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Trier
Kehrtwende in der Einzelhandelspolitik zeichnet sich ab

 Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (links) und TV-Chefredakteur Thomas Roth.
Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (links) und TV-Chefredakteur Thomas Roth. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Bislang waren großflächige Läden auf der grünen Wiese in Trier nicht gewünscht. Das soll sich nach dem Willen der Stadtverwaltung ändern. Der Stadtrat hat sich noch nicht mit dem Thema befasst. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Das Trierer Einzelhandelskonzept ist ein Zahlenwust: Akribisch ist aufgelistet, in wie vielen Geschäften und auf wie viel Verkaufsfläche welche Waren angeboten werden. Spielwaren, Möbel, Lebensmittel oder Wäsche zum Beispiel. Auch die Umsätze der einzelnen Warengruppen werden festgehalten. Alle drei Jahre erfolgt eine Überprüfung. 2018 war es wieder soweit: Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik hat die Daten zusammengetragen, mit der Vergangenheit verglichen – und Schlüsse daraus gezogen.

Wie sensibel diese Veränderungsvorschläge für die bisherige Einzelhandelspolitik sind, zeigt sich daran, dass der Konzeptentwurf – noch – streng geheim gehalten wird. Das Pressegespräch, bei dem der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, Prof. Johannes Weinand, zwei Mitarbeiterinnen seines Amts, ein externer Experte, Oberbürgermeister Wolfram Leibe und der zuständige Dezernent Thomas Schmitt am Mittwoch die Expertise vorstellten, war als „Hintergrundgespräch“ deklariert. Und aus Hintergrundgesprächen dürfen Journalisten nicht berichten.

Der Konzeptentwurf werde in dieser Woche erst den Fraktionen sowie den mit dem Einzelhandel verbundenen Einrichtungen und Verbänden zugestellt. Damit keine Befindlichkeiten gestört werden, seien die Details erst am Montag zur Veröffentlichung freigegeben, argumentierte Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Weil zumindest die wichtigsten Eckpunkte des Entwurfs allerdings ohnehin schon bei der Vorstellung des Globus-Gutachtens und des Gegengutachtens des Trierer Handelsverbands zur Sprache gekommen waren, hat die Stadt die Sperrfrist für diese Informationen aufgehoben:

Die Einzelhandelszentralität Triers ist in den vergangenen zwölf Jahren von 232 Punkten auf 188 Punkte gesunken. Das bedeutet, dass Kunden aus Trier und dem Umland deutlich weniger von dem Geld, das ihnen für Einkäufe zur Verfügung steht, in Trierer Geschäften ausgeben. Auf diese und weitere Erkenntnissen müsse ein „Strategiewechsel“ erfolgen, betonte Oberbürgermeister Leibe. Während im bis dato gültigen Trierer Einzelhandelskonzept die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel außerhalb der City nicht vorgesehen war, soll sich das im „Einzelhandelskonzept 2025+“ – das erst gültig wird, wenn der Stadtrat zustimmt – ändern. Die tatsächliche Ansiedlung solcher großflächigen Läden – dazu könnte beispielsweise der Sport-Discounter Decathlon gehören oder auch größere Reformartikelläden – werde allerdings weiterhin im Einzelfall geprüft, betonte Dezernent Schmitt.

Bislang herrschte im Stadtrat der politische Wille vor, keinen großflächigen Einzelhandel vor den Toren der City anzusiedeln. Grundsätzlich hätten solche Betriebe aber auch bislang schon die Möglichkeit gehabt, Ausnahmegenehmigungen bei der für Raumplanung zuständigen Landesbehörde SGD Nord zu beantragen, betonte Oberbürgermeister Leibe. Mit der expliziten Erwähnung solcher Sonderstandorte – die zum Beispiel in der Eurener Flur umgesetzt werden könnten – im Einzelhandelskonzeptentwurf gebe die Stadt nun aber ein „Bekenntnis“ dazu ab, solche Ansiedlungen aktiv akquirieren zu wollen, erklärte Amtsleiter Weinand.

Weitere Berichterstattung in der Montagausgabe.