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Stadtentwicklung
In Kürenz soll es mehr Wohnungen und kein Theater geben

Die Pläne haben sich geändert: Das Trierer Theater geht doch nicht ins Walzwerk in Kürenz.
Die Pläne haben sich geändert: Das Trierer Theater geht doch nicht ins Walzwerk in Kürenz. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Bei der Planung für das ehemalige Walzwerkgelände gibt es eine Kehrtwende. Ein Vorschlag ist vom Tisch, das neue Vorhaben wirft wegen der großen Dimension allerdings noch Fragen auf. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Von Christiane Wolff

Noch sei in Sachen Stadttheater gar nichts beschlossen: Das hatten Baudezernent Andreas Ludwig und Kulturdezernent Thomas Schmitt noch Anfang August im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund mehrfach betont. Eine Variante, das marode Haus zukunftsfähig zu machen, ist nun allerdings bereits gestorben: Aus einem möglichen Umzug auf das Gelände des ehemaligen Walzwerks in Kürenz wird nichts. „Die große, ehemalige Werkshalle, die ich für diese Option freigehalten habe, wird abgerissen“, hat Peter Adrian, Chef der Trierer Projektgesellschaft Triwo, dem TV kurz und bündig mitgeteilt hat – ohne weitere Gründe für seine Entscheidung zu nennen.

Die Triwo hatte das Walzwerkgelände im Frühjahr 2015 gekauft. Neben Wohnen und Gewerbe sollte eine Kulturhalle eines der Entwicklungsziele des neuen Quartiers sein. Bereits von Anfang an hatte Adrian davon gesprochen, die größte der alten Werkshallen so umzubauen, dass sie zum Theaterstandort werden könne. Konkrete Gespräche mit der Stadt habe es darüber bislang nicht gegeben, hatte Adrian im Gespräch mit dem TV vor wenigen Wochen moniert – und ein konkretes Angebot an die Stadtverwaltung gerichtet: Die Triwo könne die alte, riesige Werkshalle binnen zwölf Monaten komplett sanieren und so ausbauen, dass der komplette Theaterspielbetrieb und auch das Kulturzentrum Tufa darin Platz fänden. Die Stadt könne die Halle anschließend mieten.

Eine Dutzende Millionen Euro teure Investition in die Generalsanierung des Stadttheaters am Augustinerhof in der City wäre damit obsolet gewesen, genauso wie ein Neubau neben der Tufa. Ein solcher könnte – nach derzeitigen Überlegungen der Stadtverwaltung – zunächst als Interimsunterkunft für den Theaterspielbetrieb während der Sanierung dienen und später als Erweiterungsbühne für die Tufa.

Der Vorschlag von Adrian, stattdessen mit Theater und Tufa komplett auf das Walzwerkgelände umzuziehen, hatte die zuständigen Dezernenten Ludwig und Schmitt überrascht. Viel dazu sagen könnten sie nicht, erklärten sie gegenüber dem TV. „Die Triwo hat uns da noch kein konkreteres Konzept vorgestellt“, hatte Kulturdezernent Schmitt im Gespräch mit dem TV erklärt. Ganz grundsätzlich sei ein solcher Umzug allerdings nicht ausgeschlossen (der TV berichtete).

Nur gut einen Monat, nachdem Adrian seine Idee öffentlich vorgestellt hat, rudert er jetzt allerdings schon wieder zurück: Nach einem kurzen Gespräch mit Oberbürgermeister Wolfram Leibe und den beiden Dezernenten stehe für ihn nun fest: „Es wird keinen Theaterbetrieb auf dem Walzwerkgelände geben. Ich reiße die Halle ab.“

Der Stadtvorstand ist erneut überrascht: „Ja, wir haben auf dem Sommerfest der Industrie- und Handelskammer kurz mit Herrn Adrian gesprochen – ein ausführlicher Termin, um die Sache zu erörtern, stand aber noch aus“, sagt Kulturdezernent Schmitt und zuckt mit den Achseln. Auch Baudezernent Ludwig ist einigermaßen sprachlos: „Wirklich besprochen haben wir nichts – aber wenn Herr Adrian abreißen will, dann soll er das tun, es ist sein Gelände und seine Halle.“ Gibt es nicht noch eine Kehrtwende in der Sache, dürfte die Verlegung des Stadttheaters an eine andere Stelle der Kernstadt damit erledigt sein – neben dem Walzwerkgelände zeichnet sich kein anderes möglicherweise geeignetes Gelände ab.

Statt einer Kulturhalle will Peter Adrian nun den geplanten Wohnungsbau auf dem Ex-Industriegelände deutlich aufstocken: Hatte der Triwo-Chef bei der Präsentation der Entwicklungspläne im Kürenzer Ortsbeirat im Februar 2016 noch davon gesprochen „80 bis 100 Wohnungen“ auf dem Gelände bauen zu wollen, spricht er nun von insgesamt 30 000 Quadratmetern Netto-Wohnfläche.

Bei Wohnungen mit durchschnittlich 75 Quadratmetern wären das theoretisch 400 Wohneinheiten – eine für Trier ungewöhnlich hohe Zahl. Die Verwaltung überrascht Adrian damit erneut: Zwar sei der Bebauungsplan für das Areal noch nicht fertig, sagt Baudezernent Ludwig. „Aber so eine starke Wohnungsverdichtung kann ich mir dort beim besten Willen nicht vorstellen.“ Insbesondere die Verkehrssituation lasse das kaum zu: „Bis jetzt sehe ich keine Lösung, wie wir das Gelände für so viel zusätzlichen Verkehr erschließen könnten.“