angesprochen, sagt Tanja Finnemann, Lehrerin für das Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ und Regisseurin, die das Stück in der Tufa mit dem Katz-Theater inszeniert. Gleichzeitig würden sie durch das Stück aber auch sensibilisiert für die Gefahren der derzeitigen politischen Weltlage und für den Frieden.

Finnemann möchte bei ihrer Inszenierung die anhaltende Aktualität des Stückes hervorheben. „Man kann jetzt diesen ganzen Wahnsinn mit Trump und Putin beobachten. Wir haben die Welt in die Hände von Verrückten gelegt. Das zu zeigen liegt mir wirklich am Herzen“, sagt sie. „Die Anstaltsleiterin von Zahnd verkörpert alle diese verrückten Herrscher.“ Finnemann unterstützt diese Aussage unter anderem mit Videoeinspielern und Standbildern, die das Geschehen auf der Bühne kommentieren.

Finnemann lässt aber auch die grotesken Elemente genüsslich aus­spielen. Die Figuren werden überzeichnet, sie sind grell geschminkt und auffallend kostümiert. Das Bühnenbild soll schrill sein und gleichzeitig Anstaltsflair hervorrufen. Die Requisiten sind teilweise aus Gummi oder Luftpolsterfolie, schreiend bunte Neonfarben herrschen vor, die Charaktere tragen Masken. Am Schluss des Stückes ist eingetreten, was Dürrenmatt als die „schlimmstmögliche Wendung“ bezeichnet.

Das Interesse an der neuen Inszenierung des Katz-Theaters ist schon jetzt so groß, dass einige Vorstellungen der „Physiker“ bereits ausverkauft sind. Es gibt nur noch für wenige Vorstellungen Karten.