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Infrastruktur
Trier: Neue Sporthalle mit schlechter Sicht

Bessere Zeiten: Hunderte Zuschauer verfolgten im Mai 1998 den Tischtennis-Deutschland-Cup in der Sporthalle am Mäuheckerweg. Beim Neubau der Halle soll die Tribüne dagegen auf einer hochgelegenen Galerie untergebracht werden - mit deutlich schlechteren Sichtverhältnissen.
Bessere Zeiten: Hunderte Zuschauer verfolgten im Mai 1998 den Tischtennis-Deutschland-Cup in der Sporthalle am Mäuheckerweg. Beim Neubau der Halle soll die Tribüne dagegen auf einer hochgelegenen Galerie untergebracht werden - mit deutlich schlechteren Sichtverhältnissen. FOTO: Fumetti eberhard von
Trier. Fehlkonstruktion: Die Tribüne der künftigen Sporthalle am Mäusheckerweg ist so geplant, dass Besuchern der Blick aufs Spielfeld versperrt ist. Baudezernent Ludwig will nachbessern. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Pässe, Angriffe, Täuschmanöver - alles spannend anzusehen beim Handball. Entscheidend sind allerdings die Tore. Dumm nur, dass ein großer Teil der Zuschauer in der geplanten neuen Sporthalle am Mäusheckerweg den Moment, wenn der Ball ins Netz fliegt, verpassen wird - zumindest, wenn es bei der jetzigen Planung des 10,2-Millionen-Euro-Baus bleibt.

Denn die Tribüne ist so konzipiert, dass ein großer Teil des Spielfelds - teilweise eben auch die Handballtore und die Dreierlinie des Basketballfelds - von den Besucherplätzen aus nicht eingesehen werden kann.

Herbert Schuhmacher, Trierer Vizepräsident des Handballverbands Rheinland, ist die Fehlplanung aufgefallen. Die Baupläne, die die Stadt kürzlich auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, ließen ihn stutzen. Der Diplom-Ingenieur machte sich daran, aufgrund der in den Architekturplänen angegebenen Maße die Sicht von den Zuschauerplätzen aufs Spielfeld zu berechnen. Ergebnis: Von der Tribüne aus lässt sich ein 5,10 Meter breiter Streifen des Handballspielfelds nicht einsehen. An den Stirnseiten der Halle liegen die Tore in diesem toten Winkel. Auch beim kleineren Basketballfeld fehlt den Besuchern der Blick auf einen immerhin noch 2,70 Meter breiten Randstreifen.

Die Tribüne der alten Mäusheckerhalle, die abgerissen werden soll, verlief von der unteren Spielfeldebene aus treppenförmig nach oben und bot von allen Plätzen einen freien Blick aufs Spielfeld. Beim Neubau der Halle sollen die Zuschauer dagegen auf einer erhöhten Galerie Platz nehmen, die auf etwa drei Metern Höhe an drei Seiten ums Spielfeld verläuft. Die erste Sitzstufe ist zusätzlich etwa 1,50 Meter von dem verglasten Geländer, das Zuschauer vorm Absturz aufs Spielfeld schützen soll, zurückversetzt.

„Nimmt ein Zuschauer auf dieser Sitzstufe Platz, ist sein Blickfeld durch die weite Entfernung vom Spielfeld und das Geländer samt Handlauf stark eingeschränkt. Der komplette Spielfeldrand liegt im toten Winkel“, erläutert Schuhmacher seine Berechnung. „Zuschauer werden sich über die schlechten Bedingungen ärgern und die Spiele nicht besuchen - so kann man einen Sport und Wettkampfbetrieb töten“, prognostiziert das Aufsichtsratsmitglied der MJC Trier.

Auch Wolfgang Esser, Chef der Arena Trier, ist unzufrieden: „So wie aktuell geplant, kann die Tribüne nicht gebaut werden, das steht fest“, sagt der legendäre Trierer Basketballtrainer. „Bei einer 10,2 Millionen Euro teuren Halle ist ein so stark reduziertes Blickfeld kein Kompromiss, den man eingehen darf.“

Das beauftragte Architekturbüro hatte die eingeschränkte Sicht gegenüber der Trierer Stadtverwaltung offenbar nicht thematisiert. Erst durch Schuhmacher und Esser wurde der  Stadtverwaltung das Problem bewusst. „Die Tribüne soll umgeplant werden“, räumt Rathaussprecher Michael Schmitz denn auch auf TV-Nachfrage ein. „Baudezernent Ludwig ist sich sicher, dass innerhalb der bestehenden Gebäudeplanung eine bessere Lösung für die Zuschauerplätze gefunden werden kann“, sagt Schmitz. Die Gespräche mit dem Architekturbüro liefen bereits. Auch die Stadtratsfraktionen seien informiert. Die notwendigen Korrekturen könnten in den Baubeschluss, den der Rat in seiner Sitzung am Mittwoch fassen soll, nachträglich aufgenommen werden, erläutert Ludwig.

Schuhmacher glaubt allerdings nicht, dass eine bloße Umplanung der Galerie-Tribüne ausreichend Abhilfe schafft. „Von einer Galerie aus wird die Sicht immer schlecht sein. In eine neu geplante, zehn Millionen Euro teure Sporthalle - auch wenn sie gleichzeitig als Veranstaltungshalle genutzt werden soll - gehört eine ausfahrbare Tribüne, die sich von der Spielfeldebene nach oben erhebt. So, wie es in der alten Mäusheckerhalle war, und so, wie es sie in der Halle am Wolfsberg ebenfalls gibt.“ Der Handballverband Rheinland fordere daher eine komplette Neuplanung. Denn für eine große, ausfahrbare Tribüne müssten die Geräteräume, die bislang unter der Galerie Platz finden sollen, verlegt werden. „Beauftragt man ein Architekturbüro, das sich mit Sportstättenplanung auskennt, wird das aber kein Problem sein“, prognostiziert Schuhmacher.

Die Halle nochmal von vorne zu planen, kommt für Baudezernent Ludwig allerdings nicht infrage. „Handball war für diese Halle nicht als Schwerpunkt gesetzt, es soll keine zweite Arena werden“, erklärt Ludwig dazu gegenüber dem TV. Vielmehr stehe die Mehrzwecknutzung im Mittelpunkt - als Sport- und als Veranstaltungsstätte. „Besonderen Wert haben wir dabei auf den Schulsport, auf den Basketball und im Speziellen die höchst mögliche Barrierefreiheit - wegen der Rollstuhlbasketballer der Dolphins - gelegt.“