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Kommunalpolitik
Brüderkrankenhaus-Chef will in den Trierer Stadtrat

Die ersten 30 Kandidaten der Liste des Kreisverbandes der CDU. Udo Köhler (erste Reihe, Fünfter von links), Birgit Falk (Dritte von rechts) und Markus Leineweber (Zweiter von rechts) sind die ersten drei Kandidaten.
Die ersten 30 Kandidaten der Liste des Kreisverbandes der CDU. Udo Köhler (erste Reihe, Fünfter von links), Birgit Falk (Dritte von rechts) und Markus Leineweber (Zweiter von rechts) sind die ersten drei Kandidaten. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Überraschung beim Parteitag der Trierer CDU: Markus Leineweber, Hausoberer des Brüderkrankenhauses, gehört zum Spitzentrio für die Kommunalwahl. Auf Platz 20 der Kandidatenliste kündigt sich ein Comeback an. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Erst vor gut einem Jahr ist Markus Leineweber in die CDU eingetreten. Im nächsten Trierer Stadtrat ist ihm ein Sitz so gut wie sicher. Die Parteibasis hat den 50-Jährigen bei ihrem Parteitag am Samstag im IAT-Tower in Trier-Nord auf Platz zwei ihrer Kandidatenliste für die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 gewählt.

Vorgeschlagen für diesen vorderen Platz hatte ihn der Kreisvorstand. Mit 82 Ja-Stimmen, zehn Nein-Stimmen und bei vier Enthaltungen sprachen die Christdemokraten Leineweber ihr Vertrauen aus.

Die schnelle Karriere dürfte Leineweber auch seiner großen Bekanntheit verdanken: Er ist nicht nur Vorsitzender des Direktoriums des Trierer Brüderkrankenhauses und damit Chef von 2600 Mitarbeitern, sondern auch ehrenamtlicher Vorsitzender des Caritasverbandes. „Die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und die zunehmende Polarisierung in Politik und Gesellschaft waren für mich der Grund, in die Politik zu gehen“, sagt der studierte Theologe.

Udo Köhler, aktueller Fraktionsvorsitzender der CDU im Trierer Stadtrat, holte als Spitzenkandidat auf Platz eins der Kandidatenliste 88 Ja-Stimmen und sechs Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen und damit rund 90,7 Prozent. Ein starkes Ergebnis für den 55-Jährigen, der in der laufenden Stadtratsperiode wegen seines manchmal unentschlossen wirkenden Agierens in Partei und Fraktion häufiger in der Kritik stand.

Beim Parteitag hielt der Architekt eine engagierte und sichere Rede. „Wir konnten als stärkste Fraktion im Stadtrat wichtige Weichen stellen in den letzten vier Jahren. Wir haben mit Andreas Ludwig das Baudezernat neu besetzt, unsere Turnhallen werden saniert, erstmals gibt es einen Zehnjahresplan für die koordinierte Sanierung von Straßen, Rad- und Fußwegen. Und unter unserem neuen Kulturdezernenten Thomas Schmitt schreibt das Theater erstmals kein Minus“, schrieb Köhler die Leistungen der beiden CDU-Dezernenten mit auf die Fahne seiner Fraktion.

Seitens der CDU sei außerdem klar, dass die Ansiedlung eines großen Globus-Marktes bei Euren nur machbar sei, „wenn sichergestellt ist, dass die Attraktivität der Innenstadt und deren Aufenthaltsqualität darunter nicht leidet“, rief Köhler – ein Bekenntnis zum aktuellen Einzelhandelskonzept der Stadt, das bei Märkten auf der grünen Wiese die Verkaufsfläche für Waren, die vorrangig in der Innenstadt verkauft werden, klar beschränkt.

Birgit Falk komplettiert das Spitzentrio der Kandidatenliste. Mit 88 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und bei einer Enthaltung (91,6 Prozent) besiegelte die Parteibasis ihre Kandidatur auf Platz drei.

Unter den ersten 30 Kandidaten hatte der Parteivorstand mit Daniel Syré, Sarah Rau, Benjamin Judith, Charlotte Thul, Peter Müller und Emilie Poß auch neue, jüngere Kandidaten platziert. Einige langjährige CDUler rückten dafür auf der Liste weiter nach hinten, zum Beispiel die Olewiger Ortsvorsteherin Petra Block und Michael Witzel – beides aktuelle Fraktionsmitglieder.

„Ich habe mir mit der Liste nicht nur Freunde gemacht“, räumte Maximilian Monzel, seit gut einem Jahr Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Trier, ein und erläuterte: „Wir wollen niemandem den Dank für die Arbeit der letzten Jahre verwehren, aber wir wollen eine starke, junge Liste, mit Leuten, die nicht am Ende ihres beruflichen Lebens stehen, sondern in der Mitte – insbesondere hinsichtlich unserer Absicht, in Zukunft wieder Vertreter der CDU Trier in die Parlamente nach Mainz, Berlin und Brüssel schicken zu können.“

Eine Überraschung gibt es auch mit Listenkandidat 20: Norbert Freischmidt will zurück in die Kommunalpolitik. Freischmidt saß schon von 2004 bis 2012 für die CDU im Stadtrat – hatte aber sein Stadtratsmandat niedergelegt, nachdem das Amtsgericht den Gastronom wegen der Hinterziehung von Sozialabgaben zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt hatte. Freischmidt ging in Revision und wurde in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt. Jetzt will der 48-Jährige nicht nur im nächsten Stadtrat wieder mitarbeiten, er tritt für die CDU auch im Stadtteil Mitte-Gartenfeld als Ortvorsteherkandidat an.

Eine Debatte über die Listenaufstellung blieb aus, lediglich Bernd Michels, Ortsvorsteher von Kürenz, und Peter Terges, stellvertretender Ortsvorsteher von Olewig, kritisierten, dass aus ihren Stadtteilen keine Vertreter im vorderen Listenteil zu finden seien. Insgesamt stimmten die CDU-Mitglieder allerdings mit großer Mehrheit für die vom Parteivorstand vorgeschlagene Kandidatenliste.

Das Wahlprogramm der CDU ist diesmal in 14 Arbeitskreisen entstanden. Beim Parteitag stellten die Sprecher der Arbeitsgruppen die Ziele der Trierer CDU kurz vor. Vieles blieb dabei im Allgemeinen.

Klare Bekenntnisse gab es für den Bau der Umgehungsstraße Moselaufstieg, den Erhalt aller Grundschulen in der Stadt und die Stärkung des ÖPNV. „Busfahren muss billiger werden“, forderte Thomas Albrecht, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Neue Regelungen würden ermöglichen, den städtischen Busverkehr aus öffentlichen Mitteln mitzufinanzieren. „Darüber können wir endlich an der Preisschraube drehen – wir müssen uns nur im Klaren sein, dass das Geld aus der Stadtkasse kostet“, sagte Albrecht.

In einer früheren Version des Artikel war lediglich das erstinstanzliche Urteil genannt, nicht die zweitinstanzliche Geldstrafe. Außerdem hatten wir geschrieben, dass Freischmidt nur von 2009 bis 2011 im Stadtrat saß und nach seiner Verurteilung alle Mandate niedergelegt habe. Richtig ist, dass er nur seinen Stadtratssitz aufgab, sein Ortsbeiratsmandat allerdings nicht. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.